Dieser nasskalte Wintertag im Dezember 2020 bleibt mir in besonderer Erinnerung. Sowas begleitet man schließlich nicht alle Tage. Bei drei Grad sowie Nieselregen und stürmischen Böen beginnt an diesem Freitag gegen 7 Uhr in noch tiefer Dunkelheit auf einem Acker in Hüven ein für alle Beteiligten aufregender Tag. Ein mehr als 100 Tonnen schwerer Findling soll freigelegt und zum Schützenplatz in die Ortsmitte der Hümmlinggemeinde transportiert werden. Ein 750-Tonnen-Kran ist gefragt, um den steinernen Giganten aus dem Erdreich zu heben. Neben unserer Zeitung berichten auch der NDR, Sat 1 und RTL aus dem 570-Seelen-Dorf. Die Medien wurden im Vorfeld über die Durchführung des spektakulären Transportes informiert. Auf eine öffentliche Information verzichteten die Verantwortlichen im Übrigen bewusst. Zu groß war die Befürchtung eines Besucheransturms in Zeiten der Corona-Pandemie. Um 8.30 Uhr beginnt der Anhebevorgang, wenige Sekunden später hängt der Kaventzmann bereits in der Luft. Ebenso unkompliziert wie das Anheben des Findlings verläuft im Anschluss das Absetzen und Festzurren des Giganten auf den selbstfahrenden Trailer mit 18 Achsen, der eine Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometer schafft. Sicher und souverän wird der riesige Stein durch den Ort manövriert. Nach rund drei Kilometern am Ziel angekommen, findet der Findling am Nachmittag am Schützenplatz seine neue Heimat. Bei allen Beteiligten ist spürbar, wie die Anspannung abfällt. Die Vermessung ergibt, dass der riesige Stein etwa 5,80 Meter lang, 2,90 Meter hoch und 4,50 Meter breit ist. Das Alter schätzen Experten auf eine Milliarde Jahre. Diese imposanten Zahlen rechtfertigen den Namen „Koloss von Hüven“ definitiv. Und ich durfte seine Reise an diesem kalten Dezembertag im Jahr 2020 begleiten.

Der Autor
Christian Belling
Meine ersten journalistischen Schritte machte ich in Abiturzeiten als freier Mitarbeiter der Lokalredaktion der Ems-Zeitung. Als ich die Hochschulreife in der Tasche hatte, nahm ich an der Ruhr-Universität in Bochum ein Studium der Germanistik und Geschichte auf. Es folgten berufliche Tätigkeiten im Tourismusbüro der Stadt Oldenburg sowie in der Pressestelle der Stadt Georgsmarienhütte. Ausgestattet mit einem Volontariat schreibe ich seit Juli 2016 wieder als Redakteur für die Ems-Zeitung. Was mich antreibt? Alles, was den Lokaljournalismus ausmacht.