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Eine Stadt – viele Stadtteilfriedhöfe

Nicht nur zum 100. Jubiläum des Heger Friedhofs gab es Führungen zu den verschiedenen Grabstätten (Foto). Auch 2026 kann man sich bei Führungen viele Informationen holen. Foto: OSB

Stadt der kurzen Wege – gilt auch für Osnabrücker Friedhöfe

Die 13 Friedhöfe der Stadt Osnabrück bieten verteilt über das gesamte Stadtgebiet schnell erreichbare Trauerorte an. Dabei werden neben der Hauptfunktion der Bestattung von Toten viele weitere Funktionen für die Bürgerinnen und Bürger erfüllt. Die Friedhöfe sind damit besonders wichtige und vielseitige Räume für alle in Osnabrück.

Am wichtigsten ist eine einzigartige Funktion: Friedhöfe sind Orte für Trauerhandlungen. Laut der Initiative „Friedhöfe die gut tun“ sind Friedhöfe somit Heilungsorte. Diese besondere Wirkung entfaltet sich nur an diesem einen Ort, an dem eine geliebte Person wirklich bestattet wurde.

Am Grab, in dem die Person bestattet wurde, entsteht eine besondere Konfrontation mit Tod und Trauer. Bildlich gesprochen: Durch die Berührung der „Wunde“ – den Besuch des wirklichen Bestattungsortes – kann Heilung nach und nach gelingen. Die Initiative beschreibt dies als eine unmittelbare Kommunikation zwischen Lebenden und Verstorbenen, wie durch einen zarten Vorhang.

Diese heilsame Wirkung kann sich am einfachsten entfalten, wenn Friedhöfe unkompliziert und schnell im Alltag erreichbar sind. Und auch das gehört zum besonderen Trost dazu: Mitten zwischen Alltagsorten den Trauerort besuchen können, genau wie auch der Tod mitten in den Alltag hereinbrechen kann.

Zum hundertjährigen Jubiläum des Heger Friedhofs im Oktober 2025 war die Wanderausstellung „Weltkulturerbe Deutsche Friedhofskultur“ zu Besuch. Dort wurden die vielen besonderen Funktionen der Friedhöfe benannt:

• Halt in der Trauer: Wenn wir Abschied nehmen müssen, helfen uns die über Generationen entstandene Trauerrituale, mit dem Verlust von Menschen zurecht zu kommen.

• Würdiger Rahmen für die Erinnerung, für die ganze Gesellschaft: Auf dem Friedhof halten wir die Erinnerung an unsere Vorfahren wach und an all die Menschen, von denen wir uns bereits verabschieden mussten.

• Kleine individuelle Gärten der Erinnerung: Das individuelle Gestalten und Pflegen von Gräbern ist weltweit besonders und Teil unserer Kultur.

• Ein besinnliches Philosophieforum: Unsere Friedhöfe sind ruhige, erholsame Orte, an denen wir uns immer wieder auch den Kernfragen des Lebens stellen, wie z. B.: Woher komme ich, wohin gehe ich?

• Ein Meditationssaal: Optimal für Qi Gong, Yoga und andere ruhige Übungen zur täglichen Seelenpflege geeignet.

• Ein großer Skulpturenpark: Unsere Friedhöfe sind gestaltete Parkanlagen, auf denen sich so viele Denkmäler und Skulpturen finden wie sonst nirgends.

• Unverzichtbar für aktiven Klima- und Naturschutz: Friedhöfe sind wichtige Orte der Biodiversität, die vor allem in großen Städten nachhaltig zum Klima- und Naturschutz beitragen.

• Grüne Seniorentreffs: Die Friedhöfe sind soziale Begegnungsstätten, die nach dem Verlust von Lebenspartnern Vereinsamung entgegenwirken, und auch ein wichtiger Treffpunkt für alle im Stadtteil, wie z. B. für Osnabrück die Ehrenamtlichen vom Friedhofscafe Schinkel berichten, das bewusst nicht „nur“ Trauercafe ist.

• Lebendiges Geschichtsbuch: Auf unseren Friedhöfen ist die Geschichte unserer Dörfer, unserer Städte, unseres Landes sichtbar und wird dort täglich sichtbar neu geschrieben.

• Mahnung zum Frieden: Auf Soldatenfriedhöfen ist der Schrecken des Krieges in Zeiten des Friedens bewegend spürbar; zugleich sind es heute Orte der Völkerverständigung und des Friedens.

• Inspirierender Kulturraum: Die besondere Atmosphäre auf Friedhöfen hat unzählige Künstler unterschiedlichster Disziplinen inspiriert – Maler genauso wie Autoren oder Filmemacher.

• Sportplatz: Hier werden ruhige Sportarten ausgeübt, wie Joggen oder Walken.

• Kühler stiller Lesesaal: Menschen genießen besondere Friedhofsmerkmale: Ruhiger Freiraum und oft auch durch sehr große Bäume besonders kühler Freiraum.

• Sicherer ruhiger Ort für Kleinkinder: Historische Friedhöfe dienen als autofreier Freiraum zum Radeln lernen für Kleinkinder (so erzählen es Besucherinnen des Hasefriedhofs).

• Arbeitsplatz: Hier arbeiten nicht nur städtische Mitarbeitende, sondern auch Friedhofsgärtnereien, Steinmetze, Bestattungsinstitute, Pfarrer und Redner*innen.

• Naturbeobachtung: Die Führungen zur Vogelkunde und Fledermausbeobachtung sind immer sehr gut besucht und zeigen eine große Vielfalt der Arten.

Eva Güse*

* Die Autorin ist Abteilungsleiterin für Friedhöfe und Bestattungswesen beim Osnabrücker Servicebetrieb der Stadt Osnabrück.


KULTURVERANSTALTUNGEN 2026: AUF DEN HISTORISCHEN FRIEDHÖFEN HASEFRIEDHOF UND JOHANNISFRIEDHOF

Songs zwischen Trauer und Trost: 

Teil der Jubiläumswoche 2025 auf dem Heger Friedhof war die sehr gut besuchte Veranstaltung „Songs zwischen Trauer und Trosť“ vom Popkantor Jens Niemann der evangelischen Kirche. Zusammen mit der Friedhofsverwaltung und den beiden Kirchenvertretern im Friedhofsbeirat, Carsten Lehmann und Thomas Herzberg. lud Niemann zum Mitsingen ein. Diese Veranstaltung wird wiederholt – der Termin wird in der Tagespresse bekanntgegeben.

Abendführung des Vereins Spurensuche-Osnabrück e. V.: 

Über 100 Neugierige wollten – ebenfalls in der träumerischen Abendstimmung – mehr über die vielfältige Geschichte des Heger Friedhofs wissen und wurden nicht enttäuscht. Auch diese Führung wird wiederholt: am 5. September um 19.30 Uhr (Treffpunkt vor der großen Kapelle Heger Friedhof, Rheiner Landstraße 170).

Neues Leben zwischen alten Gräbern - Kulturveranstaltungen 2026: 

Die historischen Friedhöfe Hasefriedhof und Johannisfriedhof werden weiterhin als denkmalgeschützte Friedhöfe mit Park-Charakter erhalten. Sie übernehmen als Grünanlagen mit gespeicherter Stadtgeschichte aus über 200 Jahren wichtige Freiraumfunktionen für Osnabrück zum Spazierengehen, Entspannen und Entdecken von Natur und Kultur. Viele verschiedene Veranstaltungen laden ein, durch Mauer gefassten Abteilungen, stimmungsvolle Kapellen, wunderschöne Pflanzen und die interessante Geschichte zu entdecken.

Einmalig ist dieses Jahr die Aufführung eines Stücks des Ersten Unordentlichen Zimmertheaters. 

Der Friedhof ist hier zwingend als Handlungsort vorgegeben.

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Plus: Der Friedhof Eversburg feiert 150. Geburtstag – und zeigt die Ergebnisse engagierter Forschungsarbeit über Kriegsgräber von Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule Eversburg. Spenden willkommen für die Ziele der Treuhandstiftung„Historisches Bewahren denkmalgeschützter Friedhofskultur in Osnabrück“.

Diese Stiftung wurde 2013 mit einer Ersteinlage der Stadt Osnabrück und der Bürgerstiftung als Treuhänderin gegründet. In der Vergangenheit konnte z. B. mit Beteiligung der Treuhandstiftung und weiterer Mittelgeber das Kriegerdenkmal in der 3. Abteilung oder die Sanierung der Kapelle des Hasefriedhofs unterstützt werden. Spenden können auch für konkrete Grabmale oder für einzelne Abteilungen gegeben werden. Das große Spendenziel 2026 ist das Sammeln für die grundlegende Sanierung der Torhäuschen zwischen vierter und fünfter Abteilung des Johannisfriedhofs. Nach gelungener Sanierung werden hier regensichere Gruppentreffen z. B. für das Hospiz stattfinden. Die Stiftung ist auf das Engagement aller angewiesen. Mit einer Spende auf das Konto der Osnabrücker Treuhandstiftung unterstützen und fördern Sie den Erhalt und die Pflege dieser in Niedersachsen einmaligen stadt- und kulturgeschichtlichen Denkmale. Auf der Homepage www.hasefriedhof-johannisfriedhof.de finden Sie Beispiele notwendiger Arbeiten, für die Spenden gebraucht werden. Hier gibt es auch aktuelle Hinweise zu Veranstaltungen, Projekten und Literatur. Informationsmaterialien gibt es zudem in der Tourist-Information in der Bierstraße 22/23, Osnabrück.

Bildungsorte und Freiräume für Kinder und Jugendliche: 

Das „Adventure Hasefriedhof“ wurde schon oft beherzt gelöst und kann auch in Zukunft auf dem Handy gespielt werden. Weitere Infos: http://www.adventure-hasefriedhof.de/

Spielheft und Infoheft Hasefriedhof: 

In der Tourist Information in der Bierstraße erhält man die liebevoll gestalteten Spielmaterialien für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren.

Informationshefte „Vergissmeinnicht“ und „Gedenkemein“: 

Ein Seminarkurs des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums hat zwei Informationshefte über die Kriegsgräberfelder aus den beiden Weltkriegen (Johannisfriedhof) fertig gestellt. Beide können auf der Homepage heruntergeladen werden.
www.hasefriedhof-johannisfriedhof.de

Weitere Infos: 

Stadt Osnabrück, Osnabrücker Servicebetrieb, Abteilung Friedhöfe und Bestattungswesen, Eva Güse, guese@osnabrueck.de

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