Mit seinem Pubertätsdrama „Die Wut, die uns vereint“ hat Finegan Kruckemeyer eine Versuchsanordnung über ein Gefühl geschrieben, das wir alle kennen: Wut. Was macht uns wütend? Und wie zeigen wir unsere Wut? Das sind Fragen, die das Stück aufwirft.
„Wut“ gehört psychologisch betrachtet zu den menschlichen Basisemotionen. Gesellschaftlich ist Wut allerdings negativ konnotiert, so dass wir sie am liebsten ganz aus der Palette der menschlichen Gefühle verdrängen wollen. Dabei hat es evolutionär betrachtet eine wichtige Schutz- und Signalfunktion: Wir werden wütend, wenn wir uns bedroht, ungerecht behandelt oder die eigenen Grenzen verletzt fühlen.
Kruckemeyer beschreibt in seinem Stück einfühlsam, voller Humor und Tragik zugleich die Krisen der Pubertät. Es geht um den 16-jährigen Connor, aus dessen Sicht die Welt und ihre Bewohner*innen einfach schier unerträglich sind: Da sind zunächst einmal seine „nervigen“ Eltern, die früher eigentlich mal ganz nett waren, die Mitschülerin, die Connor abblitzen lässt oder die Busfahrerin, die ihm ein Schülerticket nicht ohne Vorlage des Schülerausweises verkaufen will. Jede Alltagssituation eskaliert. Alles und jede*r provoziert ihn. Seine Wut kanalisiert er in Aggression.
Als er versehentlich seinen besten Freund bewusstlos schlägt, wissen seine Eltern sich nicht mehr anders zu helfen: Sie setzen ihn in einer abgelegenen Waldhütte aus, damit er dort zur Besinnung kommt. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass er im Wald auf Lotte treffen würde und die ist noch viel wütender als er. Sie ist eine Meisterin darin, ihre Mitmenschen mit gut geplanten Angriffen zu erniedrigen.
Beide finden in ihrer Enttäuschung über das Leben zueinander und geben sich Halt. Doch geklärt ist damit noch lange nichts. Viel entscheidender ist zu fragen, was hat die beiden eigentlich so wütend gemacht in ihrem noch jungen Leben? Was braucht ein Mensch, um seinen Platz im Leben zu finden? Oder ist das alles nur so eine „Phase“?
Die Wut, die uns vereint
Finegan Kruckemeyer
Inszenierung: David Moser
Bühne und Kostüme: Rosanna König
Mit: Amélie Althaus, Saba Baghaei, Sonja Giesecke, Emil Schwarz
Premiere
Sonntag, 15.02.2026,
18.00 Uhr,
emma-theater