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Auf Spurensuche mit Karl-Hermann Rosell

Auf Spurensuche: Beim Besuch in Papenburg stöbern Karl-Hermann Rosell und Renate Priestab im Archiv der EZ. Foto: Gerd Schade

Familiengeschichte in Papenburg, Karopa-Papierverarbeitung mit Handarbeit, Ems-Zeitung, Leihbüchereien, Druckkunst, regionale Wurzeln, Heimatverbundenheit und Zeitzeugen-Erinnerungen

Karl-Hermann Rosell (79) kennt seine Geschichte. Und doch ist er ein Suchender. Der gebürtige Papenburger, der mit seiner Frau Renate Priestab in Geesthacht vor den Toren Hamburgs lebt, möchte gerne mehr wissen über seine Familie. Beispielsweise wie sie einst in die Fehnstadt kam und die Ems-Zeitung übernommen hat, die seit nunmehr 175 Jahren besteht.

Vater eröffnet in Konkurrenz zur Ems-Zeitung eine Druckerei

Geboren 1946 im elterlichen Haus am Hauptkanal rechts 26, „bin ich mit der Zeitung aufgewachsen“, sagt Rosell. Dabei hatte sich sein Vater Karl bereits 1932 aus dem Zeitungsgeschäft zurückgezogen und als Konkurrenz – zur Ems-Zeitung – eine Druckerei eröffnet.

Die räumliche Nähe aber bleibt. Denn Rosells Elternhaus steht neben dem damaligen Verlagsgebäude am Hauptkanal, das sein Onkel Theodor weiterhin betreibt und wo heute das Kino steht. „Als Kinder gingen wir in beiden Häusern ein und aus“, erinnert sich Rosell. Früh kommt er so mit Redaktion, Druckerei und Korrektorat in Berührung.

Sein Elternhaus ist aber das sogenannte „Karopa-Haus“. Der Firmenname steht für Karl Rosell Papenburg, wie der 79-Jährige erklärt. Die Firma produziert unter anderem Briefumschläge. „Wir haben im Grunde alles gemacht, was mit Postversand zu tun hat“, sagt Rosell.„Damals war das alles noch Handarbeit.“ 

Apropos Handarbeit: Dazu gehört seinerzeit auch das sogenannte Tütenkleben. Die heute veraltete umgangssprachliche Redewendung war eine Umschreibung dafür, dass jemand im Gefängnis einsitzt. Häftlinge wurden einst mit einfachen Tätigkeiten wie dem Zusammenkleben von Papiertüten beschäftigt oder von Briefumschlägen und ähnlichen Versandtaschen wie von Karopa in Papenburg.

„Als Schulkind habe ich unsere Halbfabrikate mit dem Handkarren zum Gefängnis gebracht“, erzählt Rosell. Das müsse in dem heutigen Amtsgerichtsgebäude gewesen sein. 

Alle drei Monate vier Bücher: zwei Liebesromane, ein Western und ein Krimi

Karl-Hermann Rosell arbeitet als Kind aber auch an an1 derer Stelle mit – und zwar d im Vertrieb von Büchern für den Goldberg-Verlag. Es ist das Zeitalter vor dem Fern- sehen. Leihbüchereien haben noch Konjunktur. Alle r drei Monate bringt der Verlag vier Bücher auf den Lesemarkt: einen Krimi, einen Western und zwei Liebesromane. Die wollen in Kartons verpackt und zur Post gebracht werden. „Da kamen jedes Mal einige Hundert, wenn nicht Tausende zusammen“, erinnert sich Rosell. Mit dem fortschreitenden Siegeszug des Fernsehens "sind die Leihbüchereien dann eingeschlafen“.

Unternehmen aus der Region

Gedruckt wird in dieser Zeit noch mit Bleisatz – auch nebenan in der Druckerei der Ems-Zeitung. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals Buchstabe für Buchstabe in ein Lineal gesetzt wurden“, sagt Rosell. „Die Typen fielen in eine Form und wurden zeilenweise gegossen.“ Die Schriftsetzer seien schlaue Leute gewesen, schließlich hätten sie zwangsläufig alle Texte der Redakteure gekannt.

Unternehmen aus der Region

Nach dem Druck seien die Typen (Buchstaben) geputzt und zurück in die Setzkästen für die nächste Ausgabe am kommenden Tag gelegt worden. Der verbliebene Bleisatz sei in einer Kammer eingeschmolzen und ebenfalls für die Wiederverwendung vorbereitet worden. Ihn selbst habe das Ganze so fasziniert, "dass ich mit acht Jahren an den Regalen gestanden und mir im Handsatz meine ersten Visitenkarten gedruckt habe“, erzählt Rosell.

Unternehmen aus der Region

Sonntags geht es für ihn – und seine Geschwister seinerzeit über den Hümmlingbis nach Sögel. „Wir sind mit dem Hausmeister mitgefahren, der die, Welt am Sonntag' ausliefern musste“, sagt Rosell. Dabei gibt es eine Bedingung: „Zum Mittagessen mussten wir wieder zu Hause sein.“ Seine Mitschüler in Papenburg verpassen ihm derweil einen Spitznamen, der irgendwie auf der Hand liegt. Und doch fällt er einem auf Anhieb nicht ein: "Karussell“.

Unternehmen aus der Region

Familie zieht 1957 nach Münster, der Name „Karopa“ existiert bis heute

1957 bezieht die Familie mit ihrem Unternehmen einen Fabrik-Neubau in Münster. Der Name Karopa bleibt, das “Pa“ steht fortan aber für „Papierverarbeitung“. Ausschlaggebend für den Umzug sei gewesen, dass wir da mehr Kundschaft haben“. Die Sommerferien verbringt Karl-Hermann Rosell auch danach immer in Papenburg. Jedes Jahr habe sein Vater in neue Maschinen investiert. Nachdem er im Alter von nur 62 Jahren verstorben war, habe die Familie das Unternehmen abgeben müssen. Der Name Karopa aber existiert bis heute.

Unternehmen aus der Region

Karl-Hermann Rosell bleibt der Branche indes treu. Als Ingenieur für Papierverarbeitung führt es ihn beruflich unter anderem nach Schleswig-Holstein, Hamburg, Baden-Württem-berg und Österreich. „Ich habe viele Neubauprojekte umgesetzt, Maschineninvestitionen und auch Personalverantwortung gehabt.“ Zeitweise ist Rosell auch als Unternehmensberater tätig.

Karl-Hermann Rosell liest Zeitung unverändert auf Papier

Und doch zieht es ihn irgendwann zurück in die Produktion. Seine Devise: „Ärmel aufkrempeln und mit den Menschen zusammen in der ersten Reihe stehen. Das wurde mir in Papenburg in die Wiege gelegt.“ In Geesthacht ist er bis heute auch kommunalpolitisch (für die CDU) aktiv.

Seiner Heimatstadt und auch der Zeitung ist Rosell zeit seines Lebens immer verbunden geblieben. Egal, wo er war: „Meine Cousine Maria Köhne hat mir die Zeitung oft per Post nachgeschickt.“ Bis heute liest er sie eisern auf Papier.

Rosells Verbindung zur Fehnstadt ist zuletzt wieder gewachsen. So engagiert er sich beispielsweise im Heimatverein Papenburg. Im kommenden Jahr will er seinen 80. Geburtstag hier feiern. Und wer weiß? Vielleicht zieht er mit seiner Frau eines Tages zurück nach Papenburg. „Das ist jedenfalls nicht ausgeschlossen“, sagt Rosell.

Gerd Schade

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