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Welche Ausbildung lohnt sich?

Viele Aufgaben lassen sich automatisieren – Was heißt das für die Ausbildungswahl

Beruf mit Zukunft? In bestimmten Ausbildungen ist das Automatisierungspotenzial hoch, das muss aber nicht zwingend gegen die Lehre sprechen. Christin Klose/dpa-tmn-Foto
Beruf mit Zukunft? In bestimmten Ausbildungen ist das Automatisierungspotenzial hoch, das muss aber nicht zwingend gegen die Lehre sprechen. Christin Klose/dpa-tmn-Foto

„7 der 8 Kerntätigkeiten in diesem Beruf sind - Stand heute - automatisierbar“: Das ist das Ergebnis, das der Job-Futuromat zum Beruf Versicherungskaufmann ausspuckt. Die Automatisierbarkeit liegt demnach bei 88 Prozent.

Das Online-Tool des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) soll bei der Beantwortung der Frage helfen, ob digitale Technologien einen Job verändern werden. Bei diversen gängigen Ausbildungen, gemessen an den Neuabschlüssen, sieht es ähnlich aus: Bankkauffrau 78 Prozent, Verkäufer 88 Prozent, medizinische Fachangestellte 80 Prozent.

Unternehmen aus der Region

Bringt eine Ausbildung in diesen Berufen also noch was? Ist es ratsam, noch Bankkaufmann zu werden, wenn Banken zunehmend Filialen schließen und zentrale Tätigkeiten wie die Bonitätsprüfung oder der Zahlungsverkehr bereits jetzt überwiegend mit maschineller Unterstützung erledigt werden?

Ausbildung als Investition in die Zukunft

„Ich hoffe, dass es auch in Zukunft noch Bankkaufleute geben wird“, sagt Monika Hackel, die den Bereich„Struktur und Ordnung der Berufsbildung“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) leitet. Zwar würden es weniger, aber ganz abschaffen ließe sich der Beruf nicht. „Sonst geben wir uns blind in die Hand einer Maschine, die manipuliert werden kann.“

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Dazu kommt: Die Kompetenzen, die man in der Banklehre erwirbt, wird man auch in Zukunft brauchen. Damit ließe sich beispielsweise in die Industrie oder in den Bereich Steuer wechseln. „Vielleicht verändern sich Tätigkeiten oder fallen weg, aber es hat sich in der Vergangenheit stets gezeigt, dass gleichzeitig neue entstehen“, erklärt Hackel. „So lange ein Beruf angeboten wird, gibt es auch einen Markt dafür.“

Prof. Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), nennt den IT-Bereich als Beispiel. Programmierer ist einer der anspruchsvollsten Berufe, sehr modern und attraktiv.“ Reine Programmiererstellen ohne Bezug zu fachlichen Anwendungen würden jedoch mit zunehmender Digitalisierung weniger. Immer wichtiger dagegen werden Stellen, die spezifische IT-Kenntnisse erfordern also etwa KI für ein konkretes Fachgebiet. „Es muss ja jemand die KI inhaltlich testen und Qualitätschecks machen.“

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Viele Ausbildungen sind auch Mangelberufe

Und es gibt neben den Ausbildungen, in denen das Automatisierungspotenzial sehr hoch ist, aber auch solche Berufe, die in den kommenden Jahren wohl kaum maschinell ersetzt werden können. Für den Pflegefachmann etwa spuckt der Job-Futuromat einen Wert von 11 Prozent aus - nur 2 der 19 Kerntätigkeiten sind diesem Beruf sind automatisierbar.

Keine Angst vor Entscheidungen

Ein Problem ist oft die Berufsorientierung: In Deutschland gibt es über 320 Ausbildungen - viele kennen nur einen Bruchteil davon. Woher sollen Jugendliche also wissen, welcher Beruf für sie persönlich passt und im besten Fall auch in Zukunft hat? „Viele Jugendliche sind lost in space und haben Angst, durch eine falsche Entscheidung ihr Leben zu verpatzen“, sagt Monika Hackel. Diese Angst sei aber unbegründet.

„Jede Erfahrung, die ich auf dem Arbeitsmarkt sammle, ist etwas wert und es gibt immer eine Möglichkeit, in eine andere Richtung abzubiegen, das ist das Schöne an unserem Bildungssystem“, sagt Hackel. Ob durch Fortbildung, Umschulung, ein Studium oder Verkürzung von Lernzeiten. Wichtiges Plus ist Hackel zufolge die Sozialisation im Arbeitsleben, „das nimmt einem keiner.“ Fitzenberger rät, sich an den eigenen Vorlieben zu orientieren und zwischen Neigungen und Möglichkeiten im Markt abzuwägen. Und statt die Entscheidung aus Angst vor der Zukunft ewig vor sich herzuschieben, können sich Jugendliche auch einfach mal ausprobieren und sehen, was zu ihnen passt, so der Professor für Quantitative Arbeitsökonomik.


Was will ich machen?

Welche Talente habe ich und in welchem Beruf kann ich sie einbringen? Da kommen Interessen- oder Persönlichkeitstests gerade recht. Sie sollen dabei helfen, Interessen und Stärken aufzudecken, um diese mit Berufs- oder Ausbildungsprofilen abzugleichen. Was sagen Experten dazu?

Interessen mit Berufsbildern abgleichen: Die Interessen einer Person entwickeln sich in der Kindheit und Jugend. Sie blieben aber im Laufe des Lebensstabil, sagt Hans-Georg Wolff, Professor für Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Köln. „Deshalb werden sie zu einem Teil der Persönlichkeit gezählt.“ Sechs Hauptinteressen sind auszumachen, wobei es durchaus Überschneidungen geben kann: realistisches (wird mit Handwerk, Technik, Ingenieurwesen assoziiert), investigatives (Forschung), artistisch/künstlerisches, soziales, unternehmerisches sowie konventionelles (Umgang mit Daten, Verwaltung, Organisation) Interesse. In einer Berufsberatung werde man auf die zwei bis drei Kategorien abzielen, die am stärksten ausgeprägt sind und gemeinsam analysieren, welche Berufsbilder sich darin abbilden, so der Wirtschaftspsychologe.
Wann ist ein Test seriös? Ein seriöser Test sei sorgfältig entwickelt und berufe sich meist auf ein theoretisches Grundlagen-Modell nach John Holland, so Wolff. Das sogenannte Holland-Modell gilt zurzeit als die am besten untersuchte Theorie zu beruflichen Interessen. „Im Idealfall sollten die Testergebnisse eine gute Vorhersage zur späteren Zufriedenheit im Beruf erlauben, das können Online-Tests oder Apps häufig nicht leisten.“Wer einschätzen will, ob ein Test wirklich hilfreiche Infos liefert, kann zunächst nach Bewertungen im Internet recherchieren. Vielleicht gibt es im eigenen Umfeld auch Personalexperten, die weiterhelfen können. Berater Wolfgang Tröger empfiehlt zudem, mit einigen guten Prompts, also Befehlen oder Anweisungen, einen KI-Chatbot zu befragen, welche Tests die Künstliche Intelligenz empfehlen würde.
Zusätzlich Beratungsangebote nutzen: Eine gute Anlaufstelle für Interessentests kann die Agentur für Arbeit sein. Sie verwendet Hans-Georg Wolff zufolge das Selbsterkundungsverfahren „Explorix“, das-gefüttert mit tausenden Daten - eine solide Grundlage bildet.


Neues Berufsportal online

Gebündelt und neu aufgemacht: Das Online-Portal der Bundesagentur für Arbeit (BA) „mein-beruf.de “ ersetzt künftig die Webseiten „abi.de “ und „planet-beruf.de “. Deren bisherige Inhalte wurden aktualisiert und aufbereitet und sind nun mit dem neuen Portal an einem Ort zu finden. Wer die früheren Webseiten aufruft, wird direkt weitergeleitet. Das neue Portal hält sämtliche Themen rund um den Berufseinstieg parat. Angefangen von „Noch planlos und jetzt?“ bis hin zu konkreten Bewerbungstipps können sich junge Menschen durch die verschiedensten Themen klicken.

Zum Beispiel Interessen und Möglichkeiten ausloten, sich um ein Praktikum kümmern, in Berufsfeldern stöbern und das richtige Studienfach oder die passende Ausbildung finden. Die Webseite soll die ebenfalls angebotene persönliche Berufsberatung ergänzen.

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