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Theater Journal Osnabrück

Momentan steckt das Schauspiel-Ensemble mitten in den Proben für “Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare. Szenisch, musikalisch und choreographisch soll ein schwebend schöner Möglichkeitsraum im Theater entstehen. Das künstlerische Team hat seine Gedanken über seine Beziehung zu Shakespeares kluger Komödie und ihrem konzeptionellen Zugang mit uns geteilt.

Das Theater Osnabrück präsentiert Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt“. Das Schauspiel-Ensemble inszeniert das Stück im Ardenner Wald mit Musik, Choreographie und lebendigem Bühnenbild.

Ein Abenteuer der Verwechslungen: Rosalind (Amaru Albancando), Celia (Solveig Eger) und Touchstone (Thomas Kienast) brechen in den Ardenner Wald auf
Ein Abenteuer der Verwechslungen: Rosalind (Amaru Albancando), Celia (Solveig Eger) und Touchstone (Thomas Kienast) brechen in den Ardenner Wald auf

Christian Schlüter, Regisseur: Ganz vereinfacht lässt sich das Stück in einem Satz zusammenfassen: Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn wir alle mehr spielen würden. Der Wald als exterritorialer Ort wird zum Ort der kompletten Freiheit, und seine Bewohner*innen erlangen diese durchs Spielen. Es macht großen Spaß, mit dem Ensemble an Shakespeare zu arbeiten, weil er all seine Figuren irgendwo protagonistisch denkt. Jede Figur tritt irgendwann auf, rückt sich selbst ins Zentrum und sagt: Hier bin ich. Inszenatorisch interessiert es mich, wenn auf der Bühne durch das Zusammenspiel aller eine Form von Schwebezustand erreicht wird.

Lucia Frische, Kostümbild: Ich fand es am spannendsten, an den zwei Welten zu arbeiten, dem Hof und dem Ardenner Wald. Der Hof als uniformeller, vorgegebener, hierarchischer Raum im Gegensatz zum organischen, ausladenden, fantasiereichen Wald. Fragen, die ich mir dabei gestellt habe, waren: Was macht der Wald mit den Figuren? Inwiefern passen sie sich dem Wald an - manche mehr, manche weniger oder gar nicht? 

Anna Bergemann, Bühnenbild: Die These für das Bühnenbild nimmt folgendes an: Es gibt keine toten Gegenstände. Alle Elemente der Bühne, der Requisite und vor allem das Licht sind lebendige Mitspieler*innen des Ensembles. Inspiration hierfür war das Kunstwerk „The Pack“ von Joseph Beuys - eine Installation, in der ein Rudel Schlitten aus einem VW-Bus flieht. Bei der Betrachtung entsteht sofort Empathie, man hofft, dass die Kleinen es schaffen zu fliehen. Für mich beschreibt das die Kraft von Theater und dieses Stück ist ja auch eine große Liebeserklärung an das Theater.

Augustin Zimmer, musikalische Leitung: Es ist das erste Mal, dass ich eine Produktion von Christian auch live auf der Bühne begleiten werde. Dafür konnte ich zwei wunderbare Kollegen gewinnen. Martin Brunner ist für die Synthesizer zuständig und Konstantin König spielt Schlagzeug. Musikalisch steht die Produktion im Stern der Sounds der 80er Jahre. Gesungen werden die Lieder vom Ensemble, indem die musikalische sowie gesangliche Qualität sehr hoch ist. Da macht das Erarbeiten der Songs besonders große Freude.

Miyuki Shimizu, Choreographie: Ich interessiere mich dafür, mit der Körperlichkeit der Figuren zu arbeiten, um ihnen mehr Tiefe oder zusätzliche Ebenen zu verleihen. Außerdem interessiert mich, wie die Körper als abstrakte Elemente in den Szenen eingesetzt werden können und ich habe Lust auf Groove und Spaß mit den Spielenden. Es ist faszinierend, dass dieses Stück auch nach 400 Jahren noch aufgeführt wird - nicht nur, weil es einfach ein Klassiker ist, sondern weil es uns auf unterschiedliche Weise heute immer noch herausfordert.

Kundry Reif, Dramaturgie: Der berühmteste Satz aus „Wie es euch gefällt“ wird vom Melancholiker Jaques gesprochen: Die ganze Welt ist eine Bühne und Fraun wie Männer nichts als Spieler. Damit hat Shakespeare schon 1599 auf den Punkt gebracht, was heute zentrale gesellschaftliche Debatte ist: Identität ist performativ. Wenn Rosalind sich im Wald als Schäfer Ganymed verkleidet, sich dann als Rosalind ansprechen lässt und dies in der damaligen Aufführungstradition ja von einem Mann gespielt wird, spielt ein Mann eine Frau, die einen Mann spielt, der eine Frau spielt. Da kommen dann schon einige Ebenen von Geschlechtszuschreibungen und Rollenkonstruktionen im Spiel zusammen. Der Wald wird dabei zum utopischen Ort: Hier darf Identität ausprobiert werden - fluide und lustvoll.


Wie es euch gefällt

William Shakespeare

Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne: Anna Bergemann
Kostüme: Lucia Frische
Musik: Augustin Zimmer
Choreographie: Miyuki Shimizu
Mit: Amaru Albancando, Verena Maria Bauer, Solveig Eger, Ronald Funke, William Hauf, Stefan Haschke, Sascha Maria Icks, Thomas Kienast, Annika Martens, Oliver Meskendahl

Premiere

Samstag, 11.10.2025,
19.30 Uhr
Theater am Domhof


80 Jahre Theaterverein - Benefiz-Generalprobe „Wie es euch gefällt“

Im Oktober 2025 feiert der Theaterverein Osnabrück sein 80-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass lädt der Verein am Freitag, dem 10. Oktober, um 19.30 Uhr zur Benefiz-Generalprobe von Shakespeares „Wie es euch gefällt“ im Theater am Domhof ein. Bereits ab 18.30 Uhr sind die Gäste zu einem Empfang mit Imbiss im oberen Foyer willkommen.

Der gesamte Erlös des Abends unterstützt die Arbeit des Vereins, der sich seit 1945 ideell und finanziell für das Theater Osnabrück engagiert. Die Jubiläumsveranstaltung ist Anlass zum Feiern und ein Zeichen für den Erhalt der Kultur in Osnabrück. Der Theaterverein freut sich auf viele Besucherinnen und Besucher, die diesen besonderen Abend mitgestalten und gemeinsam ein starkes Signal für die Zukunft des Theaters setzen möchten.

Freitag, 10.10.2025, 19.30 Uhr, Theater am Domhof, Eintritt 35 Euro (25 Euro für Theatervereinsmitglieder, 15 Euro für Schüler*innen und Studierende). Karten über die Theaterkasse.

TanzBar #Thomas Noone

Mit „All Our Stories“ widmet sich der Choreograph Thomas Noone einem Thema, das uns alle betrifft: Aufbruch und Ankommen. Bei der ersten TanzBar der Spielzeit haben wir die Gelegenheit, Thomas Noone ganz persönlich kennenzulernen. Wie landet ein Brite mit indischen Wurzeln in Barcelona? Was inspiriert ihn als Künstler? Im Gespräch mit Dramaturgin Britta Horwath gibt Noone spannende Einblicke in seine Arbeit, seine Wege - und Anekdoten aus dem internationalen Tanzleben. Ein Abend zum Zuhören, Nachfragen und Kennenlernen - und der perfekte Auftakt für dieses neue Stück!

Donnerstag, 09.10.2025, 19.00 Uhr, Theater am Domhof Oberes Foyer

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