Eigentlich sollte vor fünf Jahren das 175. Jubiläum des Fachgeschäftes Mithöfer für Lederwaren und Schirme im Herzen Melles groß begangen werden. Damals aber machte die Corona-Pandemie einen Strich durch Feierlichkeiten jeglicher Art.



„Auch wenn der 180. Geburtstag kein offizielles Jubiläum ist, möchten wir diesen Tag gerne begehen“, sagt Hannelore Bergs, die das Geschäft gemeinsam mit ihrer Tochter Kerstin Scholz führt.
Und die Seniorchefin hat über die Geschichte ihres Ladens eine Menge Material vorliegen, aus dem sie schöpfen kann. Drechslermeister Friedrich-Wilhelm Mithöfer kaufte nach neunjähriger Wanderschaft im Jahr 1939 das Haus in der Mühlenstraße 1 in Melle und richtete eine Drechslerwerkstatt ein. Stöcke, Pfeifen und Schirmgriffe wurden hier hergestellt und zusätzlich im Geschäft Kurz- und Galanteriewaren angeboten. Sohn Georg übernahm das Geschäft und der Enkel Rolf Bergs führte es als gelernter Schirmmacher später weiter. Im Laufe der Jahre veränderte sich das Sortiment immer wieder. „Bis heute besteht es aus Reisegepäck, Taschen, Schirmen und Kleinlederwaren“, erzählt Hannelore Bergs. Nach dem Tode von Rolf Bergs 2003 kümmert sie sich jetzt gemeinsam mit ihrer Tochter um die Belange des Familienunternehmens.
Auch das Fachwerkhaus hat eine wechselvolle Geschichte vorzuweisen. Ende Mai 1720 fiel es dem großen Brand von Melle zum Opfer. Damals wurde es vom amtierenden Bürgermeister Joachim Friedrich Varendorf bewohnt.
1948 stürzte das Dach des Hauses ein und trotz aller Befürchtungen, das uralte Fachwerkgebäude abreißen zu müssen, gelang es den Besitzern und Handwerkern, es wieder herzurichten.
Auch wenn heute hier niemand mehr Schirme herstellt oder repariert, gehört Lederwaren Mithöfer zu einem der wenigen traditionsreichen Geschäftshäuser seit 180 Jahren.
cru