Liebe Leserinnen, liebe Leser, ein Jubiläum ist ein guter Anlass, zurückzublicken. Das kann die EmsZeitung heute mit Stolz tun. In den 175 Jahren ihrer Geschichte hat sie so einiges erlebt:
Nähe, Verantwortung und Vertrauen
Durch ihre Verwurzelung in der Region konnte sie von Ereignissen erzählen, die sonst untergehen würden - von kommunaler Politik über Vereine, über Veränderungen in der Nachbarschaft bis zu den Menschen, die hier leben und arbeiten.
In Zeiten, in denen sich viele Menschen von überregionalen Medien entfremdet fühlen oder skeptisch gegenüber politischer Kommunikation werden, sind lokal produzierte Inhalte eine Brücke zwischen Öffentlichkeit und Alltag.
Doch diese Brücke ist nicht ohne Risse: Der Medienwandel und ein sich änderndes Nutzungsverhalten sind real, auch im ländlichen Raum. Ökonomischer Druck, sinkende Werbeeinnahmen, veränderte Gewohnheiten - viele Lokalredaktionen müssen sparsamer kalkulieren, zugleich aber digital wachsen.
Dazu kommen Anfeindungen oder Einschüchterungsversuche gegen Journalisten. In einem verschärften Klima, in dem mediale Hetze, Polarisierung und Misstrauen wachsen, wird die Rolle lokaler Redaktionen doppelt herausfordernd.
Doch falls der Lokaljournalismus verschwindet, entstehen Medienwüsten, in denen es kaum noch öffentliche Kontrolle gibt - ein Vakuum, in dem Fehlverhalten, Lobbyinteressen und undurchsichtige Macht wachsen.
Zwischen Tradition und Innovation
Die heutige Zeit verlangt nach Formaten, die sich an neue Lesegewohnheiten, neue Technik und neue Erwartungen anpassen:
• Stärkere Einbindung der Leser: Bei "Wir von hier“ sind Vereine und Initiativen nicht nur Adressaten, sondern Mitgestalter. Durch sie kann Lokaljournalismus lebendiger, relevanter und partizipativer werden.
• Digitale Formate mit lokalem Fokus: Podcasts, Videos vor Ort oder interaktive Karten können Brücken schlagen zwischen klassischer Zeitung und digitalem Alltag - und stehen auch unseren Print-Kunden zur Verfügung.
• Transparenz und Dialog: Gerade in einer Zeit zunehmender Skepsis müssen die Redaktionen erklären: Wie entsteht ein Artikel? Welche Quellen stecken dahinter? Solche Einblicke schaffen Vertrauen, zum Beispiel beim "Tag der offenen Redaktion".
Insofern ist dieses Jubiläum kein Blick zurück in nostalgischer Verklärung, sondern ein Schwur nach vorn: dass wir uns weiterhin nicht verbiegen, sondern unsere Verantwortung ernst nehmen. Dass wir nicht nur berichten, sondern vermitteln, erklären, einordnen - und wo nötig, unbequem sind.
Dafür stehen wir als Chefredaktion. Die Ems-Zeitung war, ist und wird immer mehr sein als Papier und Pixel. Sie ist ein Spiegel unserer Region, ein Forum unserer Gesellschaft - und im besten Sinn ein Ort, an dem Gemeinschaft spürbar wird.
Herzlich,
Burkhard Ewert und Louisa Riepe