2024 wurde „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ von Terézia Mora für den Deutschen Buchpreis nominiert. Im Roman geht es um Muna Appelius, die 18-jährig bei einem Schülerpraktikum Magnus kennenlernt, der nach einer gemeinsamen Nacht verschwindet.
Muna hört sieben Jahre lang nichts von ihm, studiert, findet Freunde und zieht nach Berlin und Wien. Als sie Magnus wiedertrifft, scheint das Glück vollkommen und sie vollständig. Doch schnell zeichnen sich erste Risse in der Beziehung ab, die von Gewalt und Kälte geprägt sein wird.
Im Mai kommt dieser 450-seitige Roman in der Regie von Leonie Rebentisch auf die Bühne des emma-theaters. Wie wird daraus ein Theaterstück? Und was reizt an der Arbeit mit einem so langen Text? Leonie Rebentisch, die im letzten Jahr mit der Romanadaption „Gittersee“ von Charlotte Gneuß zum Theaterfestival Radikal Jung eingeladen wurde, beschreibt, dass es sie oft zu Romanen zieht, da sie dort in ihrer Suche nach psychologisch genauen Figuren und den Themen unserer Gegenwart fündig wird.
Die Arbeit am Roman ist, so Rebentisch, erst einmal bereichernd, da man sich so intensiv mit toller Literatur beschäftigen darf. Bei Muna bekommen wir einen genauen Einblick in die Gedankenwelt der Hauptfigur: Muna befragt sich, korrigiert sich oft und stellt sich selbst zur Rede. Das wird in der Osnabrücker Fassung quasi zum Spielprinzip: Drei Spielerinnen sind Muna und sprechen miteinander, ergänzen sich, haben einen Gedanken und entwickeln diesen weiter.
Aus einem Roman eine Fassung zu machen, ist aber auch Komplexitätsreduktion. Wie zeigt man das patriarchale System, das im Roman auch durch die Nebenfiguren und ihre Beziehungskonstellationen zu Muna skizziert wird, ohne sich in tausend Nebensträngen der Handlung zu verlieren? Es geht um den schmalen Grat zwischen Fokus auf der Handlung und Räumen für andere Momente und Erzählstränge; es geht darum, einen bestimmten, aber auch großzügigen Blick auf die Welt des Romans zuzulassen. Romanadaptionen für die Bühne sind eben etwas anderes als ihre Vorlagen. Viel aus dem Roman fällt weg und lässt dann wiederum Platz für ein neues, eigenes Kunstwerk.
Ein guter Grund vor oder nach dem Theaterbesuch doch noch einmal in „Muna“ von Terézia Mora hineinzuschauen.
Muna oder die Hälfte des Lebens
Terezia Mora
Inszenierung: Leonie Rebentisch Mit: Verena Maria Bauer, Solveig Eger, Annika Martens
Premiere Samstag, 23.05.2026,
19.30 Uhr,
Emma-Theatre