
Es ist so einfach wie genial: Dramatiker Ewald Palmetshofer, bekannt für seine sprachwuchtigen Stücke, die unter anderem in Wien, München und Basel uraufgeführt wurden, nimmt sich den bekanntesten Theaterautor der Welt vor: Er überschreibt Shakespeares Stück „Heinrich IV.“ und erzählt uns eine Geschichte über unsere Gegenwart und Zukunft.
Shakespeares Vorlage
„Heinrich IV.“ erzählt von der Regierungszeit Heinrich Bolingbrokes, der sich den Thron als Usurpator gewaltsam genommen hat und nun vor Rebellen im Land schützen muss. Im Mittelpunkt steht sein Sohn Prinz Hal, der sich am liebsten mit dem versoffenen, lebensfrohen Ritter Falstaff herumtreibt. Am Ende siegt die Ordnung: Die Rebellen werden zurückgedrängt, der Königssohn übernimmt Verantwortung und wird zum würdigen Thronfolger. Ende gut, alles gut, das Königtum ist gesichert. In der palmetshoferschen Version werden die Grundzutaten des Stückes beibehalten, aber zeitgleich einer Zuspitzung unterzogen: Er stellt nicht den König in den Fokus, sondern Falstaff und auch die Staatsform zur Disposition. Denn bei Palmetshofers Stück wird die Frage nach der Thronfolge zum zentralen Knackpunkt und der versoffene Ritter zum ungewollten Helden.
Was vermag die Liebe?
Die Figur Falstaff fasziniert und polarisiert als barocke Gestalt des Trinkers und Feiglings, der mit Sprachwitz, Klugheit und Lebensfreude besticht und, im Original wie in seiner Überschreibung, dem Königssohn die Sorgen und Freuden der Menschen näherbringt. In „Sankt Falstaff geht Palmetshofer aber noch einen Schritt weiter und zeigt uns zwei Männer, den Prinzen und den Trinker, die, ungleich in Herkunft, Alter, Klasse, Stand, doch eine tragische Liebe verbindet. Dabei stellt sich die utopische Frage: Kann Liebe die Macht des Staates brechen? Oder gelingt es der autoritären Ordnung, sich ihren Nachfolger zu sichern? Das Publikum in Osnabrück darf sich auf die fulminante Rückkehr von Oliver Meskendahl in der Rolle des John Falstaff freuen, der sich mit seiner spielerischen Herzenswucht dieser Hauptrolle annehmen wird. Sein junger Mit- bzw. Gegenspieler wird William Hauf, zuletzt zu sehen in „Wie es Euch gefällt“, als Prinz Harri sein.
Das Weltgeschehen auf der Bühne
Shakespeares großes Talent war es, das Weltgeschehen und seine Einzelschicksale auf der Bühne zu verbinden. Shakespeare setzte dabei die Geschehnisse bewusst in eine Vergangenheit, aus dem 16. ins 14. Jahrhundert, mitten in die Geschehnisse der Rosenkriege, um seine Gegenwart beschreiben und auch kritisieren zu können.
Genau das macht sich Ewald Palmetshofer zunutze: Er setzt seinen „Sankt Falstaff“ aber in eine uns nahe Zukunft, um etwas über unsere Gegenwart zu erzählen. Egal ob weltweit oder auch bei uns in Europa: Die unumstößlich scheinenden liberalen Demokratien kommen ins Wanken, Autokratien sind weltweit auf dem Vormarsch. „Sankt Falstaff“ zeigt, was in vielen Ländern der Erde schon Realität geworden ist und auch unser Morgen sein könnte. Eine Demokratie, die keine mehr ist, und Menschen, die in den letzten freien Räumen versuchen, Hoffnung zu finden.
Im Kern ist dieses Stück ein großer Kunstkniff: Die gegenwärtigen Staatskrisen, die tragische Liebesgeschichte zweier Männer und eine unvergleichliche Sprachlust, vermischt, vermengt und verbunden zu einem neuen Werk, das Shakespeare von Palmetshofer ins 21. Jahrhundert katapultieren lässt.
Sankt Falstaff
Schauspiel von Ewald Palmetshofer
Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne: Margrit Flagner
Kostüm und Video: Christopher Dippert
Musik: Augustin Zimmer
Live-Musik: Konstantin König, Martin Brunner
Mit: Soraya Abtahi, Stefan Haschke, William Hauf, Cornelius Kiene, Thomas Kienast, Oliver Meskendahl, Monika Vivell, Michi Wischniowski
Premiere
Sonntag, 30.08.2026, 19.30 Uhr, Theater am Domhof
Öffentliche Probe: „Frankenstein“
Victor Frankenstein erschafft eine Kreatur und lässt sie allein zurück. Jetzt erwacht das Wesen am Theater Osnabrück von Neuem. Das Regie-Duo Katharina Schmidt und Roan Konieczny ist bekannt für seine atmosphärischen und assoziativen Bilderwelten. In seiner Adaption des Frankenstein-Stoffes beschäftigt es sich mit menschlicher Verantwortung, unserem Verhältnis zur Natur und spielt mit den Genres Horror und Science-Fiction.
Wer wissen möchte, wie die Bilderwelten entstehen und welche Bühneneffekte dahinterstecken, kommt einfach zur offenen Probe. Der Eintritt ist frei.
Samstag, 26.09.2026, 11 Uhr, Theater am Domhof, Eintritt frei
Prime Time Comedy
Wieder wird das Theater Osnabrück zur Bühne für ein großartiges Comedy-Treffen! Mit dabei sind diesmal: Yorick Thiede, Marvin Hoffmann, Freddy Ekué und Ana LucÃa sowie Kawus Kalantar. Moderiert wird das Ganze von Jonas Lindemann – gebürtiger Osnabrücker und Berliner Comedian.
Sonntag, 28.11.2026, 20.00 Uhr, Theater am Domhof
Tipp: Spezial-Abo Schauspiel
Das Theater Osnabrück bietet verschiedenste Abos an. Am beliebtesten sind die, die eine Mischung aus Oper, Musical, Schauspiel und Tanz anbieten. Schauspieldirektorin Claudia Lowin empfiehlt gerne auch das Spezial-Abo für das Schauspiel: „Ich liebe den Wechsel zwischen der Bühne am Domhof und der Bühne im emma-theater, denn manchmal braucht man Raum für große Bilder, manchmal möchte man ganz dicht ran an die Spielenden.“