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Probleme bei Parodontitis

Ein Zahnarzt schaut sich mit einem Spiegel die Zähne einer Patientin an. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Vorsorge schützt Zähne – Problem bei Parodontitis

Weniger Karies und weniger Zahnverlust – regelmäßige Vorsorge zahlt sich aus, wie neue Daten zeigen. Deutschen Der Mundgesundheitsstudie zufolge gibt es aber weiterhin ein großes Problem.

Eine gründliche Mundhygiene und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind die beste Vorsorge gegen Parodontitis. Foto: Christin Klose/dpa-mag
Eine gründliche Mundhygiene und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind die beste Vorsorge gegen Parodontitis. Foto: Christin Klose/dpa-mag

Bei der Zahngesundheit wird seit Jahren auf Vorsorge gesetzt, und das zahlt sich aus. „Wer als Kind gesunde Zähne hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Senior oder Seniorin noch viele gesunde, eigene Zähne haben“, sagte Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, bei der Vorstellung des zweiten Teils der sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS). So hätten bei den heute 73- bis 82-Jährigen in den vergangenen knapp zehn Jahren 40 Prozent keinen Zahn verloren.

Die Studien liefern seit mehr als 30 Jahren Erkenntnisse über die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland. Für die aktuelle Studie hat das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) im Auftrag der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) von 2021 bis 2023 erstmals rund 1100 Teilnehmer aus der Studie von 2014 erneut untersucht. So kann nachvollzogen werden, wie sich die Mundgesundheit der Teilnehmer über die Zeit entwickelte. Der erste Teil der Studie wurde vergangenes Jahr vorgestellt.

Deutschland schneidet im internationalen Vergleich gut ab

Die Daten belegten „eindeutig, wie wirkungsvoll die langjährige, strukturierte Präventionsorientierung der Zahnmedizin ist“, sagte Ermler. Insgesamt schnitten Kinder Deutschland im internationalen Kariesvergleich hervorragend ab. Laut Daten erkrankte innerhalb des Untersuchungszeitraums im Schnitt maximal ein Zahn an Karies bei den heute 20-Jährigen.

Die Ergebnisse zeigten jedoch auch, dass die Pubertät ein kritisches Alter sei, um das Gebiss kariesfrei zu halten, sagte der Wissenschaftliche Direktor des IDZ, Rainer Jordan. In dieser Zeit reduziere sich der Anteil kariesfreier Personen um rund die Hälfte auf 48 Prozent. Verbesserungsbedarf sieht die Studie bei Parodontitis – einer entzündlichen Erkrankung des Zahnhalteapparates, die unbehandelt zu Zahnverlust führen kann. Zwar habe sich Zahnverlust infolge von Parodontitis stark reduziert.

Allerdings zeigten die Ergebnisse auch, dass die entscheidende Krankheitsdynamik im Alter zwischen 40 und 50 stattfinde. Die meisten Parodontitis-Behandlungen würden jedoch erst im Seniorenalter durchgeführt werden - und damit zu spät. Durch regelmäßige Zahnarztbesuche und frühzeitige Behandlungen könnten Betroffene parodontal gut behandelt werden und somit lange von ihren eigenen Zähnen profitieren, hieß es. Die Studienautoren gehen davon aus, dass in Deutschland 14 Millionen Menschen eine schwere Parodontalerkrankung haben.

Zahnfleischbluten? Früh handeln schützt den ganzen Körper

Es ist keine Kleinigkeit, weil es sich zur großen Sache auswachsen kann: Gerötetes oder blutendes Zahnfleisch sollte man ernst nehmen. Eine Zahnfleischentzündung kann ganz ausheilen, wenn sie rechtzeitig von einem Arzt behandelt wird. Ohne Therapie wird aus dieser Vorstufe dagegen oft eine Parodontitis. Diese Erkrankung, bei der der ganze Zahnhalteapparat chronisch entzündet ist, lässt sich dann nur noch lindern oder verlangsamen. Hinzu kommt: Parodontitis betrifft nicht nur den Mundraum, sondern den ganzen Körper. So verstärkt sie andere Erkrankungen, steht zum Beispiel in Wechselwirkung mit Diabetes. Beide Krankheiten beeinflussen und verschlimmern sich gegenseitig. Parodontitis-Patienten haben auch öfter Herzinfarkte und Schlaganfälle, und die Bakterien können in die Lunge gelangen und Infektionen auslösen. Auch mit manchen Krebsarten könnte Parodontitis zu tun haben.

Unternehmen aus der Region

Weil es zwischen Mund- und Allgemeingesundheit viele Zusammenhänge gibt, rät Sonja Derman, Oberärztin und Leiterin des Funktionsbereichs Parodontologie an der Universitätsklinik Köln, sogar: „Bei unklaren Beschwerden, für die sich medizinisch keine Ursachen finden lassen, sollte man immer auch die Mundgesundheit prüfen.“

Für Patienten sind gründliche Mundhygiene und regelmäßige Kontrolle die beste Vorsorge gegen Parodontitis. Wer außerdem bei Beschwerden direkt zum Arzt geht, erhöht die Chancen, dass früh behandelt und so Schlimmeres verhindert werden kann.
dpa


ZAHL DES MONATS

Sechs bis sechs

Vom 6. Lebensmonat bis zum vollendeten 6. Lebensjahr: Kinder haben in diesem Zeitraum Anspruch auf sechs Vorsorgetermine in der Zahnarztpraxis. Sie sind zeitlich auf die U-Untersuchungen abgestimmt. Was die Krankenkasse ebenfalls übernimmt, sind die Kosten für sogenannte Fluoridierungen. Dabei trägt der Zahnarzt oder die Zahnärztin einen durchsichtigen Lack auf, der den Zahnschmelz härter macht. Das soll die Zähne vor schädlichen Säuren schützen. Alle Kinder bis zum sechsten Lebensjahr haben zweimal pro Kalenderhalbjahr Anspruch darauf. Im Alter von 6 bis 18 Jahren: Die Krankenkasse trägt die Kosten für einen Vorsorgetermin im Halbjahr.
dpa


MYTHOS DES MONATS

Schlechte Zähne sind vererbbar

Man hört es immer wieder: „Das liegt an den Genen.“ Allerdings führt – anders als beim erblich bedingten Haarausfall – die ererbte Anfälligkeit nicht automatisch zu Löchern in den Zähnen. Nicola Blidschun, Zahnexpertin bei einer Krankenversicherung, rät: „Durch gute Zahnpflege und regelmäßige Kontrollen können Betroffene den Ausbruch dieser Krankheiten verhindern.“ Bei wem schlechte Zähne also in der Familie liegen, der sollte sich besonders gut die Zähne putzen. Blidschun: „Besonders in diesen Fällen ist auch die tägliche Zwischenraumreinigung mit Zahnseide oder Interdentalraumbürsten unverzichtbar. Auch professionelle Zahnreinigungen, die krankheitsauslösende Bakterien in schwer erreichbaren Zonen des Mundes beseitigen, sind für diese Menschen sehr empfehlenswert.“
dpa


TIPP DES MONATS

Kauen für die Gesundheit

Beim Muskeltraining denken die meisten von uns an Bauch, Beine, Po. Kaum jemand denkt an den Kiefer. Dabei zählen die Kaumuskeln zu den stärksten des Körpers und sollten täglich trainiert werden. Ein starkes, intaktes Gebiss ist wichtig für die körperliche und mentale Gesundheit. Nach dem Essen oder Trinken hilft der Speichel, Säuren zu neutralisieren, verbliebene Nahrungsreste aus dem Mund zu spülen und die Remineralisierung des Zahnschmelzes zu unterstützen. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung ist das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi als eine von drei täglichen Maßnahmen zur Kariesprophylaxe genannt – ergänzend zum zweimal täglichen Zähneputzen und einem möglichst geringen Zuckerkonsum. Zuckerhaltige Lebensmittel oder Getränke sollten bewusst und in Maßen konsumiert werden, möglichst nicht über den Tag verteilt, sondern bevorzugt während oder nach den Hauptmahlzeiten.
ots

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