Erst die feierliche Übergabe der Abschlusszeugnisse auf der großen Bühne im Ballhaus, dann der entspannte Ausklang im Palais: Das Alando in Osnabrück diente einmal mehr als prachtvoller Schauplatz für die feierliche Überführung von diesmal rund 270 neuen Handwerkern vom Ausbildungsin den Gesellenstatus.

Nach rund zweieinhalb Stunden war es geschafft: Als Thorsten Coch in seiner Eigenschaft als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft mit einem Dank an alle Beteiligten den formellen Teil des Abends beschloss und zum Feiern einlud, hatten alle, die in den vergangenen Monaten mit Bravour ihre Abschlussprüfungen absolviert haben, ihre Gesellenbriefe in der Hand.
Heiko Engelhard vom Hauptsponsor Vereinigte Volksbank hatte alles andere als Unrecht, als er zuvor von einer „eindrucksvollen Kulisse“ im Alando Ballhaus sprach. Spontan erhöhte er das Freibierkontingent um mehr als das Dreifache und lud die mehr als 850 Gäste zudem dazu ein, im Anschluss mit Social-Media-Star Arno um Getränkegutscheine zu zocken.
Nicht gezockt, sondern gezielt auf eine erfolgreiche Ausbildung hingearbeitet, haben die frischgebackenen Handwerksgesellen aus 17 Innungen zuzüglich der Kaufleute für Büromanagement der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Unter Letzteren befand sich auch Tim Politz, der bei der Kreishandwerkerschaft Osnabrück selbst seine kaufmännische Ausbildung absolviert hat. Er war wohl der Einzige, der nicht zum ersten Mal eine Gesellenlossprechung miterlebt hat wohl aber zum - ersten Mal auf der Bühne.
Hier führte Moderator Moritz Zachow gewohnt charmant durch das Programm, wie stets mit strukturierender Unterstützung durch Yvonne Hemme, der nicht minder charmanten, unsichtbaren Stimme aus dem Seitenbereich der Bühne. Sie schritt unter anderem immer dann ein, wenn es gesondert Innungssieger zu feiern gab. Diesmal waren es sieben an der Zahl, davon gleich zwei aus der Freien Fleischer-Innung zu Osnabrück.
Nicht nur Niklas Knollmeyer wird in diesem Bereich in vierter Generation den elterlichen Betrieb übernehmen. Auch Theresa Schürkamp möchte der Fleischerei ihres Vaters treu bleiben. Sie trug als Fleischereifachverkäuferin neben Fleischer Mathis Erpenbeck den Innungssieg davon. Bei den Friseuren war es Jens Hagen, der buchstäblich am besten abschnitt. Er sei stolz auf seinen Beruf und betonte ganz bescheiden, dass es nichts gebe, was er nicht könne.
Handwerkliche Könnerschaft zeigte sich auch beim Output der Tischler-Innung, die mit fast 40 neuen Gesellen die größte Gruppe stellte. Hier stach Innungssieger Finn Haspecker hervor, der zusätzlich den Preis für die beste Arbeitsprobe abräumte und hinter Sophie Lange Zweiter wurde beim Wettbewerb „Die Gute Form“. Neben Funktionalität wurde hier auch das Design bewertet.
Um Gestaltung geht es auch bei den Raumausstattern. Sie sei über den Zukunftstag auf den Beruf gekommen, verriet Isabel Krüger. Dabei hat sie sich auf das Gardinennähen und die Montage von Sonnenund Lichtschutz spezialisiert und schätzt besonders den Kontakt mit den Kunden. Der ist auch für das Bäckerund Konditorenhandwerk wichtig. Ihr Antrieb sei es, Menschen eine Freude zu machen, betonte die frischgebackene Konditorin Eva Feldhaus. Die Abwechslung in seinem Beruf schätzt Jonah Weßler, Innungssieger der Maler- und Lackierer-Innung Melle: Man arbeite drinnen wie draußen, vom Boden bis zum Dach.
Dass ein Gebäude aber erst einmal steht, dafür sorgen die Maurer und Zimmerer der Bau-Innung Osnabrück Stadt und Land. Jan Ditrich erhielt hier für seinen Innungssieg einen Zimmermannsstab, Maurer Torben Ellerbrock zeigte sich froh darüber, dass er „nicht mehr zur Schule“ muss und endlich durchstarten kann, und Emma Sophie Schwarz verriet als einzige Gesellin unter lauter Jungs, dass sie eher per Zufall über ein Praktikum auf den Geschmack am Mauern gekommen sei.
Dafür, dass es nirgendwo reinregnet, sind die Dachdecker zuständig. Sie kamen allesamt in traditioneller Kluft auf die Bühne, und Marc Leon Agternkamp lüftete das wohl eher offene Geheimnis, dass man dort, wo es beruflich buchstäblich hoch hinausgeht, keine Höhenangst haben dürfe. Wer im übertragenen Sinne nach Höherem strebt, kann noch eine Meisterausbildung absolvieren. Um dafür bessere Chancen zu ermöglichen, verlieh die Huß-Begabtenstiftung des Osnabrücker Handwerks drei Stipendien - und verloste Finanzspritzen über jeweils 3000 Euro zum Zwecke der Fort- und Weiterbildung.
Von Matthias Liedtke
Alle Innungssiegerinnen und Innungssieger aus dem Sommer 2026
Bau-Innung Osnabrück Stadt und Land: Zimmerer/-in: Jan Ditrich (Matthias Korte, Georgsmarienhütte)
Friseur-Innung Osnabrück: Friseur/-in: Jens Hagen (Christoph Schildmann, Osnabrück)
Fotografen-Innung Osnabrück-Emsland: Fotograf/-in: Marie Brinkmeyer (Stephanie & Andreas Gayer, Melle)
Straßenbauer-Innung Osnabrück-Emsland: Straßenbauer/-in: Sören Jarvers (Clausing, Osnabrück)
Freie Fleischer-Innung zu Osnabrück: Fleischer/-in: Mathis Erpenbeck (Dieter Eickhorst, Georgsmarienhütte)
Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk Schwerpunkt Fleischerei: Theresa Schürkamp (Schürkamp, Osnabrück)
Tischler-Innung Osnabrück: Tischler/-in: Osnabrück Finn Haspecker (Ludger Schimmöller, Hilter a.T.W.)
Bau-Innung Bersenbrück: Zimmerer/-in: Katharina Tiedemann (Holzbau Steinemann, Neuenkirchen)
Maler-und Lackierer-Innung Bersenbrück: Maler und Lackierer/-in FR Gestaltung und Instandhaltung: Pia-Jasmina-Felicitas Lübke (Diers, Quakenbrück)
Tischler-Innung Bersenbrück: Tischler/-in: Henrik Fenstermann (Meyer, Eggermühlen)
Maler- und Lackierer-Innung Melle: Maler und Lackierer/in FR Gestaltung und Instandhaltung: Jonah Weßler (Christian Hasemann, Melle)