Mit dieser Romanadaption werden jedoch nicht nur die kulturellen Grenzgänge jener Zeit zwischen der Türkei und Deutschland erfahrbar, sondern auch eine Sprache hörbar gemacht, die in besonderer Weise Brücken zwischen Kulturen und Sprachen schlägt. Özdamars Texte atmen eine tiefe Mehrsprachigkeit, in der sich Türkisch und Deutsch nicht nur sprachlich, sondern auch gedanklich durchdringen und in ein Spannungsverhältnis mit der Frage nach Identität gehen. Teil des Produktions-Ensembles sind die beiden Osnabrücker Sängerinnen Seda Devran und Elif Batman, die sowohl mit der deutschen als auch der türkischen Sprache aufgewachsen sind. Elif Batman beschreibt ihr Leseerlebnis ganz direkt: „Hey, da schreibt ja jemand wie wir eigentlich denken. Und sprechen würden.“ Auch Seda Devran nimmt die feine Gradwanderung Özdamars zwischen den beiden Sprachen war: „Ich habe ganz viel Türkisch gehört, während ich gelesen habe. Und ich habe direkt verstanden: ah, das hat sie gerade aus dem Türkischen einfach eins zu eins übersetzt.“
Auch als Person, die kein Türkisch spricht, entblättert sich eine besondere Leseerfahrung. Özdamar entlarvt Sprache als gewachsenen Verständigungsraum, der sich beständig wandelt - als einen fortlaufenden Übersetzungsprozess, in dem sich Identitäten formen und verschieben. Die Autorin findet in der deutschen Sprache ein neues Ausdrucksmedium, das nicht ersetzt, sondern erweitert. Daraus entsteht ein „dritter Raum“ - ein Raum, in dem andere Formen der Begegnung möglich werden.
Özdamars Werk zeigt: Mehrsprachigkeit ist keine Ausnahme, sondern Teil unserer gelebten Realität - eine Realität, die uns bereichert, wenn wir bereit sind, ihr zuzuhören.
DIE BRÜCKE VOM
GOLDENEN HORN
Emine Sevgi Özdamar
Inszenierung: Tanju Girisken
Bühne und Kostüme: Nele Schiller
Musik: Hans Könnecke
Mit: Lua Mariell Barros Heckmanns,
Elif Batman / Seda Devran, William Hauf,
Sascha Maria Icks
Premiere
Samstag, 29.08.2025,
19.30 Uhr, emma-theater