Sneaker haben unsere Füße erobert. Ob auf dem Pausenhof oder im Seniorencafé, im Sportdress oder Abend-Outfit: Alle Altersgruppen tragen die praktischen Freizeitschuhe, die längst zum universellen Modephänomen geworden sind.
Doch so stylisch und bequem Sneaker sind, sind sie auch gesund für unseren Rücken? Entscheidend sind individuelle Passform, gute Dämpfung, flexible Sohle und ergonomisches Fußbett. „Wer nur besonders schicke, aber schlechtsitzende Modelle trägt, riskiert auf Dauer Beschwerden – vom Plattfuß bis zum Rückenschmerz“, warnt Martin Vierl, Facharzt für Orthopädie und Mitglied im medizinischen Prüfgremium der Aktion Gesunder Rücken (AGR).
Der Verein zeichnet ergonomische Produkte mit dem AGR-Gütesiegel aus, darunter auch Schuhe für alle Altersgruppen und Lebensbereiche. Das Wort Sneaker stammt aus dem Englischen und leitet sich vom Verb „to sneak“ ab, was so viel wie schleichen oder sich anschleichen bedeutet. Der Begriff bezeichnet modische und sportliche Freizeitschuhe mit weichen, gummierten Sohlen, mit denen man sich lautlos, also sneaky, bewegen kann – im Gegensatz zu härteren Lederschuhen. Sneaker stehen für Komfort, Lässigkeit und Lifestyle, unabhängig von Alter oder Anlass. Im Vordergrund steht eher der perfekte Look als die individuelle Fuß- und Rückengesundheit beim Laufen.
Einfach laufen – das beste Mittel gegen Rückenschmerzen
Laufen ist gesund, zeigen zahlreiche Studien. Die regelmäßige, sanfte Bewegung stärkt die Wirbelsäulenmuskulatur, baut Stress ab und führt zur Ausschüttung von Botenstoffen aus der arbeitenden Muskulatur.
Diese sogenannten Myokine entfalten zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen im gesamten Körper, was besonders bei einer Neigung zu Rückenschmerzen wertvoll ist. Das gilt allerdings nur mit den richtigen Schuhen.
Wer dauerhaft ungeeignetes Schuhwerk trägt – zu klein, zu unflexibel, schlecht gedämpft – riskiert nicht nur kurzfristig Blasen, Druckschmerzen und Muskelverspannungen, sondern langfristig auch strukturelle Veränderungen wie Fehlstellungen von Gelenken und Rückenschmerzen. „Wir werden alle nicht jünger. Daher macht es Sinn, schon früh auf Rückengesundheit und ergonomische Schuhe zu achten“, betont Vierl.
Sneaker sind durchaus beliebt – aber sind sie auch gesund?
Gesunde Sneaker punkten mit Dämpfung, Stabilität, atmungsaktiven Materialien und einer flexiblen Sohle, die ein natürliches Abrollen des Fußes fördert.
Ob Modelle mit Fußbett, Fersendämpfung und Gewölbestütze benötigt werden, hängt von der Struktur und Funktion des jeweiligen Fußes ab. Passt der Schuh zur Fußform und zur Art der Belastung, können diese Ausstattungsmerkmale Fehlhaltungen vorbeugen, Füße und Gelenke entlasten und Rückenschmerzen vorbeugen.
„Doch nicht jeder Schuh, der als bequem beworben wird, eignet sich, um den ganzen Tag damit herumzulaufen“, erklärt Vierl. So kann zum Beispiel eine übermäßig starke Dämpfung die Fußmuskulatur schwächen. Das kann langfristig zu Fußfehlstellungen wie Platt- oder Spreizfuß und sogar zu Rückenschmerzen führen.
Auch die individuelle Passform spielt eine Rolle: Zu weite oder schlecht sitzende Schuhe können die Funktionen des Fußes, wie das Zehengreifen und den Abrollvorgang, stören. Über die sogenannte Bewegungskette beeinflusst der Fuß auch die gesamte Körperhaltung bis hin zum Kopf.
Wichtig ist der Wechsel zwischen verschiedenen, gut passenden und ergonomisch gestalteten Schuhen sowie gelegentlichem Barfußgehen, um die Fußmuskulatur zu trainieren. „In der Rehabilitation sehe ich viele Menschen, die wegen unnatürlichen Laufens in schlechten Schuhen Verspannungen und Rückenprobleme haben. Ein bewusstes Gangtraining kann hier erstaunliche Heilkraft entwickeln“, berichtet Vierl.
Sneaker sind also nicht per se „gesund“ oder „ungesund“ für Rücken und Füße. Wichtig ist die individuelle Auswahl mit Fokus auf ergonomische Qualität und Passform. „Die Zeiten, in denen rückengesunde Schuhe langweilig aussahen, sind vorbei – es gibt heute viele Modelle auf dem Markt, die Style und aktuelle Trends mit Ergonomie verbinden“, sagt Vierl.
Wer solche Schuhe sucht, kann sich am Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken orientieren. Der Verein zertifiziert nach Prüfung durch ein unabhängiges medizinisches Expertengremium rückengesunde Schuhe für alle Altersklassen und Lebenslagen sowie entsprechende Fachgeschäfte und gibt weitere Tipps, worauf man achten sollte.
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10,3 Stunden pro Werktag
10,3 Stundenverbringen Erwachsene im Schnitt pro Werktag im Sitzen und 81 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal jährlich unter Rückenschmerzen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Schon wenige Minuten moderate bis intensive Aktivität pro Tag senken das Risiko für chronische Erkrankungen. Bewegung bringt Schwung ins Leben und ist oft die beste Medizin. Die Weisheit ist nicht neu, trotzdem ist unser Alltag bewegungsärmer denn je.
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Tipps gegen Schmerzen im Rücken
Rückenschmerzen sind ein Volksleiden – jeder fünfte Mensch in Niedersachsen hat mindestens einmal im Jahr so starke Rückenschmerzen, dass er zum Arzt geht. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse der Krankenkasse Barmer über alle Altersgruppen hinweg, einschließlich Kinder. 22 Prozent sind demnach betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer. Die Rückengesundheit schonen können der Krankenkasse zufolge viel Bewegung sowie passende Möbel. „Wer viel sitzt, sollte regelmäßig die Sitzposition ändern, um Muskeln und Gelenke zu entlasten“, rät Sander. „Ergonomische Möbel wie ein guter Bürostuhl oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch können dabei helfen.“ Weitere einfache Maßnahmen mit großer Wirkung sind demnach: die Treppe statt den Fahrstuhl zu nehmen und häufiger vom Bürotisch oder Sofa aufzustehen, um sich die Beine zu vertreten.
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Schonen, wenn es weh tut
Die Ursachen von Rückenschmerzen bleiben oft unklar. Auch deshalb gibt es wohl so viele Mythen. Ein Beispiel: Bei Rückenschmerzen ist Schonung angesagt? Falsch. Gerade bei akuten Schmerzen bringt Bewegung eine schnellere Heilung. Schonung führt zu Muskelabbau und langfristig zu noch mehr Schmerzen. Regelmäßige, im Falle von Schmerzen vorsichtige Bewegung, etwa in Form von Physiotherapie, trägt dazu bei, die Muskeln zu lockern und bewirkt langfristig eine Kräftigung des Rückens. Und ein kräftiger stabiler Rücken sieht nicht nur gut aus, sondern schmerzt auch seltener.