Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden
Präsentiert von

Natron schützt nicht vor Krebs

Viele Tipps im Netz sind sinnlos. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Vorsicht im Internet ist geboten

Manch schwerkranker Mensch klammert sich an jede angebliche Therapiemethode, die im Internet verbreitet wird. Doch viele dieser Tipps sind wirkungslos - einige sogar gesundheitsschädlich.

Ist Krebs viel einfacher zu heilen als bisher angenommen? Das jedenfalls legen Texte nahe, die sich auf mehreren Webseiten finden: Backsoda, auch Natron oder Bikarbonat genannt, könne „den Entstehungsprozess von Krebszellen vermeiden und das Wachstum beeinträchtigen“. Dafür müsse man lediglich Backpulver mit Honig oder Ahornsirup vermischen und davon drei Teelöffel pro Tag einnehmen. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Die Entstehung von Krebs lässt sich durch Backsoda nicht verhindern. Die Einnahme kann dem Körper sogar schaden. Krebs entsteht durch das unkontrollierte Vermehren von Zellen. Grund sind meist Schäden am Erbgut dieser Zellen, so die Wissenschaft. In dem Backpulver-Artikel hingegen ist ein Video verlinkt, das nahelegt, dass ein Pilz die Ursache für Krebs sei. Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie, bezeichnet das als „Märchen“.

Unternehmen aus der Region

Warum gerade Backsoda?

Der Artikel geht allerdings weiter und verspricht eine Möglichkeit, Krebs zu vermeiden oder mindestens aufzuhalten: „Krebszellen lieben Zucker, den sie geradezu verschlingen, und wenn man nun dem Körper den Bikarbonat-Zucker-Komplex zuführt, schleust man ein trojanisches Pferd in die Krebszelle.“ Das Deutsche Krebsforschungszentrum fasst den Gedankengang so zusammen: Wenn die Zellen Zucker verstoffwechseln, entsteht Milchsäure und dadurch eine saure Umgebung.

Die Krebszellen setzen sich dann infolge der sauren Umgebung in einen Ruhezustand und pausieren die Zellteilung. Diese ist jedoch für den Körper notwendig, um auf Krebstherapien anzusprechen.

Die Schlussfolgerung: Backsoda als basisches Mittel soll gegen die saure Umgebung helfen und den Ruhezustand aufheben. Doch das kann nicht wirken. „Aus wissenschaftlicher Sicht ganz klar: Warnung an alle, nicht darauf reinzufallen“, so Hübner. Grundlage dieser Idee sind wohl Studien aus den Jahren 2009 und 2018, in denen Ähnliches an Mäusen getestet wurde.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Kombination aus verringertem Säuregehalt und erhöhter Sauerstoffversorgung die Krebszellen leichter angreifbar macht. Direkt auf den Menschen lässt sich das jedoch nicht übertragen, erklärt das Deutsche Krebsforschungszentrum. „Man muss sehr sauber zwischen Tierexperimenten und dem Menschen unterscheiden“, stellt auch Jutta Hübner klar. dpa

Meine Favoriten:
Alle Orte: