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Die Leiden des jungen Werther am Theater Osnabrück

Im Rahmen der Nachwuchsförderung setzt Regieassistentin Linda Wiechers Goethes Roman neu in Szene und zeigt mit Schauspieler Amaru Albancando eine heutige Perspektive auf den empfindsamen Werther

Annemarie Niehaus, Linda Wiechers, Amaru Albancando.
Annemarie Niehaus, Linda Wiechers, Amaru Albancando.

Ohne sie läuft nichts und doch arbeiten sie meist im Hintergrund: Regieassistenzen sind das organisatorische und kommunikative Rückgrat einer Produktion.

Sie koordinieren Abläufe, tragen Verantwortung, halten hohen Belastungen stand und stellen sich in den Dienst der künstlerischen Handschrift des Regieteams. Am Theater Osnabrück wird dieser Beruf ausdrücklich auch als Ausbildungsweg verstanden und als Sprungbrett für eigene künstlerische Arbeiten.

Nach „All das Schöne“ in der Regie von Judith Jungk steht nun erneut eine Arbeit einer Assistierenden auf dem Spielplan: Linda Wiechers, seit der Spielzeit 2023/24 Regieassistentin im Schauspiel, widmet sich gemeinsam mit dem Spieler Amaru Albancando Goethes Klassiker „Die Leiden des jungen Werther“. Doch was macht den empfindsamen, liebestrunkenen Werther heute noch interessant? „Ich kann mich nie ganz entscheiden, ob ich ihn mag oder nicht. Mit diesem „Verlorensein in der Welt“ und dem Gefühl, keinen Platz zu finden, kann ich mich sehr gut identifizieren, und dennoch merke ich, dass seine Arroganz mir ziemlich auf die Nerven geht“, beschreibt Linda Wiechers. Spieler Amaru Albancando sieht Sprengkraft in der Figur: „Werther tritt auf als Fremdkörper in einer Gesellschaft, die kühl, rational und normiert funktioniert; Er schlägt um sich, provoziert, während er sein Schicksal realisiert und daran zerbricht.“ Das Fremdkörper-Sein, nimmt auch die Bühne von Annemarie Niehaus auf: Im Zentrum steht eine lange weiße Tafel, an der das Publikum platziert ist. „Die Zuschauer*innen werden so Teil des gesellschaftlichen Gefüges, dass den Werther von allen Seiten betrachtet, beurteilt und sich dadurch in Teile aufzulösen scheint.“

250 Jahre nach seinem Erscheinen hinterlässt Goethes Erzählung noch immer Spuren bei Liebenden und Verlorenen in der Welt. Die Osnabrücker Inszenierung betrachtet Werthers Geschichte mit einem Blick aus dem Heute und bleibt trotzdem nah an Goethes Text selbst. So entsteht eine Spannung zwischen dem damals und dem jetzt und eröffnet die Frage: Kann uns das Büchlein noch immer „[ein] Freund sein, wenn du keinen näheren finden kannst“, wie es zu Beginn der „Leiden des jungen Werther“ heißt.


Die Leiden des jungen Werther

Johann Wolfgang von Goethe

Inszenierung: Linda Wiechers
Bühne und Kostüme: Annemarie Niehaus
Mit: Amaru Albancando

Premiere

Freitag, 13.02.2026,
17.00 Uhr,
Caprivi-Lounge an der Hochschule Osnabrück (Gebäude CK, Caprivi-Campus, Caprivistraße 30A, 49076 Osnabrück)

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