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Neue Gesellen in Osnabrück: Nachwuchs in den Startlöchern

Die Innungssieger der jeweiligen Innungen, die bei der Winterlossprechung im Alando Ballhaus geehrt wurden. Fotos: Philipp Hülsmann

Im Alando Ballhaus erhalten und feiern 180 junge Handwerker ihren Gesellenbrief. Kreishandwerkerschaft Osnabrück ehrt Nachwuchshandwerker und zeichnet die besten Innungssieger aus.

Von Matthias Liedtke

Ohne Handwerk keine Zukunft. Und auch die Gegenwart sähe buchstäblich düster aus, hätten wir kein Licht, keine Heizung, kein Dach über dem Kopf und keine Straßen. Dass das noch längst nicht alles ist, was Handwerker leisten, zeigte einmal mehr die feierliche Würdigung von rund 180 neuen Gesellen im glamourösen Alando Ballhaus vor 750 Gästen – dynamisch eingeleitet durch das „Big Bombastic“-Ensemble der Tanzschule Hull.

In insgesamt elf Durchgängen verliehen neun Innungen der Kreishandwerkerschaft Osnabrück sowie die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim den erfolgreichen Prüflingen ihre wohlverdienten Gesellenbriefe auf großer Bühne. Zuvor hatten sie die Obermeister von ihrem Ausbildungsdasein losgesprochen und damit in den Gesellenstatus überführt.

Dass sie dabei nach dem Sprechen der traditionellen Formel in einem über die LED-Leinwand im Hintergrund projizierten Goldregen standen, hatte Symbolkraft. Denn auf jenem goldenen Boden, den das Handwerk sprichwörtlich verspricht, stehen die neuen Gesellen von nun an. Dafür hätten sie „gelernt, geübt und gekämpft“, sagten diejenigen, die sie gerade glanzvoll in ihren Berufsstand erhoben hatten.

Sprichwörtlich wurde nach der bestandenen Gesellenprüfung das imaginierte Band zwischen Lehrlingen und Ausbildungsbetrieb gelöst, damit der Handwerkernachwuchs der Region nun Dinge schaffen kann, die „Bestand haben“, wie es aus berufenem Munde hieß. Überall dort, wo „angepackt, gebaut, renoviert und gestaltet“ werde, liefere das Handwerk als „Zentrum der deutschen Wirtschaft“ einen tatkräftigen, „unverzichtbaren Beitrag“ für die Gesellschaft. Kreishandwerksmeister Siegward Schneider gab den Gesellen mit auf den Weg, stets „neugierig und engagiert“ zu bleiben. Den hohen Stellenwert und die Wertschätzung der „Wirtschaftsmacht von nebenan“, wie es im Slogan der Kreishandwerkerschaft heißt, unterstrich auch die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, unter anderem die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, Landrätin Anna Kebschull und Tina Heliosch, die Leiterin der Osnabrücker Agentur für Arbeit.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen aber an diesem Abend die frisch gebackenen Gesellen. Er wolle seinem Ausbildungsbetrieb erst einmal treu bleiben und dann möglicherweise noch den „Meister machen“, sagte Yannik Böhmer, der Elektro-Innungssieger im Bereich Energie- und Gebäudetechnik. Mit der seltenen Gesamtnote „Sehr gut“ dafür prädestiniert zu sein scheint auch sein Kollege Mika Paul aus dem 5 Fachgebiet Automatisierungs- und Systemtechnik.

Als Sieger der drei Innungen Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik gingen Max Huber (Osnabrück-Stadt), Farin Bauschulte (Osnabrück-Land) und Tim Brockmann (Bersenbrück) hervor, der nach eigenem Bekunden ebenfalls „in absehbarer Zeit“ den „Meister“ anstrebt. Die drei neuen Anlagenmechaniker erhielten allesamt zusätzlich auch den Robert-Bosch-Förderpreis mit einem Bildungsgutschein über jeweils 500 Euro.

Eine Neuerung gibt es von den Metall-Innungen Osnabrück, Melle und Bersenbrück. Hintergrund ist eine Fusion zur „Metall-Innung Region Osnabrück“ zu Jahresbeginn. Es gehe darum, die „Kreise zusammen“ zu binden, um in Zukunft einheitlich und„stärker auftreten“ zu können, erklärte Obermeister Ralf Reizer den Schritt, der die neue Innung zur größten in ganz Niedersachsen macht. Obwohl die Innungen bereits unter der neuen Firmierung öffentlich auftreten, feierten sie in diesem Winter jeweils eigene Lossprechungen. Entsprechend ehrten sie ihre eigenen Innungssieger. Bei den vormaligen Osnabrücker Metallern sind das Metallbauer Henri Bolke und Feinwerkmechaniker Felix Huster. Die Meller freuten sich für Feinwerkmechaniker Mattis Sovinec und in Bersenbrück holten sich Metallbauer Alex Filatov und Feinwerkmechaniker Elias Buschermöhle den Titel.

Auch die Karosserie- und Fahrzeugbauer-Innung Osnabrück-Emsland hatte die Ehre, zwei Innungssieger zu präsentieren, die bereits im Sommer ihren Abschluss gemacht hatten. Zum einen Philipp Wagner, der im Ausbildungsbereich Karosserieinstandhaltungstechnik beste Ergebnisse erzielt hatte. Und zum anderen Karosserie- und Fahrzeugbautechniker Arne Klöcker, der es in seiner Ausbildung mit Wohnmobilen zu tun gehabt hat.

Einen feierlichen Rahmen bot die Bühne im Alando Ballhaus.
Einen feierlichen Rahmen bot die Bühne im Alando Ballhaus.

Ihre Hauptprüfung im aktuellen Winterdurchgang absolviert haben dagegen die Zweiradmechatroniker der Handwerkskammer, die ebenfalls im Alando Ballhaus geehrt worden sind. Ihr Job hat im Zuge der Motorisierung und Digitalisierung auch zunehmend Berührungspunkte mit der Informationstechnik. Deren Osnabrücker Innung wieder brachte neun neue Informationselektroniker hervor, darunter zwei Frauen.

Weibliche Handwerks-Power war, wie bei den Osnabrücker Friseuren, auch bei der Innung der Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere Osnabrück-Emsland in der Mehrheit. Sieben von elf neuen Gesellen sind hier weiblich. Innungssieger wurde aber Goldschmied David Wesseling, der sein Gesellenstück stolz um den Hals trug. Nur der Feueropal fehlte noch an seiner schmucken Kette aus dreieckigen Hohlkörpern, die auch ein wenig an das Logo der Innung erinnerte.

Darauf wies Christian Böwer hin, der die Feier, charmant begleitet von Yvonne Hemme aus dem „Off“, nicht nur launig moderierte, sondern am Ende mit einem selbst gesungenen Udo-Jürgens-Medley auch noch für ein musikalisches „Sahnehäubchen“ sorgte, wie Thorsten Coch es formulierte, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Der überraschende Show-Act des ehemaligen Mitglieds der Party-Band Schlagerpolizei war die passende Einstimmung auf die große Gesellen-Sause im benachbarten Alando Palais im Anschluss.


Alle Innungssiegerinnen und Innungssieger des Ausbildungsjahres 2025/2026

Innung der Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere Osnabrück-Emsland:

Goldschmied/-in: David Wessling, (Werner Behnen, Haselünne)

Metall-Innung Region Osnabrück: 

Ausschuss Osnabrück:

Metallbauer/-in: Henri Bolke (Osnabrücker Werkstätten, Os.); Feinwerkmechaniker/-in FR Maschinenbau: Felix Huster (Obermeyer, Hagen a.T.W.)

Ausschuss Bersenbrück:

Metallbauer/-in FR Konstruktionstechnik: Alex Filatov (Rudolf Wiegmann, Bsb.) Feinwerkmechaniker/-in FR Maschinenbau: Elias Buschermöhle (Tellen, Alfhausen)

Ausschuss Melle:

Feinwerkmechaniker/-in FR Werkzeugbau: Mattis Sovinec (Spies, Melle)

Elektro-Innung Osnabrück:

Elektroniker/-in FR Energie- und Gebäudetechnik: Yannik Böhmer (SWO Netz, Os.); Elektroniker/-in FR Automatisierungstechnik: Mika Paul (SPIE Building Technology Automation & Traffic, GMH)

Innung Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik Bersenbrück:

Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: Tim Brockmann (Heizung Sanitär. Bsb.)

Innung Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik Osnabrück-Stadt:

Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: Farin Bauschulte (Dirk l Bauschulte, Hagen a.T.W.)

Innung für Kälte- und Klimatechnik Osnabrück-Emsland:

Mechatroniker/-in für Kältetechnik: Claas Hülsmann (Josef Große Kracht, Os.)

Karosserie- und Fahrzeugbauer-Innung Osnabrück-Emsland:

Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in: FR Karosserieinstandhaltungstechnik: Philip Wagner (Volkswagen Zentrum Osnabrück, Os.); FR: Karosserie- und Fahrzeugbautechnik: Arne Klöcker (Vario Mobil, Bohmte)

Land- und Baumaschinentechniker-Innung Osnabrück:

Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in: Lukas Nordmann (Josef Kotte Landtechnik, Rieste)

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