
Die Gründung der Ems-Zeitung vor 175 Jahren ist eng mit der Blütezeit des Schiffbaus in Papenburg verknüpft: Aus der Taufe hebt sie der Buchdrucker Wilhelm Steinhöfel. Sie heißt zunächst „Papenburger Schifffahrts- und Anzeigenblatt“, besteht aus vier Seiten und erscheint mittwochs und samstags. Steinhöfel fungiert als verantwortlicher Redakteur, Verleger und Drucker. Die Wiege der Zeitung steht in einem Wohnhaus am „Hauptkanal rechts 15“ (links von der heutigen Alten Drostei).
Erstmals am 6. November 1856 heißt das Blatt „Ems-Zeitung“
Unter ihrem heutigen Titel erscheint die Ems-Zeitung erstmals am 6. November 1856. Zum 1. Januar 1860 übernimmt sie der Papenburger Buchhändler Johann Lüken. In den folgenden Jahren wird der Druckstandort mehrfach verlegt, ein Konkurrenzblatt taucht auf und verschwindet. 1889 werden erstmals Redakteure angestellt. Nach mehreren Besitzwechseln übernimmt 1920 der anno 1892 als verantwortlicher Redakteur angestellte Lambert Rosell das Blatt. Mehr als 80 Jahre befinden sich die Geschäfts- und Redaktionsräume am Hauptkanal rechts in Höhe der heutigen Amtsgerichtsbrücke.

Ein Teil des Gebäudekomplexes wird später als Disco genutzt, die unter den Namen „Apex“ und „Alte Druckerei“ lokalen Kultstatus erlangt. 1999 zieht die Zeitung in einen Neubau am Stadtpark. In dem Verlagsgebäude ist sie seitdem Zuhause. Die Altbauten werden 2005 abgerissen. Heute steht dort das Kino.
Ab dem 16. Juli 1924 erscheint die Zeitung täglich. Einen Monat später wird die erste Werbeanzeige geschaltet. Das erste Foto im Lokalteil erscheint am 2. Mai 1928. Es zeigt den Stapellauf des auf der Meyer Werft gebauten Dampfers "Frisia I“.
Kurz vor Kriegsende wird die vorerst letzte Ausgabe gedruckt
Zu Beginn des Dritten Reiches kann der Verleger Theodor Rosell als Nachfolger seines Vaters Lambert nicht verhindern, dass mit dem NS Kreispressewart Hans Nolte zeitweise ein Propagandist Chefredakteur wird. Und doch gilt Rosell als jemand, der sich den Nationalsozialisten mutig in den Weg gestellt und die Unabhängigkeit seiner Zeitung verteidigt hat.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt er jedoch nicht mehr. Theodor Rosell stirbt 1944 im Alter von nur 48 Jahren. Sein Sohn Lambert kehrt nicht aus dem Krieg zurück. Somit tritt die älteste Tochter Maria das Erbe an, die später den Bankkaufmann Heinz Köhne heiratet. Die vorerst letzte Ausgabe der Ems-Zeitung wird kurz vor Kriegsende am 3. April 1945 gedruckt.
Im Besitz der Neuen Osnabrücker Zeitung

1949 einigen sich das Ehepaar Köhne und der Verlag Fromm aus Osnabrück, der zwischenzeitlich im damaligen Kreis AschendorfHümmling eine Zeitung herausbringt, auf eine Zusammenarbeit. Fortan wird der überregionale Teil in Osnabrück produziert und gedruckt, der lokale Teil in Papenburg druckreif gestaltet.
Am 1. Oktober 1949 erscheint das Blatt erstmals wieder unter dem Namen „Ems-Zeitung“. Nach der Fusion der beiden Zeitungen „Neue Tagespost“ (Verlag Fromm) und „Osnabrücker Tageblatt“ (Verlag Meinders & Elstermann) in Osnabrück zur „Neuen Osnabrücker Zeitung“ im Jahr 1967 wird die Zusammenarbeit mit den drei emsländischen Tageszeitungen (Ems-Zeitung, Meppener Tagespost, Lingener Tagespost) ausgebaut. Dass das Schweigen über die NS-Zeit im Emsland im Allgemeinen und die Ems-die Zusammenarbeit mit den drei emsländischen Tageszeitungen (Ems-Zeitung, Meppener Tagespost, Lingener Tagespost) ausgebaut.
Dass das Schweigen über die NS-Zeit im Emsland im Allgemeinen und die Emslandlager im Besonderen gebrochen wird, dazu tragen mit Hermann Vinke und Gerhard Kromschröder Mitte der 1960er-Jahre zwei damalige Redakteure der Ems Zeitung bei. Anerkannt wird das aber erst viel später. Seinerzeit gelten sie als „Nestbeschmutzer“. Dabei legt ihre Arbeit, die auch in den eigenen Reihen auf viel Widerstand trifft und letztlich gar zu beider Entlassung führt, den Grundstein für das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager. Ende der 1970er Jahre gibt die von Köhne geführte Firma Rosell den technischen Betrieb in Papenburg auf. Später geht die Ems-Zeitung in den Besitz der Neuen Osnabrücker Zeitung über.
Gerd Schade