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Keine Chance dem Zähne-Krampf

Mit einer elektrischen Zahnbürste lassen sich die Zähne oft gründlicher reinigen als mit der klassischen Handzahnbürste – auch bei den Kleinen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Dem Kind die Zähne putzen: So machen Eltern es richtig, ohne Druck auszuüben oder das Kind gar festzuhalten

Zähneputzen will gelernt sein. Bei Kinderzähnen gilt das für die Kleinen wie die Großen. Denn bei Babys und Kleinkindern sind immer die Eltern fürs Putzen zuständig. Wie man bei den Kleinsten auf gute Weise schon ganz früh damit beginnt und wie sich Stress bei dem Thema vermeiden lässt, erklären zwei Expertinnen.

Wann genau sollten Eltern beim Kind mit dem Zähneputzen beginnen?

„Ab dem ersten Zahn muss dieser sauber gehalten werden“, sagt Johanna Kant. Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte empfiehlt sogar, beim Baby schon vorher mit speziellen Fingerlingen ganz vorsichtig und kurz den Kieferkamm zu massieren.

„Zum einen gewöhnen sich die Kinder dann schon früh daran. Zum anderen fördert das ein bisschen die Durchblutung, was das Zahnen unter Umständen einfacher macht.“ Zahnbürsten für Kinder haben weichere Borsten, manche sogar einen längeren Griff für die größeren Hände der Eltern. Bei ein, zwei Zähnchen geht das Putzen ganz fix, im Alter von zwei bis drei Jahren ist beim Milchgebiss dann schon System gefragt. Das funktioniert laut dem Bundesverband nach der Regel „KAI Plus“ erst die Kauflächen, dann die Außen- und Innenflächen. Das Plus bedeutet: Die Eltern sind für saubere Zähne ihrer Kinder zuständig.

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Unangenehm wird es aber auch, wenn Schmerzen im Spiel sind. Daher gilt: „Schrubben Sie am Oberkiefer nicht über das Lippenband“, sagt Johanna Kant. Im Unterkiefer ist dieses Bändchen ein bisschen weiter weg von den Zähnen, aber oben beginnt es oft direkt am Kiefer. „Wenn Sie darüber putzen, tut es den Kindern weh. Das führt zu dem Empfinden: „Die Zahnbürste ist blöd, die soll nicht in meinen Mund kommen.“

Einem Baby putzen Eltern am besten die Zähne, wenn es auf dem Wickeltisch liegt. Auch wenn man bei Zwei- oder Dreijährigen von vorn putzen kann, hilft manchmal das Von-oben-Putzen, weil Kinder oft instinktiv zurückweichen. Vater oder Mutter setzen sich dafür hin, das Kind lehnt sich mit dem Rücken an deren Beine und beugt den Kopf leicht zurück. Achtung: Beim Putzen immer mit dem Finger die Lippe etwas abhalten, um zu was man genau sehen, macht.

Den Sinn vom Zähneputzen verstehen Kinder unter drei Jahren meist noch nicht. Aber sie nehmen bereits vieles wahr, sagt Diplom-Sozialpädagogin Dana Mundt. Etwa, was die Großen tun. „Das Vorbild von Eltern wirkt“, ist sie sich sicher.

„Lassen Sie das Kind im Alltag einfach mitlaufen.“ Schon in der Babywippe können die Kleinsten im Bad dabei sein, später erst recht.

Wichtig ist laut beiden Expertinnen: alles ohne Zeitdruck, damit Stress keine Chance hat. Jedes Kind und jede Familie ist anders, man sollte daher den eigenen, passenden Weg finden. Was aber oft wirkt, ist Singen. Ob man ein Zahnputzlied abspielt und mitsingt oder sich selbst einen Reim und eine Melodie ausdenkt: Mit Musik macht Kindern das Putzen mehr Spaß und sie schafft eine entspannte Atmosphäre.

Was tun, wenn die Zahnpflege zum Stress-Thema wird?

„Oft steckt Zeitdruck hinter Stress“, sagt Sozialpädagogin Mundt. Wenn es schnell gehen muss, sind alle angespannt. „Nehmen Sie sich deshalb morgens und abends genug Zeit fürs Zähneputzen.“ Manchmal haben die Kinder auch einfach keine Lust oder die Autonomie oder „Trotzphase“ kommt noch on top. Für Eltern ist dann wichtig, konsequent dranzubleiben, auch wenn starke Nerven nötig sind. Zum Machtkampf sollte das Thema Zähneputzen jedoch möglichst nicht werden. Tipp außerdem: Beteiligen Sie das Kind, indem es sich etwa eine schöne Zahnbürste selbst aussuchen darf.

Wichtig ist laut der Ärztin, dass zweimal am Tag geputzt wird, am besten morgens und abends. „Wenn die Zähne einmal am Tag richtig sauber werden, kann es das andere Mal auch flott gehen.“

Fixieren die Eltern das Kind, um ihm gegen seinen Willen die Zähne zu putzen, löst diese Überrumpelung beim Kind massiven Stress aus. „Das hilft gar nicht, sondern baut nur Druck auf“, sagt Dana Mundt. „Das Kind erlebt einen Kontrollverlust und verbindet das Putzen mit negativen Gefühlen.“ Selbst wenn so ein Durchsetzen Eltern kurzfristig zu helfen scheine, sollten sie bedenken, dass das kein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Kind und Eltern schaffe.
dpa

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