Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

Oper „Peter van Pels“ im Theater am Domhof: Der vergessene Junge aus Osnabrück

Blick in die Martinistraße in Osnabrück um 1930.

Vor dem Eingang der Martinistraße 67a liegen drei Stolpersteine. Sie erinnern an Auguste, Hermann und Peter van Pels, die hier bis 1937 lebten, ehe sie vor den Nationalsozialisten in die Niederlande flüchteten und zusammen mit Anne Frank und ihren Eltern im Versteck der Prinsengracht untertauchten.

Opernuraufführung am 19. September 2026 zur Eröffnung der neuen Spielzeit: Die Lebensgeschichte von Peter van Pels, Anne Franks Jugendfreund und Opfer des Nationalsozialismus

Dort verliebten sich die beiden Jugendlichen, küssten sich in der Dachkammer und betrachteten die Kastanie im Wechsel der Jahreszeiten: zwei lange Jahre, ehe das Versteck aufflog und man seine Bewohner in Konzentrationslager deportierte, wo sie - bis auf Annes Vater Otto Frank - vergast wurden oder an Auszehrung starben.

„Warum sollten wir uns in diesen Zeiten keinen Kuss geben?“, fragt Anne in ihrem Tagebuch, das dem Hoffen, Bangen und letztlich der Verzweiflung angesichts des sicheren Todes Millionen anderer verfolgter Menschen eine persönliche Stimme gegeben hat.

Peter van Pels
Peter van Pels

„Wir verstehen uns als Stadttheater im Sinne des Theaters für die Stadt und im Austausch mit ihr unterstreicht Intendant Ulrich Mokrusch. Von daher sind die Themen und Persönlichkeiten Osnabrücks auch immer wieder Thema des Theaters. Die kurze, aber bewegende Lebensgeschichte von Peter van Pels blieb da bisher fast unbeachtet. Dies soll sich nun ändern. „Zum 100. Geburtstag des Osnabrücker Jungen wollen wir ein großes Zeichen setzen“, sagt Ulrich Mokrusch. „Wir wollen Peters Schicksal auch für die breiten Schichten der Stadt zugänglich machen und an ihn erinnern, der stellvertretend für so viele Schicksale und Erfahrungen dieser Zeit steht.“

Die Uraufführung einer Oper fand die Theaterleitung angemessen, um der Größe der Geschichte, aber auch der Verantwortung, die man als Theaterschaffende damit eingeht, gerecht zu werden, betont Mokrusch. „Mit dem Werk des Komponisten Anno Schreier und des Librettisten Joscha Schaback werden wir nun eine zeitgenössische Form des Umgangs mit dem Thema der Lebensgeschichte Peter van Pels finden.“

Eine Oper von Osnabrückern für Osnabrücker soll es werden und sich an Menschen aller Altersgruppen, unabhängig kultureller Sozialisation, wenden. Es versteht sich von selbst, dass das Theater dabei den Kontakt zur jüdischen Gemeinde, zum Verein für die christlich-jüdische Zusammenarbeit und zu Menschen, die unermüdlich Osnabrücker Stadtgeschichte aufarbeiten, knüpft.

Martina Sellmeyer ist eine der ersten, die auf die Familie van Pels hinwies: „Zum ersten Mal hörte ich von Peter 1985. Die Stadt hatte auf Anregung von Peter Junk und mir jüdische Osnabrücker*innen eingeladen, die vor der Verfolgung in alle Welt geflohen waren.“ Auch Trude Leeser, eine Cousine Peter van Pels', kam und verriet, dass der Junge mit dem Pseudonym van Daan in Annes Tagebuch Peter van Pels sei. Durch Zeitungsaufrufe fanden sich noch mehr Menschen, die sich an die Familie van Pels erinnerten. „Da war ein Nachbarsjunge, der mit Peter befreundet gewesen war“, erzählt Martina Sellmeyer. „Arglos war der jüdische Junge mit ihm durch die Stadt gelaufen, als dieser sich ein Liederbuch für die Hitlerjugend kaufen wollte, eine Stadt, in der zu dieser Zeit bereits das Lied vom 'Judenblut', das vom Messer spritzť' gesungen wurde.“

Winfried Verburg vom Verein für christlich-jüdische Zusammenarbeit pflegt maßgeblich den interreligiösen Dialog in Osnabrück, weil er „ein Mittel gegen sakralisierten Hass ist“, so Verburg. „Um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft zu minimieren, bedarf es weiterer Dialoge.“ Verburg erhofft sich von der neuen Oper, dass sie erfahrbar machen wird, wohin Antisemitismus in Politik und Gesellschaft der NZ-Zeit geführt hat. „Das stößt sicher Dialoge an und motiviert, heute Haltung gegen Antisemitismus und Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen“, ist sich Winfried Verburg sicher.


Peter van Pels

Oper von Anno Schreier, Libretto: Joscha Schaback

Musikalische Leitung: Benjamin Huth
Inszenierung: Ulrich Mokrusch
Bühne und Kostüme: Timo Dentler, Okarina Peter
Mit: Susanna Edelmann, Susann Vent-Wunderlich, Florian Wugk, Jan Friedrich Eggers und Opernchor des Theater Osnabrück, Osnabrücker Symphonieorchester Gefördert durch Stiftung der Sparkasse Osnabrück und Niedersächsische Sparkassenstiftung

Premiere

Samstag, 19.09.2026, 19.30 Uhr,
ÖFFENTLICHE PROBE: Samstag, 11.00 Uhr, 12.09.2026, Theater am Domhof

Audiowalk durch Osnabrück

Peter van Pels wuchs in der Martinistraße auf und ging im Katharinenviertel zur Schule. Entdecken kann man seine Spuren in Osnabrück ab 19. September auf einem neuen Audiowalk. Infos Online oder im Theater und der Touristinfo.

Meine Favoriten:
Alle Orte: