

Sie haben jetzt elf Jahre in einem 130 Quadratmeter großen Einfamilienhaus in Dalum gelebt, nun ziehen Sie bald in ein 50 Quadratmeter „kleines“ Tiny House. Wie kam diese Idee bzw. dieser Wunsch zustande?
Wir haben uns schon länger mit der Frage beschäftigt, wie wir in Zukunft bewusster und reduzierter wohnen möchten - allerdings nicht in einer klassischen Tiny-House-Siedlung, sondern individuell auf unserem eigenen Grundstück.
Von der Idee zur Umsetzung - worauf muss man am Anfang achten? Wen spricht man an? Wer hat verlässliche Informationen?
Am Anfang stand für uns viel Recherche. Wir haben uns intensiv eingelesen, Erfahrungsberichte verfolgt und mit Menschen gesprochen, die bereits ein Tiny House gebaut haben. Besonders hilfreich war, dass wir bei fünf verschiedenen Tiny-House-Herstellern in ganz Deutschland Musterhäuser besichtigt haben. Das hat uns viele praktische Einblicke gegeben. Sehr früh wird klar, dass rechtliche und baurechtliche Fragen eine große Rolle spielen. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Gemeinde und dem Bauamt auseinanderzusetzen und zu klären, was vor Ort überhaupt möglich ist. Verlässliche Informationen findet man sowohl bei Fachbetrieben und Planern als auch in Netzwerken, Foren und Tiny-House-Verbänden, wo viel Praxiswissen geteilt wird.
Was ist bei der Planung zu beachten, z. B. bei Raumaufteilung, Anschlüssen, Heizen etc.?
Ein Tiny House ist baurechtlich zunächst nichts anderes als ein normales Haus, es gelten die gleichen Anforderungen an Hausanschlüsse, Trinkwasser, Abwasser und so weiter. Die Raumaufteilung ist aber besonders wichtig, weil jeder Quadratmeter zählt. Wir haben uns für 50 Quadratmeter Wohnfläche entschieden. Trotzdem wollten wir ein separates Schlafzimmer, ein Bad mit Dusche, einen offenen Wohn-Essbereich und einen Technik-/Abstellraum unterbringen. Dafür sind viele Stunden mit Millimeterpapier und Lineal in die Planung geflossen. Auch die technischen Themen wie Anschlüsse und Heizung müssen frühzeitig geklärt werden. Gerade bei kleinen Räumen ist ein effizientes und gut steuerbares Heizsystem wichtig.
Welche größeren Hürden gab es bei Ihrem Projekt bisher?
Viele vorgefertigte Tiny Houses werden in osteuropäischen Ländern gebaut, oft mit hohem Qualitätsstandard und nach deutschem Baurecht. Allerdings gibt es transportbedingt Nachteile bei den Abmessungen. Deshalb haben wir uns für einen örtlichen Fachbetrieb entschieden, der unsere Anforderungen versteht - in unserem Fall aus Lingen.
Wie reagierte das Umfeld? Wie weit reichten die Meinungen zum Thema Tiny House auseinander?
Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Viele Menschen finden die Idee spannend und mutig und sind neugierig, wie das Wohnen auf so kleinem Raum funktioniert. Andere sind eher skeptisch und können sich nicht vorstellen, dauerhaft auf so wenig Fläche zu leben. Insgesamt haben wir aber gemerkt, dass das Thema viele Gespräche anstößt und zum Nachdenken über das eigene Wohnverhalten anregt.
Was wird Ihrer Meinung nach am deutlichsten anders sein als bei einem „normalen“ Haus - in puncto Umzug und auch beim späteren Wohnen?
Schon der Umzug wird deutlich anders sein, weil wir uns sehr bewusst von Dingen trennen müssen. Es passt schlicht nicht alles mit, und das zwingt dazu, Prioritäten zu setzen. Wir erwarten, dass man insgesamt achtsamer lebt, weniger konsumiert und sich stärker auf das konzentriert, was man wirklich nutzt und braucht. fbac