Beschaulich und ruhig geht es in der nordbayerischen Kleinstadt Münnerstadt meist zu. Vielleicht ist Münnerstadt gerade deshalb ein wichtiger Ort für Bestattungsinstitute ganz Deutschland. aus Denn junge Menschen aus allen Teilen der Republik lernen hier den Beruf des Bestatters. Beziehungsweise der Bestatterin denn mehr als die Hälfte der Azubis ist inzwischen weiblich.
“Manche Menschen sind eher abgeschreckt, wenn ich von meiner Berufswahl erzähle. Andere finden es cool“, sagt die 18-jährige Belinda Beck. Dass das Bestattungswesen ein Beruf für sie sein könnte, habe sie schon als Zwölfjährige gemerkt. „Als meine Uroma starb, fand ich es spannend, wie es nun weitergeht“, erzählt Beck Eine persönliche Verbindung zum Beruf hat auch Azubi-Kollege Nils Angerbauer. Schon sein Bruder sei Bestatter gewesen, die Mutter Seelsorgerin.
Manche der Azubis sitzen im Nadelstreifenanzug im Schulungsraum, andere mit Arbeitshose und Hoodie. Das passt zum Beruf, der extrem vielseitig ist. Handwerk gehört ebenso dazu wie Psychologie, Jura, Betriebswirtschaftslehre, medizinische Kenntnisse, Veranstaltungsorganisation und Kreativität.
Die angehenden Bestatterinnen und Bestatter erfahren, wie sie ein Beratungsgespräch führen, was psychologisch bei Trauer passiert und was sie rechtlich zum Beispiel bei Überführungen in andere Länder beachten müssen. Auch wie ein Bestattungsinstitut architektonisch und farblich eingerichtet werden kann, damit sich trauernde Angehörige wohlfühlen, wird thematisiert. Auf dem nahe gelegenen Lehrfriedhof lernen die Azubis den Umgang mit einem Bagger. Denn mancherorts heben die Bestatterinnen und Bestatter die Gräber aus.
Die Vielseitigkeit des Berufs ist laut Neuser vom Bundesverband Deutscher Bestatter ein Grund, weshalb es nicht an Nachwuchs mangelt. „Auch der häufig sehr persönliche Kontakt zu Angehörigen der Verstorbenen motiviert viele.“ Dadurch erhielten Bestatter direktes Feedback zu ihrer Arbeit.
Der Beruf sei anstrengend, meint Neuser. „Ein Bestattungsunternehmen muss 365 Tage im Jahr 24/7 ansprechbar sein.“ Zudem stiegen die Anforderungen, unter anderem weil die Kundenwünsche individueller würden und sich nicht mehr so stark an kirchlichen Ritualen orientierten. „Der Beruf hat inzwischen auch Eventmanagement-Charakter.“
Obwohl der Beruf hohe Anforderungen hat, ist er wenig reguliert. Seit 2020 ist er als Vollhandwerk anerkannt – vorher galt er nur als handwerksähnlich. Aber die Berufsbezeichnung Bestatter sei nicht geschützt, sagt Verbandsvertreter Neuser. Das heißt, jeder und jede könne einen Gewerbeschein anmelden und sich als Bestatter oder Bestatterin selbstständig machen. Daher fordert der Verband eine Meisterpflicht. „Das ist auch in Hinblick auf Pandemien und Gefahrenabwehr wichtig“, sagt Neuser. Denn Tote könnten weiter infektiös sein. Der richtige Umgang mit ihnen müsse daher genau erlernt sein.
dpa