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Zankapfel der Mächtigen

Letzter Rest einer einst großen Festung: der Pulverturm.

Das erste urkundlich erwähnte Stück Lingen gehörte dem Bischof von Osnabrück. Ein Flecken Erde in Altenlingen, gut gelegen an der Kreuzung zweier Handelswege und direkt an einem schiffbaren Fluss. Auch der Graf von Tecklenburg sichert sich hier ein Stück Land. Weiter flussaufwärts auf dem hochwasserfreien Plateau zwischen Mühlenbach und Ems. Genau hier gibt es dann auch bald eine Burg mit Siedlung und Markt, eigenem Amt und eigenem Maß. 

Die drei Stadttore entstehen. Auf dem Marktplatz wird die Walpurgiskirche errichtet und vor der Stadt ein Gasthaus zur Versorgung Armer und Kranker eingerichtet. Bischöfe und Grafen zanken sich bald um die florierende Siedlung an der Ems. In dieser Zeit tun sich die Kivelinge zusammen. 

Kriege, Konflikte, Krankheiten

Rund 100 bürgerliche Häuser zählen damals zu Lingen. Hier leben Geistliche, Burgmannen, Händler, Handwerker und viele Landwirte. Sie verändern sogar den Flusslauf gemeinsam, denn die Ems fließt gefährlich nah an der Ortschaft vorbei, die inzwischen offiziell die Stadtrechte hat. Die Frühe Neuzeit ist für die Lingener kein Spaziergang. Kriege, Konfessionskonflikte, Truppendurchmärsche und Seuchen (wie die Pest) bedrohen und verunsichern die Menschen. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ist Lingen wiederholt Schauplatz europäischer Machtkämpfe. Es herrschen und streiten Katholiken und Protestanten, das Bistum Münster, die Niederländer, die Spanier, und dann wieder die niederländischen Oranier. Diese ständigen Machtwechsel sorgen dafür, dass Lingen mehrfach befestigt und ausgebaut wird. Die Militärpräsenz belebt die Stadt. Die Versorgung der Garnison sorgt für reges Treiben in Handwerk und Handel. Zeitweise waren es über 2.000 Soldaten, die in der etwa 1.200 Einwohner und 180 Häuser zählenden Stadt einquartiert waren. Die Festungsanlagen braucht bald niemand mehr. Der Krieg tobt weiter unten im Süden. Die Oranier investieren an der Ems. Sie bauen 1697 eine kleine Universität mit protestantischem Profil. Ein gutes Jahrhundert lang ist sie ein wichtiges geistiges Zentrum für die Region und verbessert die wirtschaftliche Situation der Bürger merklich. Nach dem Tod des kinderlosen Prinzen Wilhelm III. von Oranien fällt Lingen an den König von Preußen. Die Stadt an der Ems wird Verwaltungszentrum und dümpelt ansonsten zwei Jahrhunderte recht unspektakulär vor sich hin. 

Unternehmen aus der Region

Die Bahn bringt den Boom

Einen richtigen Boom erleben die Bürger erst mit dem Anschluss an das überregionale Eisenbahnnetz. Denn das dadurch angesiedelte Ausbesserungswerk wird zum bedeutendsten Industriebetrieb, von dem zeitweilig jeder dritte lebt. Lingen wächst kräftig.1920 leben schon 11.000 Menschen hier. Neue Schulen werden gebaut und soziale Einrichtungen geschaffen.

Die Stadt baut eine neue Verwaltung, investiert in Gaswerk, Kanalisation, Schlachthof und Wasserwerk und weist die ersten Siedlungen außerhalb des alten Stadtgrabens, längs der Ausfallstraßen und östlich der Stadt aus. 

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wird Lingen wieder Garnisonstadt. In Reuschberge entsteht die Kasernenanlage. In den ersten Nachkriegsjahren war die Beseitigung der Wohnungsnot das größte Problem. Die Zahl der Einwohner stieg innerhalb von zwei Jahrzehnten fast auf das Doppelte. Der Ausbau der Infrastruktur kommt nur schleppend voran. Der Stadt fehlt das Geld. Und der Platz. Da Gewerbeflächen fehlen, wandern expandierende Betriebe in Umlandgemeinden ab. Die Gebietsreform löst das Problem. Mehrere Umlandgemeinden schließen sich mit der Stadt Lingen zusammen und Lingen wird als Bundesausbauort gefördert. Neue Industrie- und Gewerbegebiete entstehen. Vor allem im Energiebereich erlangt Lingen überregionale Bedeutung. Zuletzt mit dem Thema Wasserstoff. Viel Energie haben auch die Studenten in die Stadt gebracht. Denn seit 2000 ist Lingen wieder Hochschulstandort und das Stadtbild bunter und jünger geworden.

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