Im Trauerfall gilt es trotz aller Schwere ums Herz jede Menge organisatorische Entscheidungen zu fällen Die Wahl des passenden Blumenschmucks ist eine davon. Am besten wird sie von erfahrenen Floristen Hand in Hand in enger Absprache mit versierten Bestattern getroffen.
„Blumenschmuck ist ein zentraler Bestandteil von Trauerfeiern, der Trost spendet, Respekt ausdrückt und eine würdevolle Atmosphäre schafft. Er umfasst Sargoder Urnengestecke, Kränze und Sträuße, oft in Weiß oder sanften, gedeckten Farben Creme wie oder Rosé“, berichtet Heike Becker-Vette vom Floristikfachgeschäft „Blüten Genuss“ in Bad Essen.
Im Allgemeinen symbolisieren Blumen Liebe, Hoffnung und Vergänglichkeit. Und im speziellen (Trauer-) Fall? „Klassische Beerdigungsblumen wie Nelken, Lilien oder Chrysanthemen gibt es eigentlich nicht mehr. Natürlich haben etliche Gattungen in der Symbolik der Blume eine bestimmte Bedeutung. So steht zum Beispiel die Callas über den Tod hinaus für Anerkennung, Bewunderung und Unsterblichkeit“, berichtet die Floristin.


Ihre Ausbildung absolvierte Heike Becker-Vette 1980 in dem Blumenladen, der auch heute noch den Mittelpunkt ihres Lebens bildet. Damals gab es mehr Lehrlinge in den Klassen, als freie Stellen. Im Jahr 2018 sah die Floristin im Wunsch zur Geschäftsübergabe ihrer langjährigen Chefin Gunhild Honermeyer die Chance, ihre Kreativität noch stärker auszuleben.
Laut der berufserfahrenen Floristin kann heute fast jede Blume bei einer Trauerfeier in Szene gesetzt werden – egal ob Rose, Tulpe, Sonnenblume oder Ranunkel. Kam lange Zeit ausschließlich das Grün von Tannen und Koniferen zum Einsatz, erfreuen sich neben kleinen rankenden Elementen aus Efeu inzwischen auch Myrtengewächse wie Eukalyptus wachsender Beliebtheit.
Erlaubt ist alles was der Verstorbene gern mochte und was den Angehörigen gefällt. Haben die Hinterbliebenen so gar keine Vorstellung, hilft meist ein gemeinsamer Blick in die Fotomappe oder ein Gang ins Kühlhaus, der die florale Vielfalt unmittelbar vor Augen führt.
Im Trauerfall sind Kundinnen und Kunden häufig überwältigt von der Gesamtsituation. Um ihnen Orientierung zu geben, berät die Floristin sie fachlich kompetent und mit viel Einfühlungsvermögen.
„Im Gespräch hört man vieles raus. Manchmal dauert es halt länger. Ich finde es aber wichtig, sich situativ die angemessene Zeit zu nehmen. Abgestimmt auf die Art der Beisetzung – also ob Urnen- oder Erdbestattung – und den Rahmen der Beerdigungsfeier fertigen wir schließlich mit einer Woche Vorlauf das individuell passende floristische Werkstück.“
Den Gestaltungsmöglichkeiten in der Trauerfloristik sind laut Heike Becker-Vette kaum Grenzen gesetzt. War der Verstorbene Jäger aus Leidenschaft, liegt die Verwendung von Waldelementen wie Moos und Zapfen nahe. Soll zum Ausdruck kommen, dass jemand glühender FC Bayern oder HSV-Fan war, kann dies aufgegriffen werden. Auch bestimmte Modefarben, die jemand zu Lebzeiten gerne getragen hat, können sich im Blumenschmuck wiederfinden.
Im Laufe ihres Berufslebens hat die Zahl der Urnenbeisetzungen stark zugenommen. Mit den Bestattungsinstituten und Friedhöfen haben sich auch die Floristen auf diesen Wandel eingestellt. Unabhängig davon, ob ein letzter Blumengruß klein oder groß, aus kräftigen oder gedeckten Farben, als Kranz oder Gesteck – in Herz- oder in Kreuzform – gestaltet wird. Eines bleibt stets gleich:
Frische Blumen, fachgerecht verarbeitet und individuell auf den verstorbenen Menschen und die Wünsche der An- und Zugehörigen abgestimmt, spenden bei Trauerfeiern Trost – vom ersten Moment des Ankommens bis zum Abschied am Grab.
Johanna Kollorz