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Lingen: Historischer Charme wie um 1850 im Bahnhof

Der Lingener Bahnhof in den 1930er Jahren. Fotos: Bestand des Emslandmuseums

Die zweijährige Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes ist abgeschlossen und die Stadt feiert die offizielle Wiedereröffnung mit einem großen Fest.

Nach zwei Jahren Bauzeit steht die umfassende Sanierung des Lingener Bahnhofs kurz vor dem Abschluss. Am Sonntag, 28. Juni, wird das historische Gebäude nach seiner grundlegenden Neugestaltung mit einem großen Fest offiziell wiedereröffnet. Nach Angaben der Stadt liegen die Arbeiten dabei im vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmen.

Rund 12 Millionen Euro Investitionssumme

Rund zwölf Millionen Euro brutto wurden in die Modernisierung des denkmalgeschützten Gebäudes investiert. Unterstützt wurde das Projekt durch Fördermittel des Landes Niedersachsen, mit EU-Mitteln der N-Bank aus dem Programm „Resiliente Innenstadt“ und der KfW in Höhe von insgesamt 4,63 Millionen Euro. Die Stadt Lingen trägt einen Eigenanteil von rund 7,37 Millionen Euro.

Sanierungsarbeiten 2024 begonnen

Der Weg bis zur Wiedereröffnung begann bereits vor fast zehn Jahren. Im November 2016 erwarb die Stadt das Bahnhofsgebäude von der DB Netz AG. Ein Jahr später folgte ein Architekturwettbewerb, den die Ahrens Pörtner Architektengesellschaft aus Hilter am Teutoburger Wald gewann. Nach europaweiter Ausschreibung der Gewerke konnten die eigentlichen Sanierungsarbeiten schließlich im Juni 2024 beginnen.

Im Mittelpunkt des Projekts stand die denkmalgerechte Wiederherstellung des Gebäudes. Ziel war es, den Bahnhof äußerlich in den Zustand um 1850 zurückzuversetzen. Dabei sollten besonders der historische Charme und die Symmetrie des Gebäudes wieder erkennbar werden.

Die Gebäudesymmetrie, wie sie 1856 das Bild des Gebäudes prägte, kehrt im sanierten Gebäude mit Achsen und klarer Struktur zurück. Die zugemauerten Fensterbögen wurden neu hergestellt und zu bodentiefen Fenstern erweitert. Teile der Decke wurden entfernt, sodass eine hohe Bahnhofshalle entstand.

Von der oberen Empore haben Gäste nun die Möglichkeit, in die großzügige Wartehalle und den gastronomischen Bereich zu blicken. Große Pflanzen im Inneren des Bahnhofs bilden das grüne Herz des Gebäudes und schaffen einen hellen, freundlichen Aufenthaltsbereich für Reisende und Besucher. Durch Lichtbänder auf beiden Gebäudeflügeln erhellt natürliches Licht den Raum.

Unternehmen aus der Region

„Seit seiner Entstehung um 1850 ist der Bahnhof ein zentrales Element Lingens – funktional, historisch und emotional“, betont Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone. „Er ist das Tor zur Innenstadt, der erste Eindruck für viele Besucherinnen und Besucher unserer schönen Heimatstadt. Er verbindet als täglicher Verkehrsknotenpunkt Menschen miteinander und schafft eine direkte, sichtbare Achse zwischen Hochschule und Stadtmitte“, fügt er hinzu.

Unternehmen aus der Region

Neben der architektonischen Aufwertung setzt das Projekt auch auf moderne Technik. Eine Wärmepumpe übernimmt künftig die Wärmeversorgung des Gebäudes. Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine Photovoltaikanlage auf einem benachbarten Gebäude, die den Bahnhof mit Strom versorgt. Zur Nutzung von Erdwärme werden auf dem Vorplatz 14 Erdsonden mit einer Tiefe von jeweils 199 Metern installiert.

Unternehmen aus der Region

Um die Wiedereröffnung am Sonntag, 28. Juni, ausgiebig zu feiern, sind alle Lingener und Besucher zu einem großen Familienfest eingeladen.


Bahnhof seit 1856 im Lingener Stadtbild

Mit der Eröffnung der Hannoverschen Westbahn im Jahr 1856 erhielt Lingen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Aufgrund seiner Lage zwischen Hannover und Emden wurden hier die Zentralen Werkstätten der Bahn angesiedelt, wodurch der Bahnhof von Beginn an über umfangreiche Gleisanlagen verfügte und sich zu einem wichtigen Verkehrsstandort im Emsland entwickelte. Später ergänzten eine Kleinbahn nach Quakenbrück sowie zahlreiche Anschlussgleise zu Häfen, Genossenschaften und Unternehmen die Infrastruktur.

Unternehmen aus der Region

Nach der Schließung des Ausbesserungswerks in den 1980er Jahren wurden große Teile der Gleisanlagen zurückgebaut. Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude wurde 2004 umfassend saniert. Seit 2007 verbindet ein Fußgänger- und Fahrradtunnel beide Seiten der Bahnanlagen, die auf Seiten des Bahnhofs im Theo-Lingen-Platz mündet. Mit dem Bau eines neuen Bahnsteigs, Aufzügen und der Modernisierung des Busbahnhofs entstand bis 2011 ein barrierefreier Verkehrsknoten. 2016 erwarb die Stadt Lingen das Bahnhofsgebäude von der Deutschen Bahn.
smi

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