Nach Einschätzung von Magdalena Singh, Teamleiterin der Berufsberatung vor dem Erwerbsleben im Landkreis Osnabrück der Agentur für Arbeit, und der u. a. an der Haupt-/Realschule GMHütte eingesetzten Berufsberaterin Carina Meltebrink ticken“ die jungen Leute an den elf weiterführenden Schulen im Südkreis (zwei Gymnasien, fünf Oberschulen, zwei Realschulen, eine Integrierte Gesamtschule sowie eine Hauptschule) nicht anders als in der Stadt oder anderswo. Zu Beginn des in der achten bzw. neunten Jahrgansstufe einsetzenden Berufswahlprozesses, in dem die jungen Leute von den jeweils an den Schulen verorteten Jugendberufsagenturen begleitet werden, seien die meisten zunächst unsicher und es fehle ihnen ein Überblick über die über 300 Ausbildungsberufe und über 22.000 Studiengänge.

Auch mangels konkreter Vorstellungen von Berufen und Einsatzfeldern seien nicht wenige zunächst eher in die Richtung weiterer Schullaufbahnen oder unkonkret zum das Aufnehmen eines Studiums orientiert. Im Rahmen der Berufsorientierung werden die jungen Leute von den Schulen und Jugendberufsagenturen animiert, sich über die regulären Praktika an den Schulen hinaus noch weitere Einblicke in Berufe zu verschaffen und weitere Betriebe kennenzulernen. Der Berufswahlprozess der Jugendlichen sei sehr individuell, beschreibt Meltebrink. Bei jungen Menschen, die erst unsicher seien, führten oft weitere Einblicke zu einem Entschluss.
An Schulen im Südkreis gebe es dazu u. a. sogenannte Berufswahlmessen oder andere Eltern-/Schülerveranstaltungen, bei denen sich Betriebe in den Bildungseinrichtungen vorstellen. Auch bei der jährlich in Schulen organisierten Messe Talent trifft Ausbildung“ und dem in wechselnden Betrieben laufenden Angebot„Azubis werben Azubis“ könnten sich junge Leute praktische Einblicke in Berufe verschaffen.
Als Besonderheit werde im Südkreis jährlich ein „,Berufswahl-Shuttle“ organisiert, bei dem Ausbildungsbetriebe in und um GMHütte in Busrundtouren angefahren werden. Alle 30 Minuten startet dabei ein Bus am Schulzentrum GMHütte und steuert beteiligte Unternehmen an, in denen Interessierte von Mitarbeitenden und Auszubildenden begleitet werden und Einblicke erhalten. Nächster Termin ist am 20. Februar 2026, diesmal sogar mit Mittagssnack. Nach den Infos von Meltebrink haben sich bereits 20 Betriebe angemeldet - das Angebot kommt - gut an.
Wie Singh verdeutlicht, sind es oft Praktika und konkretes Kennenlernen von Einsatzfeldern, Tätigkeiten und von Betrieben, die dazu führen, dass junge Leute Berufsvorstellungen entwickeln und schließlich in eine Ausbildung oder ein Studium einmünden. „Viele Betriebe bieten Praktikumsplätze an und freuen sich über Initiativbewerbungen“, so Singh.
Eine weitere Möglichkeit, Einblicke zu erhalten und Berufe sogar in einen Vergleich zu stellen, seien die jährlich in den Sommerferien stattfindenden regionalen „Praktikumswochen“, in denen an bis zu fünf Tagen bis zu fünf Berufe kennengelernt werden können - wobei das Matching ganz einfach per Internet erfolgt und nur wenige Eingaben erfordert. Sie laufen das nächste Mal wieder in den Sommerferien 2026.
Wie Magdalena Singh betont, gilt der Rat zum Verschaffen von Eindrücken genauso für alle jungen Menschen, die eine Hochschullaufbahn anstreben. Universitäten und Hochschulen könnten Studiengänge im Rahmen eines Schnupperstudiums kennengelernt werden. „Darin können die Studieninteressierten herausfinden, ob das Studium, welches sie anstreben, für sie das richtige ist“, so Singh.
Übrigens: Ob die Änderungen beim Wehrdienst dazu führen würden, dass sich nennenswert mehr junge Leute für die Laufbahn bei der Bundeswehr entscheiden, können die Mitarbeiterinnen der Agentur für Arbeit aktuell noch nicht einschätzen. Wegen der Möglichkeit, zusätzlich zum Dienst eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren zu können, sei die Bundeswehr bereits jetzt ein Arbeitgeber, für den sich junge Leute durchaus interessierten. Sie sehen aber noch einen weiteren Aspekt: Wenn junge Leute nach der Schule erst Pflichtwehrdienst leisten, sind sie bereits etwas älter und reifer, wenn die Berufswahlentscheidung ansteht. In diesem Sinn und zum Verschaffen von praktischen Eindrücken aus der Arbeitswelt sehen die vier Agentur-Mitarbeiterinnen auch in Freiwilligendiensten eine gute Sache.