
„Ich freue mich an den Hummeln, Schmetterlingen und Wildbienen, die auf Nahrungssuche aus den Erdlöchern ausschwärmen. Ja, auf unserm Friedhof ist Leben“, sagt Susanne Pohlmann, die für die Friedhofsverwaltung der Ev.-luth. Jesus-Christus-Kirchengemeinde Bad Rothenfelde zuständig ist. Mit Einführung des „Grüne(n) Hahn“ 2015 wurde nachhaltiges Handeln wichtiger Teil der Arbeit auf dem Friedhof.
Die Kirchengemeinde nahm an dem Projekt „Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ teil, das von der heutigen Evangelischen Agentur der Landeskirche Hannovers finanziell und beratend unterstützt wurde. Nach dem Motto„naturnahe Entwicklung“ ging es um eine langfristige Planung mit Flächen für traditionelle Gräber und solche für die Entwicklung von gemeinschaftlichen, pflegefreien Grabstätten.
Vorbild für heimische Gärten:

„Wir haben bei den gemeinschaftlichen Flächen standortgerechte Pflanzen mit mehrjährigen Stauden gewählt, so entstanden der Baumgarten und der Schmetterlingsgarten als schöne, pflegefreie und würdevolle Räume, die vielfältigen Nist- und Nahrungsraum für Tiere und Insekten bieten“, erklärt Pohlmann. Sie freut sich, „dass die Art der Bepflanzung bereits Nachahmung gefunden hat, in heimischen Gärten und den Gewerken, die auf dem Friedhof tätig sind.“ Denn auch die Vorteile seien klar: Reduktion von Arbeit, Kosten, Wasserverbrauch, Müll und Torf im Vergleich zu einer mehrmaligen Wechselbepflanzung. Pflanzpläne bietet die Website (s. Infos).
In Kooperation mit dem BUND bleibt eine Fläche als Wiese mit regionalen Apfelsorten frei. „Der Friedhof ist ein einladender Ort der Erinnerung und gleichzeitig Naturraum für heimische Tier- und Pflanzenarten.“
Grabschmuck und Artenschutz verbinden:
Auch der Neue Friedhof in Lingen ist voller Leben, denn seine Gräber werden insektenfreundlich angelegt. Grabschmuck und Schutz des Artenreichtums werden dort zusammengebracht. Die Idee dazu hatte Holger Berentzen, katholischer Dekanatsreferent im Dekanat Emsland-Süd. Er hatte sich gefragt: Was kann Kirche tun, um der Umwelt zu helfen. Ganz konkret kam er dabei auf das Thema Friedhöfe, die in der Region oft in kirchlicher Trägerschaft liegen. Diese ökologisch und insektenfreundlich zu gestalten, kann ein großer Beitrag sein, um die Umwelt zu schützen. Und dabei freuen sich nicht nur Biene und Libelle, sondern auch der Mensch: Wenn Angehörige beispielsweise das Grab nicht mehr regelmäßig pflegen können, ist eine Bepflanzung mit insektenfreundlichem Grün oftmals sinnvoller als Gräber, die mit Kies belegt sind. Denn diese sehen nach kurzer Zeit vermoost und ungepflegt aus.
Auf dem Neuen Friedhof in Lingen dagegen geben Mustergräber einen Eindruck, wie es auch sein kann: Durch Früh- und Spätblüher ist eine bunte Vielfalt entstanden, die keiner großen Pflege bedarf. Außerdem sind auf dem Gelände mittlerweile Nistkästen, Insektenhotels, eine Wildblumenwiese, ein Hochbeet, eine Wildhecke, Fledermaus- und Starenkästen aufgestellt worden. Wer sich informieren will, findet dort Tafeln und Flyer, wo alles beschrieben wird. Wir möchten damit Menschen anregen, auch ihren eigenen Garten ähnlich zu gestalten oder auch Anstoß dazu geben, weitere kirchliche Flächen entsprechend zu gestalten“, erklärt Holger Berentzen.
* Autoren: Brigitte Neuhaus, Sprengel Osnabrück / Thomas Arzner, Bistum Osnabrück
Friedhof Bad Rothenfelde:
https://friedhof-bad-rothenfelde.wir-e.de/friedhof-und-umwelt
Neuer Friedhof Lingen:
www.friedhofskommission-lingen.de/friedhoefe/neuer-friedhof/