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Meine beste Version

Im Flow kann es zu Best- und Höchstleistungen kommen, Menschen erleben dabei Glück und Sinnhaftigkeit, sie fühlen sich losgelöst von ihren Problemen.   Foto: Louise Beaumont/Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE)/obs

Flow: Der Zustand, der die beste und gesündeste Version eines Menschen hervorbringen kann

"Im Flow sein" bedeutet weit mehr als "es läuft“. Den wenigsten Menschen ist bekannt, dass Flow wissenschaftlich erforscht ist. "Flow kommt aus der positiven Psychologie“, erklärt die Ergotherapeutin Sara Mohr und beschreibt diesen Zustand so: "Menschen im Flow sind maximal vertieft und selbstvergessen; sie blenden alles um sich herum aus, sogar die Zeit. Sie vollbringen oft Bestleistungen und erleben dabei gleichzeitig ein Höchstmaß an Wohlbefinden und Befriedigung.“

Flow entsteht häufig beim Arbeiten oder Studieren
Wer neugierig, ausdauernd und lernorientiert ist und dabei wenig Angst vor Fehlern hat, ist ein potenzieller Kandidat beziehungsweise eine potenzielle Kandidatin, um öfter als andere Menschen Flow zu erleben. 

Flow entsteht beispielsweise beim Lösen komplexer Aufgaben, bei handwerklichen oder gestalterischen Projekten, beim Analysieren oder Planen und anderen Tätigkeiten, die der- oder diejenige in höchster Konzentration verrichtet. Auch bei sportlichen Herausforderungen oder beim Kreativsein wie Malen, Fotografieren, Schreiben oder Musizieren kommt es oft zu Flow und dem Gefühl, dass das, was man tut, wie von selbst passiert. Und das, obwohl es erst dann zu Flow kommt, wenn es sich um eine fordernde Betätigung handelt. 

Die Ergotherapeutin Sara Mohr führt das weiter aus: "Um in Flow zu kommen, muss eine Betätigung bestimmte, genauer gesagt drei Vorbedingungen erfüllen. Es muss ein klares Ziel geben wie: Ich will dieses Spiel gewinnen. Oder: Ich will diesen See durchschwimmen und so weiter.“ 

Außerdem muss es ein Feedback geben, also die direkte Rückmeldung, ob der Handlungsschritt gelungen ist oder nicht, und - das ist der wohl wichtigste, dritte Faktor: die Challenge-Skill-Balance. Das bedeutet, die Herausforderung fordert genau das richtige Maß an Fähigkeiten, also Skills, sodass die Person sich anstrengen muss, aber - weder unter- noch überfordert ist. 

Positive Wirkung von Flow neurobiologisch erwiesen
Die positiven Auswirkungen von Flow sind mehrfach belegt: Jüngste neurobiologische Untersuchungen zeigen, dass im Gehirn - wenn jemand gerade nichts tut - das sogenannte Default Mode Network aktiv ist. 

Dieses Netzwerk sorgt dafür, dass man sich mit sich selbst, der Vergangenheit und aktuellen Problemen beschäftigt. Ist es zu aktiv, kann es unter anderem zu negativem Gedankenkreisen führen, was beispielsweise bei Depressionen häufig der Fall ist. 

Der Flow-Zustand bewirkt das Gegenteil: Das Default Mode Network wird im Flow weitgehend abgeschaltet. Stattdessen sind nur die Gehirnregionen aktiv, die eine Person für die aktuelle Aufgabe benötigt, um beispielsweise konzentriert ihrer Arbeit nachzugehen, einen anspruchsvollen Berg zu erklimmen, ein schwieriges Musikstück aufzuführen oder, oder, oder. 

Wer im Flow ist, denkt nicht ständig über sich selbst nach. Auch daher, weil sich im Flow das negative Gedankenkreisen vorübergehend reduziert, fühlen sich Menschen, die regelmäßig Flow in ihrem Alltag erfahren, gesünder. Das ist durch die Flow-Forschung belegt und ebenso, dass Menschen, denen es gelingt, immer wieder in Flow zu kommen, über ein größeres Wohlbefinden und mehr Sinn im Leben berichten. Dabei fällt auf- und die Flow-Forschung bestätigt das, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen oftmals keinen Zugang zu bestimmten Handlungen oder Betätigungen haben. 

Nicht selten sind strukturelle Barrieren der Grund, weshalb Menschen mit einer Behinderung oder bestimmten Erkrankungen keinen oder zu wenig Flow erleben. "Wer zum Beispiel gerne Schach spielt und dabei in Flow kommt, aber davon ausgeschlossen ist, weil der Schachverein nicht barrierefrei zugänglich ist oder aufgrund seiner chronischen Erkrankung seiner Arbeit nicht nachgehen kann, kann ergotherapeutische Unterstützung erhalten", erklärt Sara Mohr diesen Teil ihrer Arbeit. 

Und last, but not least, geht es bei einer ergotherapeutischen Intervention auch darum: Was traut die Person sich selbst zu, weiß sie, ihre Fähigkeiten gut einzuschätzen? Die Betätigungen selbst kommen ebenfalls auf den Prüfstand. Wie lassen sich diese so gestalten, dass ein Flow-Potenzial entsteht? "Wer es schafft, beim Sport oder im Fitnessstudio in Flow zu kommen, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, diese Tätigkeit zu wiederholen."

Das Phänomen, beim Gärtnern den "Flow“ zu erleben, ist kein Zufall, sondern ein perfektes Zusammenspiel aus Psychologie und Biologie. Der Flow-Zustand tritt ein, wenn wir vollkommen in einer Tätigkeit aufgehen und Zeit sowie Raum vergessen.    Foto: Ann-Christin Blankmann
Das Phänomen, beim Gärtnern den "Flow“ zu erleben, ist kein Zufall, sondern ein perfektes Zusammenspiel aus Psychologie und Biologie. Der Flow-Zustand tritt ein, wenn wir vollkommen in einer Tätigkeit aufgehen und Zeit sowie Raum vergessen.    Foto: Ann-Christin Blankmann

Was sind sogenannte Flow-Killer im Alltag?
Das liegt unter anderem am positiven Erleben und den im Flow ausgeschütteten Hormonen. Wer im Flow ist, dessen Gehirn ist im Glücksrausch: Dort sorgen Endorphine für ein positives Gefühl und Schmerzminderung; das ausgeschüttete Dopamin ist für Motivation und Zielverfolgung nötig, weitere Hormone sorgen für Kreativität, Aufmerksamkeit und Fokus oder schaffen neue Verbindungen im Gehirn. 

"Flow lässt sich nicht auf Knopfdruck herbeiführen.“ Eine weitere der vielen Voraussetzungen, um in Flow zu kommen, ist, sich tiefgehend und ungestört mit einem Thema oder einer Betätigung zu befassen. Das bedeutet auch: nicht erreichbar oder ansprechbar sein, Handy ausschalten oder gar nicht erst dabeihaben, Nachrichten deaktivieren für die Zeit, in der man nicht behelligt werden sollte und so weiter. Denn: Unterbrechungen und Benachrichtigungen sind die schlimmsten Feinde von Flow.



ots

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