Endlich geschafft! Nach drei Jahren in der Regionalliga ist der SV Meppen mit der Rückkehr in der 3. Liga wieder am Ziel. Angekommen im Profi-Fußball, in dem er sich fest etablieren will. Am Samstag starten die Blau-Weißen beim MSV Duisburg in den neuen Zeitabschnitt.
Die Euphorie im Umfeld ist groß nach einer Regionalliga-Saison, in der Nordmeister SV Meppen Maßstäbe gesetzt hat. Mehr Zuschauer als in jedem anderen Viertliga-Stadion passierten die Tore der Hänsch-Arena: 133.762 (7.868 im Schnitt), das sind auch mehr Besucher als in fast allen Zweitliga-Jahren der Emsländer. In der Aufstiegssaison 2016/17 waren es 44.891 (2.641). Nie zuvor blieb der SVM in 18 Spielen in Folge ungeschlagen. Mehr Tore (103) und mehr Punkte (83) sammelte zuletzt 1998 in der damals noch drittklassigen Nordstaffel Hannover 96 (120/89). Zahlen, die auch in der neuen Umgebung für Respekt sorgen und Selbstbewusstsein geben können.
Doch in der 3. Liga ist der SVM zunächst ein kleines Licht, auch was den Etat angeht. "Aber wir als Verein wissen, dass wir da hingehören. Das wollen wir allen zeigen", sagt Meister-Trainer Lucas Beniermann, der schon seit 2019 für den SVM tätig ist. "Die Jungs brennen darauf.“ Mit der Vorbereitung ist er zufrieden. Alle 26 Spieler sind zum Saisonstart fit, oder ganz nah dran. Auch der lange angeschlagene Kasra Ghawilu (SSV Jeddeloh) und Niclas Wessels.
Mit Torjäger Julian Ulbricht (Waldhof Mannheim), Jonathan Wensing (VfL Osnabrück) und Mika Stuhlmacher (Preußen Münster) hat der SVM Stammkräfte abgegeben. Doch der Großteil der Aufstiegsmannschaft ist geblieben. Neun Spieler sind gekommen: Neben Ghawilu noch Florian Bähr (TSG Hoffenheim II), Jannic Ehlers (Ergebirge Aue), Cyrill Akono (Chemie Leipzig), Timo Schmitz (1. FC Köln), Henrik Wittrock (SVM U19) sowie auf Leihbasis Richard Meier (Bayern München II), der Ex-Meppener Luca Prasse (Holstein Kiel) und Jona Borsum (Eintracht Braunschweig).
Neben der sportlichen Qualität achtete der Sportliche Leiter Olufemi Smith auf den Charakter der Spieler. Weil der Etat des SVM geringer als bei den meisten Konkurrenten ist, war Kreativität gefragt. Neben den Leihspielern kamen auch Fußballer, die schon höherklassige Erfahrungen gesammelt haben, aber deren Karriere nicht geradlinig verlaufen ist. "Damit haben wir schon vergangene Saison gute Erfahrungen gemacht.“
Wie bei Erik Zenga, der schon hatte, und im Emsland wieder Leistungsträger wurde. Oder Oliver Schmitt, der in Meppen 16 Tore selbst schoss und zwölf weitere vorbereitete. Thorben Deters, der schon 2017 mit Meppen aufgestiegen ist, sorgte nach der Rückkehr für Euphorie und spielt jetzt erneut in der 3. Liga. Dominique Domröse hat sich zu einem Top-Rechtsverteidger entwickelt.
SVM-Trainer
Zweitliga-Einsätze Der 22-jährige Neuzugang Richard Meier hat schon 3. Liga gespielt. Nach dem Wechsel zu den Bayern warf ihn eine Verletzung zurück. "Sonst hätte der SV Meppen ihn wahrscheinlich nicht kennengelernt“, sagt Beniermann. Cyrill Akono bringt einige Drittliga-Erfahrung mit und kann mit dem SVM weitere sammeln. Der Coach ist sicher, dass das Profil passt. Das habe der 26-Jährige in der Vorbereitung gezeigt. "Wir haben Jungs dabei, die haben schon nachgewiesen, was sie können. Wir wollen aber auch Drittliga-Spieler entwickeln“, erklärt der Coach.


Beniermann weiß, dass sich die 3. Liga in den vergangenen drei Jahren extrem weiterentwickelt hat. "Es wird ein richtiges Brett, in dieser Liga zu bestehen. Aber wir sind total überzeugt von dem, was wir machen." Auch sein Team muss sich weiterentwickeln, um zukunftsfähig zu bleiben.
Deswegen sei es wichtig, "dass wir von Beginn an mutig sind". In dem Wissen, dass es kaum so viel Ballbesitz gibt wie noch in der Regionalliga und dass der SVM einen andere Rolle spielen wird.
Ziel ist der Klassenerhalt. Die Blau-Weißen sind der letzte Aufsteiger aus der Regionalliga Nord, der sportlich nicht direkt wieder abgestiegen ist. Vergangene Saison profitierte der Tabellen-17. TSV Havelse davon, dass 1860 München die Lizenzbedingungen des DFB nicht erfüllte. Vorher mussten der VfB Lübeck (2021, 2024), TSV Havelse (2022), VfB Oldenburg (2023) und Hannover 96 II (2025) nach nur einem Jahr direkt zurück in die Regionalliga.
Uli Mentrup