Immer wieder passiert es: Ältere und hilfsbedürftige Menschen werden Opfer finanzieller Ausbeutung - und das ausgerechnet durch Personen, auf die sie angewiesen sind. Das können Freunde, Nachbarn oder etwa unseriöse Pflegekräfte sein. Sie nutzen ein Vertrauens- und vielleicht sogar ein Abhängigkeitsverhältnis aus und schädigen einen älteren und hilfsbedürftigen Menschen, indem sie zu ihrer eigenen Verwendung Geld von dessen Konto abheben, dessen Wertsachen stehlen oder ihn nötigen, sein Testament zu ihren Gunsten zu ändern.
Wie häufig es in Deutschland zur finanziellen Ausbeutung älterer Menschen kommt und wie hoch die damit verbundenen Schäden sind, ist nach Angaben des Zentrums für Qualität in der Pflege (Stiftung ZQP) unklar. Die amtliche Kriminalstatistik erfasst nur alle der Polizei gemeldeten Straftaten. Laut Stiftung ZQP ist von einem „erheblichen Dunkelfeld“ auszugehen. Denn viele schämen sich, die Ausbeutung anzuzeigen.
„Oft geht es den jeweiligen betreuenden Personen darum, nahe Angehörige von der älteren und pflegebedürftigen Person fernzuhalten“, sagt Eberhard Rott, Fachanwalt für Erbrecht. Diese Vorgehensweise wenden Menschen mit unlauteren Absichten besonders dann an, wenn die nahen Angehörigen weit entfernt wohnen. Da würden etwa von den betreuenden Personen Briefe abgefangen oder Telefonanrufe unterbunden, indem das Telefon auf lautlos gestellt wird. Auf diese Weise sollen Pflegebedürftige das Gefühl bekommen, dass Angehörige sich nicht kümmern oder interessieren - und sind möglicherweise eher bereit, ein bestehendes Testament zugunsten des Manipulators zu ändern.
Manchmal wird aber auch offen Druck ausgeübt und die Hilfe oder Pflege so lange versagt, bis eine Schenkung oder Erwähnung im Testament erfolgt.
Kommen nahe Angehörige nicht mehr an die alte und hilfsbedürftige Person heran, sollten sie so früh wie möglich Ursachenforschung betreiben, rät Rott. Also auf die betreuende Person zugehen und Fragen stellen. Und gegebenenfalls auf den eigenen Status als naher Angehöriger pochen und damit die betreuende Person in ihre Schranken weisen.
Dass sich womöglich ein finanzieller Missbrauch eines alten und hilfsbedürftigen Menschen anbahnt, kann sich aber auch auf ganz andere Weise zeigen. Etwa, wenn jemand plötzlich sehr intensiv Kontakt zu einer alten und pflegebedürftigen Person sucht und ein ungewöhnlich freundschaftliches Verhältnis aufbaut.

Solche Kontakte sollten nahe Angehörige im direkten Gespräch mit dem alten und hilfsbedürftigen Menschen hinterfragen. So lässt sich möglichen Manipulationen vorbeugen und Testament und Erbe vor Erbschleichern schützen.
Damit es erst gar nicht zu finanziellem Missbrauch oder zur finanziellen Ausbeutung kommt, ist ein guter Draht zueinander wichtig. Angehörige sollten intensiven Kontakt mit der alten und hilfsbedürftigen Person haben, damit sie sich nicht alleingelassen fühlt, sondern spürt: Meine Familie kümmert sich um mich. So kommt bei der alten und hilfsbedürftigen Person nicht das Gefühl auf, in allem auf Außenstehende angewiesen zu sein.
Entscheidend ist auch, offen über Geld- und Vermögensangelegenheiten zu sprechen. Dabei sollten Angehörige auch immer wieder thematisieren, dass und auf welche Weise Dritte an Geld wollen. Das können beispielsweise unseriöse Betreuungsangebote, aber auch Enkeltricks oder das Drängen auf Änderung eines Testaments sein.
Testament oder Erbvertrag sind wichtig
Um sich und das Vermögen zu schützen, sollten ältere und hilfsbedürftige Menschen ein individuell abgefasstes Testament haben, empfiehlt Rott. Dieses sollte man so früh wie möglich, am besten vor den ersten Anzeichen von Demenz, abfassen und sich gegebenenfalls von Fachanwälten für Erbrecht beraten lassen. Mit regelmäßigen Überprüfungen hält man das Testament aktuell.
Von handgeschriebenen Testamenten, die zu Hause in der Schublade herumliegen, wird von Experten abgeraten. Zu groß sei die Gefahr, dass sie gefälscht werden oder sogar verschwinden. Besser sei es, ein notarielles Testament beim Nachlassgericht zu hinterlegen und im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen.
Einen Kontrollmechanismus zum Schutz vor unberechtigtem Zugriff auf Vermögen bieten laut Rott folgende Vorgehensweisen:
• Notarielle Vollmacht: Alte und hilfsbedürftige Personen sollten so früh wie möglich einer Vertrauensperson in Gestalt eines nahen Angehörigen eine notarielle Vollmacht ausstellen. Damit ist diese Vertrauensperson berechtigt, nicht nur in gesundheitlichen Fragen, sondern auch in Sachen Finanzen und Vermögen Entscheidungen zu treffen - das schützt vor unberechtigtem Zugriff von Dritten auf das Vermögen des alten und hilfsbedürftigen Menschen.
Ein großes Problem besteht laut Rott darin, dass die hilfsbedürftigen Personen manipuliert werden können - mit der Folge, dass die Vollmacht widerrufen wird. Die Lösung: „Man kann diese notarielle Vollmacht so ausgestalten, dass sie für bestimmte Bereiche nicht ohne Weiteres widerrufen werden kann“, so Rott. Alternativ bestimmt man einen Kontrollbevollmächtigten.
• Ehegattentestament (Berliner Testament): Ehegatten setzen sich darin gegenseitig zu Alleinerben ein und die Kinder als Schlusserben. Der Nachwuchs erbt erst nach dem Tod des länger lebenden Elternteils. Willen Der Vorteil eines solchen Testaments: Der überlebende Partner ist an den gemeinsam abgefassten gebunden. Damit haben Außenstehende keine Chance, testamentarisch berücksichtigt zu werden.
• Erbvertrag: „Ein notarielles Testament als Erbvertrag zwischen Ehepartnern oder Eltern und Kindern schützt noch mehr vor Erbschleicherei“, sagt Rott. Denn bei Änderungen an einem solchen Testament müssen alle Beteiligten zustimmen.
Testamentsvollstrecker: Ein Testamentsvollstrecker kann helfen, weil er den letzten Willen des Erblassers durchsetzt und unrechtmäßige Vermögenszugriffe rückgängig machen kann.
dpa/tmn