Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

„Wenn die Sterne fallen" im Theater Osnabrück

Eine Hochzeit, bei der die schiefe Torte das kleinste Problem ist.

Familiendrama und gesellschaftliche Spiegelung in Beth Steels Tragikomödie „Wenn die Sterne fallen“: Erstmals auf einer deutschen Bühne. Premiere am 11.04.2026 im Theater am Domhof, Osnabrück.

Es gibt Stücke, die man betrachtet. Und es gibt Stücke, in die man hineingezogen wird, ob man will oder nicht. Hierzu gehört Beth Steels jüngstes Werk. Die Tragikomödie wird seit 2024 in London gefeiert und ist nun in Osnabrück erstmals auf einer deutschen Bühne zu erleben.

Nottinghamshire, Sommer 2022: Es ist der große Tag von Sylvia, der jüngsten von drei Schwestern. Denn sie heiratet ihren Verlobten Marek. Bier und Wodka fließen, Liebe und Verlust mischen sich miteinander, und während die Feier ihren Lauf nimmt, verändert sich alles. Alle Figuren scheinen auf einer tickenden Bombe zu sitzen, aber auf welche und wann geht sie hoch?

Beth Steel, die selbst aus der Bergbaugegend in England stammt, weiß, wovon sie schreibt. Sie hat den Niedergang der Kohleindustrie miterlebt, den Bergarbeiterstreik von 1984/85 und seine verheerenden sozialen Folgen. Die so genannten „left-behind“ towns, jene abgehängten Kleinstädte, die am Vorabend des Brexits zu politischen Brennpunkten wurden, sind ihr keine Abstraktion, sondern gelebte Erinnerung. Während hier bei Osnabrück das Bergwerk Ibbenbüren 2018 als eines der letzten deutschen Steinkohlenbergwerke schloss, wurden in England flächendeckend schon nach 1985 die Kohlewerke abgewickelt. Die starke kulturelle Prägung und Verbindungen der Bergleute sind aber trotz der zurückliegenden Zeit in der Familie immer noch gelebte Realität.

Und doch verweigert Steel die banale Sozialstudie. Stattdessen setzt sie auf die große Form: das Familiendrama, das von der ältesten bis zur jüngsten Generation reicht, in dem jede Figur ihr eigenes Gewicht hat, ihren eigenen Humor, ihre eigene Würde.

Immer wieder ziehen sich Risse durch den Familienzusammenhalt: Rassismus gegenüber Einwander*innen – besonders brisant, da Marek selbst polnischer Einwanderer ist –, die berufliche Aussichtslosigkeit und das Zerbrechen privater Träume. Eine Vereinzelung macht sich breit, die es den Figuren immer schwerer macht, einander wirklich zu verstehen. Dabei liegen auch großer Humor und Wärme in allem Scheitern und Zerbrechen. Die Figuren sind laut, herzlich, manchmal schmerzhaft komisch, und ihre Marotten sind uns meist näher, als wir wahrhaben wollen. Steel wechselt souverän zwischen der Unmittelbarkeit des Augenblicks und einer schwindelerregenden Weite: Diese Hochzeit, diese Familie, diese Gesellschaft - ein winziger Fleck auf der Zeitachse der Erde. Und trotzdem alles andere als bedeutungslos.

WENN DIE STERNE FALLEN
Beth Steel

Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Mit: Verena Maria Bauer, Lua Mariell Barros Heckmanns, Ronald Funke, Hans-Christian Hegewald, Stefan Haschke, Sascha Maria Icks, Thomas Kienast, Hanna Poniatowski/Eva Selinger, Lilly Theis, Monika Vivell

Premiere

Samstag, 11.04.2026, 19.30 Uhr, Theater am Domhof
Öffentliche Probe:
Samstag, 21.03.2026, 10.30 Uhr

THEATER MATCH
Flirt oder Freundschaft: Finde das perfekte Match für einen besonderen Theaterabend,
08. Mai 2026,
Anmeldung: dramaturgie@theater-osnabrueck.de

Meine Favoriten:
Alle Orte: