
Auch die Inszenierung von Judith Jungk nimmt die Liebe in diesem frühen feministischen Manifest der heute allgegenwärtigen Genderfluidität ernst und setzt sich differenziert und respektvoll mit diesen Themen auseinander. Nachfolgend ein Gespräch mit der Dramaturgin Claudia Lowin.
Claudia Lowin: Sascha, wie hast du dich auf diese Rolle vorbereitet?
Sascha Maria Icks: Ich habe das Buch zum ersten Mal gelesen, als ich 14 Jahre alt war. Es war die Ausgabe meiner Mutter, die ich noch immer habe. Es sind viele Lesezeichen dazugekommen, als ich das Buch jetzt zur Vorbereitung wieder gelesen habe. Ich war damals von den Tableaus, vom Reichtum der Bilder hingerissen. 40 Jahre später fand ich die gleichen Figuren vor, entdecke aber jetzt neue Haltungen, Ideen und Gedanken. Zeitgleich habe ich Lieder gepflückt aus dem, was mir die Worte, die Sätze, der Klang des Buches gegeben haben. Erst einmal ohne Rücksicht auf Machbarkeit. Und dann habe ich auf die Theaterfassung gewartet und war gespannt, welche Episoden wir zum Leuchten bringen wollen.
Was hat dich an dieser Rolle besonders gereizt? Welche Aspekte dieser Figur sprechen dich besonders an?
Der Wandel. Dass sich der Protagonist einer Einordnung entzieht. Wie spielt man einen Mann, der eine Frau ist, und wie eine Frau, die ein Mann ist? Außerdem ist Orlando voller Humor. Und Tiefe. Und Leichtigkeit. Und Charme.
Du hast bereits solistische Theaterabende mit Musik gespielt. Worin unterscheidet sich dieser jetzt von den anderen? Der Unterschied ist die Qualität der zugrunde liegenden Literatur. Woolfs Reichtum, ihre Verspieltheit, ihre Tiefe und die Freiheit, die sich daraus für die Musikauswahl ergibt - und natürlich die Qual dieser Wahl, sind ein Geschenk für mich.
Was möchtest du dem Publikum mit diesem Abend mitgeben?
“I am what I am.“
Orlando
A Musical Journey
Inszenierung: Judith Jungk Bühne und Kostüme: Tina Hübner
Mit: Sascha Maria Icks, JanSebastian Weichsel (Musik)
Premiere
Samstag, 29.08.2026, 19.30 Uhr, emma-theater