Wie klingt musikalischer Fortschritt und was geschieht, wenn Komponisten den Blick bewusst zurückwenden? Unter dem Motto "Rückwärts ist auch vorwärts“ spürt Christopher Lichtenstein im 3. Schlosskonzert den spannungsvollen Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart nach.
Den Ausgangspunkt stellt Johann Sebastian Bachs Ricercar à 6 aus dem "Musikalischen Opfer“ dar, ein Meisterstück kontrapunktischer Dichte. Anton Webern überträgt das Bachsche Geflecht aus instrumentalen Stimmen in eine hochpräzise, zugleich schillende Orchesterfassung: Aus der barocken Linienkunst wird eine moderne Klangskulptur, in der jede Geste, jeder Einsatz sorgfältig ausgeleuchtet erscheint.
Igor Strawinskys Concerto in D führt diesen Dialog mit der Tradition weiter. Klassische Formklarheit, neobarocke Anklänge und ein fast kammermusikalisch durchhörbarer Orchestersatz verbinden sich mit rhythmischer Schärfe und motorischer Energie. So entsteht Musik, die bewusst "alt" anmutende Modelle zitiert, sie aber in eine scharf konturierte, moderne Sprache überführt.
Benjamin Brittens Simple Symphony schließlich setzt einen heiteren Schlusspunkt. Aus eigenen Jugendstücken formt der Komponist eine Suite voller Witz, Eleganz und spielerischer Virtuosität. Die scheinbare Einfachheit täuscht dabei: Hinter den eingängigen Themen verbirgt sich raffinierte Instrumentation, die das Orchester farbenreich zum Klingen bringt.
Christopher Lichtenstein führt durch den Abend und macht hörbar, wie eng Tradition und Erneuerung miteinander verflochten sind. Das 3. Schlosskonzert wird so zu einer Entdeckungsreise in die Geschichte der Musik - und zeigt, wie sehr sie in der Gegenwart weiterwirkt, wenn sie den Mut hat, nach hinten zu blicken, um nach vorn zu gehen.
3. SCHLOSSKONZERT
Bach / Webern Ricercar à 6
Igor Stravinsky Concerto in re
Benjamin Britten Simple Symphony
Dirigent und Moderation: Christopher Lichtenstein
Sonntag, 17.05.2026, 18.00 Uhr
Aula im Schloss
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