In Zeiten der Trauer suchen viele Menschen nach Unterstützung, die rund um die Uhr für dich da ist. Und mittlerweile gibt es eine Instanz die – vermeintlich – 24 Stunden am Tag zur Verfügung steht. Das ist etwas, das Künstliche Intelligenz (KI) bieten kann. Und noch mehr: KI-basierte Anwendungen bieten einen geschützten Raum, in dem man Gefühle jederzeit ausdrücken und reflektieren kann. Aber es gibt auch Probleme und offene Fragen ...
Chatbots, die auf maschinellem Lernen basieren, können Trauernden als virtuelle Gesprächspartner zur Seite stehen. Sie sind darauf programmiert, einfühlsam auf Eingaben zu reagieren und Trost zu spenden. Dabei passen sie sich den individuellen Bedürfnissen der Hinterbliebenen an und lernen kontinuierlich dazu. Und ganz wichtig: Sie sind immer dann da, wenn sie gebraucht werden. KI-Systeme können Artikel, Meditationsübungen oder Kontakte zu Selbsthilfegruppen empfehlen, die genau zur aktuellen Situation der Hinterbliebenen passen.

Darüber hinaus können KI-gestützte Anwendungen Stimmungsschwankungen erkennen. Dafür nutzen sie Mechanismen, die bereits bei anderen Health- und Achtsamkeitsanwendungen eingesetzt werden. Als immer anwesender Begleiter können sie proaktiv Unterstützung anbieten. Sie erinnern ihren Auftraggeber beispielsweise sanft daran, etwas für sich zu sorgen und können in Krisensituationen schnell professionelle Hilfe vermitteln.
Menschen, die beruflich immer wieder mit Trauernden arbeiten, sind oft skeptisch, wenn es um künstliche Trauerbegleiter geht. „Wir machen Dinge und wir wissen nicht, was die Dinge mit uns machen“, fasst Kathrin Rosen, Koordinatorin Trauer beim Osnabrücker Hospiz, zusammen. „Wir nutzen das in der eigentlichen Trauerarbeit gar nicht!“ Einen Einsatzbereich sieht sie eher auf technischer Ebene. Gegen die Einsamkeit könne ein Chatbot vermutlich höchstens kurzfristig helfen. „Wir betonen die menschliche Ebene“, so Rosen. Die unterschiedlichen Angebote finden sich unter www.osnabruecker-hospiz.de .
Im Trauerfall kann ein KI-Chatbot also eine wertvolle erste Anlaufstelle sein. Er kann helfen, die Gedanken zu ordnen und erste Schritte zur Bewältigung zu finden. Für tiefergehende emotionale Unterstützung und professionelle Hilfe sind menschliche Trauerbegleitern und Therapeuten unersetzlich. KI kann hier allerdings als Brücke zwischen Sitzungen fungieren. Tagebuch-Apps können zum Beispiel helfen, den Trauerverlauf zu dokumentieren und Muster in deinen Emotionen zu erkennen.
Ein weiterer Aspekt ist die potenzielle Abhängigkeit von KI-Systemen. In der verletzlichen Trauersituation besteht die Gefahr, sich zu sehr auf die digitale Unterstützung zu verlassen und dabei menschliche Beziehungen zu vernachlässigen. Besonders gefährlich sind hierbei sogenannte Avatare. Persönlichkeitsmuster des Verstorbenen werden dabei zum Anlernen der KI genutzt. Echte Sprachaufnahmen des Verwandten erlauben es, dass die KI mit der Stimme des geliebten Menschen spricht. Das kann den Abschluss der Trauerarbeit und die Rückkehr in ein normales Leben erschweren.
„Was macht es mit den Menschen, wenn sie einen Partner virtuell zum „Leben“ erwecken?“, fragt Rosen. Eines ist ihrer Meinung nach klar: Diese „Beziehung“ kann nicht gut gehen. „Avatare entwickeln sich nicht weiter, die Menschen schon“, sagt sie. Wenn sich die Hinterbliebenen dann ihren Avatar auf ihre Wünsche anpassen, hilft das nicht, den Verlust in das weitere Leben zu integrieren.
Datenschutz und ethische Fragen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Deswegen sollte man vor Nutzung eines Chatbots wissen, wer die persönlichen Informationen zu sehen bekommt, wie sie verarbeitet werden und wie transparent die Anbieter mit den Daten umgehen und ihrer Nutzung umgehen.
Robert Schäfer
Das Osnabrücker Hospiz setzt sich in Kooperation mit der Volkshochschule Osnabrück am Dienstag, 17. März 2026, um 19 Uhr im Großen Saal der VHS mit diesem Thema auseinander. Unter dem Motto „Zwischen Unterstützung, Erinnerung und ethischer Verantwortung“ werden sowohl praktische Anwendungsfelder als auch ethische, emotionale und gesellschaftliche Herausforderungen beleuchtet. Eine Anmeldung ist unter https://www.vhs-os.de/kurs/26A7407 oder im Osnabrücker Hospiz unter info@osnabruecker-hospiz.de oder telefonisch unter 0541 / 350 55 0 möglich. Der Eintritt beträgt neun Euro.