Wie sie erklären, wurden die ersten Bewerbungen für den kommenden Sommer bereits Anfang bis Mitte des Jahres verschickt - etwa für Laufbahnen bei der Polizei oder im öffentlichen Dienst mit den bereits seit Herbst stattfindenden Eignungstests. Weitere junge Leute seien gleich nach den Sommerferien zu Beginn des Abschlussjahres in die Bewerbungsphase gestartet, aber es gebe auch viele, die auf die Halbjahreszeugnisse warteten, um noch mit besseren Noten loszulegen.
Die vier Agenturmitarbeiterinnen erwarten, dass in den nächsten Wochen noch zahlreiche Ausbildungsplatzangebote von Unternehmen im Südkreis (ebenso in den anderen Bezirken) hinzukommen. Wer sich nach Stellen umsehe, könne also noch mit weiteren möglicherweise attraktiven oder etwa wegen des Standorts günstigen Angeboten rechnen.
Tipp von Berufsberaterin Carina Meltebrink und Jessica Ewertz vom Arbeitgeberservice der Agentur: Junge Leute sollten nicht nur Online-Stellenbörsen checken, sondern sich immer auch im persönlichen Gespräch mit Berufsberatern der Agentur für Arbeit nach Stellen erkundigen. Es gebe nicht wenige Ausbildungsplatzangebote, die auf Wunsch der Unternehmen nicht in Onlinebörsen erscheinen und nur direkt vermittelt werden. Sie können etwa bei den Berufsberatern in den Schulen oder bei individuellen Terminen in der Berufsberatung in den Geschäftsstellen der Arbeitsagentur abgefragt werden.
Wie Jessica Ewertz und Verena Petersen, die Leiterin des Arbeitgeberservice-Teams der Agentur, erklären, bewegt sich die Anzahl der Ausbildungsplatzangebote im Süden bis jetzt auf dem Niveau des Vorjahres. Natürlich noch viel zu früh, um abschließende Aussagen zu treffen - aber für die jungen Menschen im Südkreis gab es im Vorjahr im Vergleich zur Lage im gesamten Bereich der Agentur für Arbeit Osnabrück (mit Stadt und Umkreis) noch deutlich mehr Entscheidungsmöglichkeiten und es herrschten erheblich bessere Aussichten.
So weist die Statistik der Agentur für Arbeit im Südkreis 431 Bewerber für 651 Ausbildungsplatzangebote aus, also rechnerisch 1,5 Stellen pro Interessiertem, während es in allen Teilen des Geschäftsgebiets gerade noch 2.989 Lehrstellen für 2.860 Bewerber waren, also nur noch 1,05 Stellen pro möglichen Einsteigenden. Während die Zahl der Ausbildungsplatzangebote insgesamt in den letzten drei Jahren gesunken ist, gab es im Südkreis zwar ebenfalls einen Rückgang, aber dann im Vergleich von 2023/2024 zum letzten Jahr einen deutlichen Anstieg um 93 Stellen - also eine erfreuliche Entwicklung.
Wie Petersen und Ewertz erklären, wirken sich bei den Unternehmen im Südkreis ebenso wie überall konjunkturelle Unsicherheiten aus, also ein Grund für Zurückhaltung bei der Personalplanung, aber es seien u. a. Branchen wie Lebens- und Genussmittelherstellung, Metallverarbeitung und Elektrotechnik im Südkreis vertreten, in denen gut zu tun sei. Außerdem gebe es eine Reihe von Unternehmen, die mit Blick auf die demografische Entwicklung dazu übergegangen seien, über kurzfristigen Bedarf hinaus zu rekrutieren, um sich auch mittel- und langfristig mit einer ausreichenden Anzahl von Fachkräften einzudecken.
Wie Ewertz und Petersen loben, gibt es viele Unternehmen, die sich gut aufgestellt als Mithaben, um junge Menschen für Ausbildungen zu gewinnen und anschließend arbeitende zu binden. Von der Ansprache mit Podcasts oder Azubiblogs über astreine Ausbildungsbedingungen mit Lern-/Förderangeboten bis zu zeitgemäßen Bonus- oder Sonderleistungen.
„Viele junge Leute wünschen sich die Möglichkeit für Auslandsaufenthalte, ihnen ist Work-Life-Balance wichtig, sie achten auf die Qualität einer Ausbildung und Möglichkeiten für Weiterbildung bzw. Laufbahnen“, macht Ewertz deutlich. „Obstkorb, Parkplatz oder familiäres Arbeitsumfeld sind also eher ungeeignet, um sie in der Stellenanzeige anzusprechen - zumindest dann nicht, wenn darüber hinaus nichts Weiteres geboten wird.“