Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

Ems-Zeitung: Wie eine Aktentasche für Aufregung beim Jubiläum sorgte

Aus den früheren Hallen der Meyer Werft in Papenburg wurde vor mehr als 30 Jahren das Kulturzentrum Forum Alte Werft geschaffen. Foto: Gerd Schade

Die Ems-Zeitung gehört zu den ältesten Zeitungen Norddeutschlands. Ihr Jubiläum, politische Anekdoten und die Entwicklung von Print zu digitalen Medien zeigen den Wandel der Region und der Medienlandschaft.

Mit nunmehr 175 Jahren zählt die Ems-Zeitung (EZ) zu den ältesten Zeitungen in Norddeutschland. Das wurde auch früher schon gefeiert, wenn ein Jubiläum anstand – zuletzt war das im Jahr 2000 der Fall.

Im September des ersten Jahres des neuen Jahrtausends kommen auf Einladung der Neuen Osnabrücker Zeitung, zu der die EZ als eine ihrer Bezirksausgaben gehört, Gäste aus Politik und Wirtschaft in der Stadthalle Forum Alte Werft zusammen. Die Zeitung feiert ihr 150-jähriges Bestehen.

Zu dem Festakt erscheint auch Sigmar Gabriel (SPD), seinerzeit Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. Der spätere Bundesminister und Vizekanzler präsentiert sich nicht nur ausgesprochen gut gelaunt, sondern erweist sich auch als schlagfertig.

Kurz zuvor herrscht urplötzlich helle Aufregung. Denn im Foyer des Forums steht eine Aktentasche, die augenscheinlich niemandem gehört. Die Polizei vermutet zunächst sogar eine Bombe in der Tasche. Rasch folgt dann aber Entwarnung. Wie sich herausstellt, befinden sich in der Tasche Unterlagen des damaligen stellvertretenden Landrats Josef Hanekamp (CDU, 1935-2010).

Ministerpräsident Gabriel reagiert gleichermaßen gelassen wie schlagfertig auf die mögliche Bedrohung: „Im Emsland gibt es keine Bomben, und die wenigen Sozialdemokraten in der Region stehen unter Artenschutz.“

Seitdem haben sich die Zeiten geändert – nicht nur im Emsland, das längst nicht mehr überall eine politische Hochburg der CDU ist. In Papenburg stellen die Sozialdemokraten seit 2021 mit Vanessa Gattung erstmals eine hauptamtliche Bürgermeisterin. Nicht nur stark, sondern vor allem rasant verändert hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert auch die Medienlandschaft. In welch großen Schritten sich vor allem die digitale Entwicklung entfaltet hat und es beispielsweise im Hinblick auf Künstliche Intelligenz weiter tut, war seinerzeit auch beim Festakt im Forum nicht abzusehen.

„Die gedruckte Zeitung bekommt eine digitale Schwester“, hatte Dieter Weirich, damals Intendant der Deutschen Welle und Festredner, noch eher zurückhaltend erklärt. Im Jahr 2000 hatte die Neue Osnabrücker Zeitung ihren Online-Auftritt gestartet – mit einer aus heutiger Sicht aber nur spärlichen Anzahl ausgewählter Zeitungsartikel, aber immerhin auch einem über den Festakt in Papenburg. Weirich attestierte der „digitalen Schwester“ denn auch lediglich die Rolle einer Begleiterin des Printprodukts.

Worte von Rudolf Seiters unverändert auf Höhe der Zeit

Sigmar Gabriel verhehlte an gleicher Stelle nicht, dass er „in der Regel noch das gedruckte Wort“ bevorzuge. Das traditionelle Medium Zeitung sei ihm einfach vertrauter, der Umgang einfacher und unkomplizierter.

Und überhaupt: Wenn er keine Lust mehr habe, die Zeitung zu lesen, dann könne er sie immer noch „zusammenknüllen und meine Schuhe damit ausstopfen“. Als er für diese Bemerkung spontanen Beifall erntete, schob Gabriel hinterher: „Versuchen Sie das mal mit dem Internet!“

Unverändert auf der Höhe der Zeit sind indes die Worte von Rudolf Seiters (CDU) aus Papenburg, damals Bundestagsvizepräsident. Er ins schrieb den Medien Stammbuch, dass ihre Verantwortung mit den Aufgaben wachse. Zudem hob er die Bedeutung der Pressefreiheit als ein „zentrales Grundrecht“ hervor. Wie wahr dies war und ist.

Gerd Schade

Meine Favoriten:
Alle Orte: