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Krisenfest: So erstellen Sie Ihren eignen Notfallordner

Notfallordner erstellt? Dann sollte Ihre Vertrauensperson auch wissen, wo dieser zu finden ist. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-mag

Unfall oder Pflegefall: In solchen Situationen ist es wichtig, Dokumente schnell zur Hand zu haben

In Lebenslagen, in denen die Nerven ohnehin schon blank liegen, hilft ein Notfallordner, mit dem Sie und Ihre Angehörigen handlungsfähig bleiben. Doch was gehört rein in die Mappe? Wie wird sie sinnvoll angelegt? Und wo aufbewahrt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Notfallordner.

Welchen Nutzen hat der Notfallordner?

Meistens bewahren wir unsere wichtigen Unterlagen an verschiedenen Stellen auf. Im Krisenfall, etwa bei Unfall, Tod, Brand oder Computer-Chaos, bleibt uns aber keine Zeit herumzurennen, um alles zusammenzuraffen. Die Mappe bündelt die wesentlichen Dokumente und Ansprechpartner zentral an einer einzigen Stelle. „Im Notfall schnappt man den Ordner. Mit einem Griff hat man die wichtigsten Dinge parat“, sagt Arthur Wilm. Er ist Trainer für Verbraucherbildung und berät Menschen im Auftrag von Institutionen zu Vorsorge und Finanzen. Zugleich kann man den Ordner präventiv als Backup nutzen, falls Originale verloren gehen oder von Hackern, Hochwasser oder Feuer vernichtet werden.

Was kommt denn alles in den Ordner?

Das entscheidet jeder und jede für sich selbst. „Wenn jetzt etwas wäre, was bräuchte ich, was bräuchte die Familie, um handeln zu können?“ Eine Notfallmappe beginnt mit Telefonnummern, persönlichen Daten, führt weiter über Urkunden wie Geburts- und Heiratspapiere, Pässe, behandelnde Ärzte und Gesundheitsinformationen, Versicherungen, Bank- und Kontodaten bis hin zu Verträgen und zur Versorgung von Haustieren. Testament, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Bestattungswünsche, sowie Vollmachten für Banken, Post, Geschäft und den digitalen Nachlass sollten ebenfalls hinzukommen. Ersatzschlüssel, etwa für Wohnung und Auto, können Sie ebenfalls reinpacken. Denken Sie daran, die Schlüssel zu beschriften. So können Sie und Ihre Familien sie besser zuordnen.

Und wie wird die Mappe sinnvoll strukturiert?

„Klare Gliederung, eindeutige Überschriften“, lautet der Tipp von Arthur Wilm. Typische Unterteilungen sind Familie und Kinder, Finanzen einschließlich Kredite, Versicherungen, Gesundheit, Haus und Wohnung, Beruf und Geschäft, Auto, Vereine, Abos und Mitgliedschaften, Digitales sowie Vollmachten und Verfügungen.

Ein Notfall kann jeden und jede zu jeder Zeit unvermittelt treffen. Meistens weiß man dann vor Schreck kaum, wo einem der Kopf steht. Es ist nicht nur Hilfe zu organisieren, sondern es müssen im Zweifel auch wichtige Entscheidungen getroffen werden. Wenn dann zumindest die Recherche nach wichtigen Unterlagen entfällt, sind Sie und Ihre Angehörigen schneller handlungsfähig. Darum macht so eine Mappe für jeden Erwachsenen Sinn.

Wie vermeide ich, dass der Ordner zu dick wird?

Bei vielen von uns würde das Material mehr als nur einen Ordner füllen. Um das zu vermeiden, möglichst nur Urkunden wie Geburts- und Heiratspapiere im Original ablegen. Für die meisten anderen Dokumente reichen Kopien der Deckblätter.

Stichwortartige Aufstellungen sind eine ebenso platzsparende wie übersichtliche Alternative. Listen Sie Name, Bezeichnung und Kontaktdaten auf. Also: Autoversicherung Nr. X bei Gesellschaft Y, erreichbar unter Telefonnummer Z. Wohnung: Name des Vermieters plus Anschrift. Eigentümer notieren Adresse und Grundbucheintrag ihrer Immobilie, Geschäftsleute unter anderem IT-Betreuer und Steuerberater. Beim Testament können Sie angeben, wo es hinterlegt ist. Gleiches gilt für Vorsorge- und Betreuungsvollmachten, wenn diese nicht im Original im Ordner liegen. Besitzer von Wertpapierdepots und Schließfächern halten fest, bei welcher Bank. Vermerken Sie jeweils, wen Sie bevollmächtigt haben.

Wer sich mit einem Aktenordner wohlfühlt, wählt diese Option. Wer die Daten digital bevorzugt, fertigt PDF-Dateien an und speichert diese ab. Entweder auf einem verschlüsselten Stick oder gleich in der Cloud. Sie können auch zweigleisig – analog und digital – fahren. Ohnehin ist die doppelte Anfertigung sinnvoll.

Ein Exemplar bewahren Sie dann zu Hause auf. Das andere geben Sie am besten einem Menschen Ihres Vertrauens in die Hand. Das sollte der oder diejenige sein, die handeln muss, wenn Ihnen etwas passiert. Daher sollte die Notfallmappe auch so konzipiert sein, dass Ihre Vertrauensperson damit umgehen kann. „Wer online nicht fit ist, kann mit Unterlagen in der Cloud nichts anfangen. Da ist ein Aktenordner besser“, gibt Arthur Wilm zu bedenken. Beides geht auch: die Online-Version für Sie, die aus Papier für den oder die Vertrauten.

Banksafes sind kein guter Platz. Denn Sie brauchen ja im Notfall sofort Zugriff auf die Unterlagen.

Wie viel Aufwand erfordert die Erstellung?

Vorlagen bieten Orientierung. Es gibt sie zum Beispiel im Internet zum Download. Das kann trotzdem schon einige Wochen dauern, bis man alles zusammen hat.
ots


Warum Familien mehr reden sollten

Was passiert, wenn Papa oder Mama nicht mehr können – darüber sprechen wir nicht gerne. Es liegt auch an unserem gesellschaftlichen Blick auf Pflege: Es werde zu wenig gewürdigt, was Familien in der häuslichen Pflege leisten, sagt Prof. Dr. Gabriele Wilz, die sich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit präventiver psychotherapeutischer Unterstützung für pflegende Angehörige beschäftigt. Pflege sollte in der Familie kein Tabuthema sein. Hat man mit dem Austausch über mögliche Herausforderungen begonnen, ist der Anfang gemacht. Neben dem familiären Gespräch kann auch eine professionelle Beratung entlasten. Gabriele Wilz rät, sich zu überlegen, wie das Gespräch gut gestaltet werden kann und mit wem man zuerst sprechen will – es müsse nicht direkt die ganze Familie an den Tisch geholt werden. Ist die Pflegesituation noch nicht da, können beispielsweise Kinder ihre Eltern offen fragen, wie und wo diese gerne gepflegt werden wollen und von wem, rät Mara Rick von der Beratungsstelle „Pflege in Not“. Jeder Erwachsene sollte seinen Willen für medizinische Notfälle in einer Patientenverfügung festhalten und in einer Vorsorgevollmacht die eigenen Wünsche für den Pflegefall notieren. Bundesweit gibt es Pflegestützpunkte, die erste Anlaufstellen sind und auch in finanziellen Fragen beraten.
dpa

Unternehmen aus der Region

In der Pflege verdient man schlecht

Alten- und Krankenpflegekräfte verdienen laut Statistischem Bundesamt überdurchschnittlich. Abhängig von der Qualifikation, der Berufserfahrung und dem Arbeitgeber gibt es deutliche Unterschiede in der Vergütung. Viele Pflegekräfte profitieren heute von verbesserten tariflichen Vereinbarungen und staatlichen Initiativen zur Gehaltssteigerung. Vor allem spezialisierte Pflegekräfte und solche in Leitungspositionen können ein gutes Einkommen erzielen.


5,7 Millionen Menschen in Deutschland

Laut dem Barmer-Pflegereport 2025 ist die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland zwischen den Jahren 2015 und 2023 von drei auf 5,7 Millionen Personen angestiegen.
ас

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