
Zwei Konzerte, zwei Jahrhunderte, zwei Vorstellungen von Freiheit: Im 2. Sinfoniekonzert des Osnabrücker Symphonieorchesters begegnen sich Edward Elgars Violinkonzert und Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie, die „Eroica“.
Edward Elgar komponierte sein Violinkonzert op. 61 in den Jahren 1909 und 1910, mehr als ein Jahrhundert nach Beethovens „Eroica“. Die Partitur trägt eine geheimnisvolle spanische Inschrift: „Aquí está encerrada el alma de .....“ „Hier ist die Seele von ..... eingeschlossen.“ Elgar ließ den Namen unausgeschrieben. Vermutet wird, dass damit Alice Stuart-Wortley gemeint war, eine ihm nahestehende Frau, die er „Windflower“ nannte.
So wird das Violinkonzert zu einem ausgesprochen persönlichen Werk. Es ist kein bloßer Wettstreit zwischen Soloinstrument und Orchester, sondern ein weit gespannter innerer Monolog. Elgars Freiheit liegt in der unverwechselbaren Stimme des Einzelnen, die sich behauptet und zugleich immer wieder in den Dialog mit dem Orchester tritt.
In Beethovens „Eroica“ geht es dagegen um das Heroische, um politische und gesellschaftliche Ideale. Die ursprüngliche Widmung geht vermutlich auf Napoleon Bonaparte zurück, den Beethoven als Verkörperung republikanischer Ideale gesehen hat. Als Napoleon sich 1804 zum Kaiser krönte, zerbrach dieses Bild: Aus dem Helden war in Beethovens Augen ein Herrscher geworden.
Beethoven komponierte jedoch keine Musik über Napoleon, sondern über Aufbruch und Widerstand, Verlust und Trauer, Kampf und Überwindung. Freiheit erscheint als musikalische Erfahrung: Elgar und Beethoven verbindet damit eine gemeinsame Frage: Wie kann Freiheit bewahrt werden in der persönlichen Stimme wie im großen gesellschaftlichen Entwurf?
2. SINFONIEKONZERT
Edward Elgar Violinkonzert h-Moll op. 61
Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 („Eroica“)
Solist: Josef Spacek (Violine)
Dirigent: Christopher Lichtenstein
Sonntag, 1.11.2026, 18.00 Uhr und Montag, 2.11.2026, 19.30 Uhr, OsnabrückHalle