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Freier Kuhverkehr

Fotos: GEA

Wenn der Melkroboter zum Multitalent im Kuhstall avanciert

Die Digitalisierung nimmt mittlerweile einen bedeutenden Anteil in der heutigen Landwirtschaft ein. Sie beschränkt sich nicht nur auf Dünge- und Erntetechnik, sondern wird zunehmend auch wichtiger Bestandteil in tierhaltenden Betrieben.

Steigende Personalkosten und vor allem der Mangel an Fachkräften veranlassen die landwirtschaftlichen Betriebe auf vermehrte Digitalisierung zu setzen. Insbesondere in Milchviehbetrieben führt die täglich zu leistende und zeitintensive konventionelle Melkarbeit, die gleichzeitig körperlich anstrengend ist, zu Überlegungen die Tätigkeit automatischen Systemen zu überlassen. 

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Wenn in Milchviehbetrieben heute der Melkroboter als Mitarbeiter einzieht, bedeutet dies für den Landwirt in der Regel einen Gewinn an Lebensqualität, doch auch die Kühe profitieren durch den digitalen Mitarbeiter. Doch wie zuverlässig sind Melkroboter? Und fehlen nicht das kritische Auge des Landwirts sowie der zweimalige tägliche Tierkontakt, der durch das konventionelle Melken zwingend vorhanden ist?

„Dass Melkroboter funktionieren, zeigt der heutige Marktanteil“, sagt Hilko Meyer, Teamleiter für Milch- und Stalltechnik bei Firma Wittrock in Rhede-Brual. Er sieht einen ganz klaren Trend zur Automatisierung im Kuhstall. Für den Fachmann liegen die Vorteile für Mensch und Tier auf der Hand. „Der Roboter ermöglicht den Tieren einen freien Weg zum Melken“, so Meyer. Die Kuh kann jederzeit zum Melkroboter gehen, nämlich immer dann, wenn der Melkdruck entsprechend groß ist. Sie ist also nicht auf die zweimaligen täglichen Zeiten wie beim Melken konventionellen angewiesen. Würde die Kuh ein Kalb großziehen, würde dieses ja auch häufiger am Tag ans Euter gehen, als lediglich zweimal“, erklärt Meyer.

Weiter weist er auf gesundheitliche Aspekte hin, denn der Roboter melkt nicht nur, sondern misst auch täglich die verschiedensten Werte - und dies nicht nur in Sachen Tiergesundheit, sondern auch in Bezug auf Milchqualität und Hygiene. Es werden wesentliche Daten des Tieres erfasst und ausgewertet. Sollten gesundheitliche Defizite vorliegen, kann der Landwirt frühzeitig und schnell reagieren. Selbst für die Zucht bietet der Einsatz eines Melkroboters Vorteile, weist er doch aufgrund von erfassten Daten den optimalen Termin für die nächste Besamung aus.

Gewiss sollten bei einer Kuhhaltung und beim Melken mit dem Roboter einige bauliche Voraussetzungen erfüllt sein. So ist es für die Kühe wichtig, dass sie vor dem Roboter genügend Platz haben. Dadurch lassen sich Rangeleien und Rangkämpfe minimieren. Auch sollten die Tiere den Melkplatz in Ruhe, ohne Engpass und ungefährdet wieder verlassen können. Gerade rangniedere Kühe profitieren vom automatischen Melken, da sie nicht wie beim konventionellen Melken zuhinterst im Warteraum anstehen müssen. Stattdessen können sie die Zeit zum Fressen, Trinken und Liegen nutzen.

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Durch automatisch gesteuerte Leitsysteme können Kühe gezielt abgefangen werden, zum Beispiel für die Klauenpflege oder für tierärztliche Untersuchungen oder Behandlungen. Auch die Fütterung wird individuell auf die einzelne Kuh abgestimmt. Wenn ein Tier über das Halsband erkannt ist, ist der Roboter in der Lage, es gezielt zu lenken und zu versorgen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Melkhygiene. Der Roboter verfügt über eine besondere Sensorik, so dass Fehler oder Unregelmäßigkeiten schnell sichtbar werden.

Diese frühzeitige Warnung gibt wertvolle Hinweise auf eine Optimierung. Alle milchführenden Komponenten werden vom Roboter gründlich gereinigt und desinfiziert.

Die Übertragung von Erregern von einem Tier zum anderen wird erkannt und unterbunden. Sowohl vor als auch nach dem Melken werden die Zitzen der Kuh gründlich gereinigt und die strapazierte Haut wird automatisch gepflegt. Durch die frühzeitige Erkennung von gesundheitlichen Problemen eines einzelnen Tieres lässt sich beispielsweise der Einsatz von Antibiotika reduzieren. Auch kann der Landwirt dank der Auswertung von Daten sehr viel präziser erkennen, wenn Probleme auftreten. Das erspart nicht nur Kosten, sondern auch Arbeitszeit. Nicht von ungefähr lautet eine alte Regel in der Landwirtschaft: 20 Prozent der Tiere machen 80 Prozent der Arbeit.

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Neben der Tierwohl-Komponente und den gesundheitlichen Aspekten sprechen auch betriebswirtschaftliche Gründe für den Einsatz von Roboter-Technik im Stall. Ihr Einsatzversetzt den Landwirt in die Lage, viele Tiere zu managen. Gleichzeitig ist es für Landwirte einfacher, Mitarbeiter zu finden, wenn der Betrieb automatisiert ist“, sagt Hilko Meyer. „Junge Leute arbeiten lieber auf Roboterbetrieben als in solchen, die konventionell betrieben werden“, hat er festgestellt. Doch auch Familienbetriebe wünschen sich flexible Arbeitsprozesse.

„Genau hier setzen die automatischen Systeme an, bieten sie doch mehr Lebensqualität, mehr Unabhängigkeit und mehr Freizeit für alle Personen, die in der Landwirtschaft beschäftigt sind“, nennt Meyer weitere Aspekte, die für den Einsatz von Robotertechnik sprechen.

Besser-Wissen

Wie viel Milch wird in Deutschland produziert?
32.200.000.000 kg im Jahr 2024

Wieviel Milch gibt eine Kuh?
8.950 kg im Jahr 2024

Wie hoch ist der Anteil Bio-Milch?
4,4% = 1.383.800.00 Kg im Jahr 2023

Wieviele Milchkühe gibt es in Deutschland?
3.600.000 Milchkühe

Quelle: MIV Milch Industrie Verband

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