
Die Burg Wittlage ist ein bedeutendes historisches Zeugnis mittelalterlicher Landesverteidigung und bischöflicher Machtpolitik. Zwischen 1309 und 1313 ließ Bischof Engelbert II. von Osnabrück die Stiftsburg errichten, um die nordöstliche Grenze des Bistums gegen das Bistum Minden, die Grafschaft Ravensberg und Diepholz zu sichern. In einer Zeit, die von regionalen Fehden geprägt war, diente die Burg als Bollwerk kirchlicher und politischer Autorität.
Vorläufer der Burg finden sich in unmittelbarer Nähe - archäologische Spuren im nahegelegenen Rott, einem Waldgebiet, deuten auf frühere befestigte Anlagen, wie Wälle und Gräben, hin. Der ursprüngliche Kern der Burg bestand wohl lediglich aus einem Bergfried, einem Plankenzaun und einem Graben, gespeist von der Hunte. Über knapp zwei Jahrhunderte hinweg wurde das Areal ausgebaut. Der heute noch erhaltene Bergfried - ein massiver Wehrturm mit sieben Stockwerken - ist 32 Meter hoch und galt als letzter Zufluchtsort bei Angriffen. Seine dicken Mauern, wenigen Lichtöffnungen und ein tief gelegenes Untergeschoss machten ihn nahezu uneinnehmbar. Die Anlage wurde durch Mauern, Wälle, eine Außenburg und zahlreiche Wirtschaftsgebäude ergänzt.
Bedeutende bauliche Erweiterungen stammen von den Bischöfen Ottovon Hoya und Konrad von Rietberg, die im 15. Jahrhundert Herrenhaus, Aula und weitere Gräben errichten ließen. Im Jahr 1514 lebten auf dem Burgareal 15 Personen - darunter der Drost, verschiedene Bedienstete, Mägde, Türmer sowie unter anderem ein Schweine- und ein Kuhhirte.
Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Burg mehrfach verpfändet, besetzt und geplündert - u. a. von schwedischen Truppen während des Dreißigjährigen Kriegs. Nach dem Rückzug der Schweden 1650 verlor sie ihre militärische Bedeutung und diente fortan als Amtssitz und später als Kreisverwaltung des Landkreises Wittlage - der kleinsten Kreisstadt Deutschlands mit nur 620 Einwohnern (1971).
Die Anlage umfasst heute etwa 26.800 Quadratmeter, umgeben von einem 650 Meter langen Burggraben. Besonders markant ist das Gästehaus mit seinen Schießscharten im Kellergeschoss und der repräsentativen Freitreppe.
Nach jahrhundertelanger Funktion als Verwaltungssitz, erlebte die Burg in den 1990er Jahren eine neue Nutzung: Seit 2019 ist sie im Besitz des Kinderhaus Wittlager Land e.V. und beherbergt heute eine Großküche, ein Café, eine logopädische Praxis und soziale Einrichtungen. ue