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Trauerrednerin Marie Ziegler aus Offenburg: Redekunst ist ihre Leidenschaft

Mit einfühlsamen „Lebensfeiern“ gibt sie Erinnerungen Raum, würdigt gelebte Lebensgeschichten und schafft persönliche Abschiede, die Trost spenden und Angehörige in schweren Momenten begleiten

Johanna Kollorz

Marie Ziegler (Wortreise“) ist ausgebildete und IHK-zertifizierte freie Rednerin in den Bereichen Kinderwillkommensfest, freie Trauung und Trauerfeier. Foto: Kim Jeannine Fotografie
Marie Ziegler (Wortreise“) ist ausgebildete und IHK-zertifizierte freie Rednerin in den Bereichen Kinderwillkommensfest, freie Trauung und Trauerfeier. Foto: Kim Jeannine Fotografie

Mit Themen wie Trauer und Sterben wird niemand gerne konfrontiert. Dennoch gibt es Menschen, die eine Gabe dafür haben, Gefühlen in fordernden Lebenssituationen den benötigten Raum zu geben.

Marie Ziegler, 34 Jahre, ausgebildete und IHK-zertifizierte freie Rednerin, ist so ein Mensch. „Schreiben habe ich schon immer geliebt und genauso, Menschen zu begegnen und ihre Geschichten zu hören. Wie wichtig es ist, in schweren Momenten zuzuhören und präsent zu sein, habe ich schon früh gespürt“, berichtet die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Auf einer Reise auf dem Jakobsweg, in einem kleinen Café, reifte in Marie Ziegler der Gedanke, ihr Talent zu nutzen. 2023 ließ sich die ehemalige Offenburgerin vom „RedeKunstWerk“ in Georgsmarienhütte zur freien Rednerin in den Bereichen Kinderwillkommensfest, freie Trauung und Trauerfeier ausbilden.

Unternehmen aus der Region

Nach den Seminartagen und der Prüfung vor der IHK wurde ihr noch klarer, dass sie nicht nur die leichten Momente im Leben begleiten möchte: „Ich sehe das Leben als eine Reise, auf der jeder Halt ein eigenes, besonderes Kapitel erzählt. Als Rednerin möchte ich diesen eine Stimme verleihen – Geburt, Liebe und Abschied sind für mich nicht nur einzelne Ereignisse, sondern miteinander verwobene Stationen einer großen Lebensreise – vielleicht sogar die Größten überhaupt.“

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Bei Trauerfeiern ist es Marie Ziegler wichtig, Erinnerungen noch einmal hell aufleuchten zu lassen. Augenblicke zu schaffen, die verbinden undlange nachklingen dürfen. Im privaten Umfeld habe ihr der individuelle Blick auf den Menschen manchmal gefehlt.

„Abschied ist immer traurig, doch der Mensch, den wir loslassen müssen, hat das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen gelebt. Genau das gilt es meiner Meinung nach zu würdigen“, so Ziegler, die darum lieber den Begriff „Lebensfeiern“ verwendet.

In diesen möchte die freie Rednerin Herzen berühren und den Zauber eines Lächelns hervorrufen - kleine besondere Momente schaffen, die selbst inmitten von Schmerz und Hilflosigkeit Trost schenken können.

„Es gibt auch Abschiede, bei denen die Lebensgeschichten noch kurz waren. Gerade dann brauchen Worte besondere Sorgfalt.“

Gute Trauerreden zeichnen sich dadurch aus, dass sie persönlich, authentisch und von Respekt getragen sind. Es geht darum, die Gefühle der Angehörigen und Freunde einzufangen und zugleich das Leben des Verstorbenen in den Mittelpunkt zu stellen. Damit das gelingt, bedarf es Empathie und Zeit für ein ausgiebiges Gespräch im Vorfeld.
Im Anschluss daran können all diese Facetten in der Rede lebendig werden – mal mit einer Prise Humor, mal durch leise, tragende Worte.
„Was ich an meiner Arbeit besonders schätze, ist das große Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Wenn im Gespräch über Verstorbene gemeinsame Erinnerungen lebendig werden, entstehen tief berührende Momente. Auch das empfinde ich als einen wichtigen und wertvollen Teil der Trauerverarbeitung.“

Geprägt durch ihre Erfahrungen fragt Marie Ziegler Hinterbliebene: Was würden wir uns für unseren eigenen Abschied wünschen? Welche Lieder? Welche Bilder sollen bleiben? Welche Menschen möchten wir an unserer Seite wissen? Und welche Geschichten sollen erzählt werden? „Stellen wir uns einmal vor, wir würden all das festhalten – immer dann, wenn uns etwas einfällt, und es in eine kleine Truhe legen. Dann steht genau diese Truhe voller Schätze unseres Lebens, eines Tages mit auf dem Tisch, wenn es darum geht, eine würdige „Lebensfeier“ zu gestalten.


Impuls: Trauer – wo fängt sie an?

Oft sprechen wir erst dann von Trauer, wenn ein Mensch stirbt. Doch Trauer beginnt häufig viel früher. Sie berührt uns leise und fast unbemerkt: Wenn Wege sich trennen, Freundschaften verblassen, vertraute Orte nicht mehr Heimat sind oder eine Krankheit plötzlich alles verändert. Auch offene Fragen ohne Antwort können Trauer in sich tragen. Für diese stillen Formen der Trauer gibt es oft wenig Raum – weder in unserer Umgebung noch in uns selbst. Und doch begleiten sie uns, lange bevor wir ihnen diesen Namen geben. Und dann gibt es die große, unmittelbare Trauer: Wenn ein geliebter Mensch geht und Abschied endgültig wird. Dann trifft uns Trauer mitten im Leben. Plötzlich steht sie nicht mehr im Hintergrund, sondern im Zentrum unseres Alltags und wir begegnen ihr oft zum ersten Mal bewusst, ohne zu wissen, wie wir mit ihr umgehen sollen. JK

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