Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden
Präsentiert von

Mit Herz und Händen lernen

Für den Fall der Fälle hat der Metzger einen Spickzettel parat liegen. Foto: Daniel Löb/dpa/dpa-Bildfunk

In seiner Freizeit bringt sich Yevgeniy Klibanov Gebärdensprache bei, um sich mit seinen gehörlosen Kunden unterhalten zu können

Metzger Yevgeniy Klibanov liebt es, sich mit seinen Kunden zu unterhalten. Dann lächelt er über das ganze Gesicht und holt weit mit den Armen aus. Bei zwei seiner Stammkunden ging das jedoch lange Zeit nicht: Die beiden Männer sind gehörlos. Deshalb lernt der 39-Jährige in seiner Freizeit seit etwa einem Jahr Gebärdensprache.

Unternehmen aus der Region

Um die 95 Wörter und Begriffe beherrsche er mittlerweile, sagt Klibanov. „Ich bin noch in der Lernphase“, gibt er zu. Aber für kleine Gespräche etwa über das Wetter oder die Familie reichte es.

„Wir lachen gemeinsam“

Welchen großen Unterschied das macht, sieht man, als Hedi Doudeche an die Fleischtheke in dem Nürnberger E-Center tritt. Freudestrahlend begrüßt er den Metzgermeister mit einigen Gebärden. Der 73-Jährige ist einer der beiden gehörlosen Stammkunden und wohnt ganz in der Nähe des Supermarkts. Dank der Gebärdensprache hätten sich die beiden nun auch etwas zu erzählen, wenn sie - sich zufällig auf der Straße träfen, sagt Klibanov. „Wir reden miteinander, wir lachen gemeinsam. Dadurch bekommt man näheren Kontakt.“

Unternehmen aus der Region

Etwa 80.000 gehörlose Menschen leben nach Angaben des Deutschen Gehörlosen-Bunds in Deutschland. Die Gebärdensprache hat sich der Metzger mit Hilfe einer App beigebracht. 

Wenn abends seine Kinder schliefen, fahre er in seinen Schrebergarten, trinke Kaffee und übe, erzählt er. Im Moment lerne er aber vor allem beim Umgang mit seinen gehörlosen Kunden. Gebärdensprache hat nach Angaben des deutschen Gehörlosenbundes ein umfassendes Vokabular und eine eigenständige Grammatik, die anderen Regeln folgt als die von gesprochenen Sprachen. 

Eine Herausforderung für Klibanov, aber nichts, das ihn abschrecken würde, sagt er. „Irgendwie baue ich mir das zusammen, wenn ich was sagen will.“ Als er 2001 als Jugendlicher mit seiner Familie aus Usbekistan nach Deutschland gekommen sei, sei es auch nicht anders gewesen. Da habe er sich die Sprache Wort für Wort erschlossen und keine Angst davor gehabt, Fehler zu machen. „Es hat immer funktioniert. Ich bin da ganz locker.“ Und wenn der 39-Jährige doch mal nicht weiterweiß, hat er ja seinen Spickzettel unter der Theke. Auf diesem hat er sich die wichtigsten Begriffe aufgeschrieben wie Begrüßung, Verabschiedung, Fleischsorten, Wochentage. 

Doch als Doudeche beide Hände mit abgespreizten Daumen und kleinen Finger an den Kopf führt, weiß Klibanov sofort, was er meint. „Rind? Habe ich nicht“, sagt er mit Blick auf die Fleischwurst. Stattdessen bietet er ihm Leberwurst an. Ob Klibanov ein Talent dafür hat, Sprachen zu lernen? „Naja“, sagt er und zählt auf: „Deutsch, Russisch, ein bisschen Englisch - und jetzt Gebärdensprache.“ Dann lacht er und zuckt mit den Schultern. Ob Talent oder nicht - das spielt für Klibanov keine Rolle. Er legt einfach los. dpa


Neue rollstuhltaugliche Wanderrouten

Trotz Beeinträchtigung die Natur erleben: Barrierefreie Wanderwege im Urlaub

Wer im Rollstuhl oder mit Gehhilfe unterwegs ist, braucht flache, breite und gut ausgebaute Wege. Davon profitieren nebenbei auch Familien mit Kinderwagen. Die Region Seefeld nordwestlich von Innsbruck hat sieben rollstuhltaugliche Wanderwege zertifiziert,  heißt es vom Tourismusverband Seefeld. Die Wege reichen von kurz bis länger, von leicht über mittel bis schwer. Zwischen knapp zwei und sieben Kilometer können Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen zurücklegen, die Strecken sind beschildert und vor Ort ausgewiesen. Bis auf eine Tour sind alles Rundwanderwege. 

Übrigens: Barrierefreie Wanderwege in den Alpen sowie darüber hinaus finden sich etwa auch auf der Plattform „alpenvereinaktiv.com“. Unter dem Menüpunkt „Touren“ lässt sich über den Filter unter dem Aspekt „Mehr“ das Kriterium „barrierefrei“ auswählen. dpa

Meine Favoriten:
Alle Orte: