Geschichte zeigt sich nicht nur in Büchern oder Erzählungen – sie ist sichtbar. In Mauern und Fassaden. Das Historische Rathaus von 1555 mit seinem prägnanten Treppengiebel ist heute pittoreskes Fotomotiv und beliebter Trauort, war aber jahrhundertelang das Zentrum der städtischen Macht. Hier wurde Recht gesprochen, Politik gemacht und über das Schicksal der Stadt entschieden. Das Historische Rathaus ist ein Denkmal bürgerlicher Selbstständigkeit. Zur guten Stube der Stadt gehört der gesamte Marktplatz. Gerade erst ist hier neues Leben eingezogen. Im ehemaligen Sparkassengebäude sind moderne Wohnungen, ein Herrenausstatter und das inklusive Restaurant „Wirz” entstanden. Weitere Restaurants und Geschäfte sowie der große Wochenmarkt laden zum Verweilen ein.
Alten Mauern neues Leben einzuhauchen, hat Lingen gelernt. Bestes Beispiel ist das ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk, das ab dem späten 19. Jahrhundert für Lingen zum Motor wirtschaftlicher Entwicklung wurde – bis zum Strukturwandel der 1980er-Jahre, der das Werk stilllegte. Doch statt Verfall entschied man sich für Neunutzung: Die Hallen wurden behutsam saniert, ohne ihren industriellen Charakter zu verlieren. In den Hallen I und II findet sich heute die Fakultät Management, Kultur und Technik, kurz Fakultät MKT, der Hochschule Osnabrück. Auch die Halle IV und 31 haben neue Nutzerinnen und Nutzer, darunter EmsTV, die Ems-Vechte-Welle, die Kunsthalle Lingen und das IT-Zentrum gefunden. So sind die Hallen des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk ein Statement – dafür, wie man Vergangenheit bewahrt und zugleich Räume für die Zukunft schafft.


Drei große Leitprojekte
Das gilt auch für den Bahnhof: Das denkmalgeschützte Gebäude wird derzeit umfassend saniert und modernisiert. Neue Nutzungsstrukturen ziehen ins Gebäude ein: ein Reisebüro mit Fahrkartenverkauf, Restaurant mit Kiosk und öffentliche Toilettenanlagen. Das historische Erscheinungsbild von 1856 soll wiederhergestellt, aber nachhaltige Technik integriert werden. Die Maßnahme ist Teil des Förderprogramms „Resiliente Innenstadt”.
Zwei weitere Leitprojekte gehören noch in das Programm: das Fahrradparkhaus für klimagerechte Mobilität am Wall-Ost und der Symphonie- und Kulturgarten, der attraktive Aufenthaltsbereiche und kulturelle Treffpunkte zwischen Emslandmuseum und der Kunst- und Kulturvilla bieten wird.
Vielfältige Wohnprojekte

Lingen investiert aber auch in vielfältige Wohnprojekte, um den Bedarf an modernem und bezahlbarem Wohnraum zu decken: In der Wohnanlage am Brockhauser Weg sind zahlreiche öffentlich geförderte Wohnungen mit bezahlbaren Mieten und barrierefreiem Zugang entstanden. In der Stadt Lingen wird kräftig in den privaten Wohnungsmarkt investiert. Für circa 1800 Wohneinheiten liegen konkrete Planungen oder Projektskizzen vor. Am Alten Hafen entstehen Wohnungen und zwei Gastronomiebetriebe in zwei Gebäuden, darunter ein Loftgebäude, das an den historischen Klukkert-Speicher erinnert. Das Ensemble runden der Bau einer Hafenpromenade mit Gastronomie und der Hotelbau einer internationalen Hotelkette ab. Nicht am Wasser, sondern auf der grünen Wiese ist ein weiteres Großvorhaben geplant: Auf einem rund 13 Hektar großen Gelände an der B214 entsteht der IT-Campus Lingen. Ehrgeizige Projekte hat sich die Stadt gern vorgenommen. Dazu gehörte auch die Emsland-Arena, die 2013 eröffnet wurde und Platz für 5.000 Menschen hat. Dass diese Dimension nicht übermütig war, zeigen die vielen ausverkauften Veranstaltungen. Baukultur schafft kulturelle Identität und ist ein Standortvorteil – auch wirtschaftlich. In allen Projekten legt die Stadt Wert auf durchdachte Freiraumgestaltung, nachhaltige Materialien und soziale Mischung. Eine Stadt plant man für die nächsten Generationen.