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Brennstoffhandel Weber: Wie Karl einst mit dem Bernhardiner loszog

Ehrgeiziger und flexibler als mancher Großkonzern: Das Team rund um die Familie Weber. Foto: Strickstrock

Brennstoffhandel Weber: Vor 100 Jahren gegründet, heute Pellets statt Petroleum – wie das Unternehmen auch nach einem Jahrhundert erfolgreich bleibt

Dass sein Enkel heute online die Ölpreise checkt und die meisten seiner Geschäfte über das Handy regelt, hätte sich Karl Weber sicher nicht vorstellen können. Vor genau 100 Jahren hat der Ramseler sein Unternehmen gegründet. Einen Tanklaster gab es damals natürlich noch nicht. Der 20-Jährige zog mit seinem Bernhardinerrüden und einem Handwagen über die Lande. Die Bauern und Heuerleute kauften von ihm Petroleum und Farben oder Lederfett, Schuhcreme und Seifen, die seine Frau Bertha in der neuen Scheune zusammenmischte und handlich verpackte. Weber war ein gern gesehener Handelsvertreter. Oft bekam er ein warmes Mittagessen oder einen Schlafplatz für die Nacht angeboten.

Unternehmen aus der Region

Die Nähe zum Kunden pflegt Enkelsohn Norbert Weber auch heute. Mindestens an sechs Tagen die Woche ist er zu erreichen. „Und manchmal auch noch mehr”, gibt er zwinkernd zu. Die kleine Handelsvertretung ist inzwischen gewachsen. Zuerst wurde ein Auto angeschafft, dann kamen die ersten Ölheizungen auf und die Landwirte brauchten immer mehr Diesel für immer mehr Hektar. Der Handel wuchs.

Ein Telefon und ein voller Tankwagen reichen aber heute nicht mehr. Im Büro des Mineralölhändlers laufen die Fäden zusammen. Während draußen die sechs LKWs rollen, beobachtet er drinnen die volatilen Weltmarktpreise und behält die komplexen Digital-Plattformen im Blick. „Die Preise schwanken nicht mehr täglich, sondern stündlich“, erklärt Norbert Weber „und auch das große Ganze muss man auch im Auge haben und abschätzen, ob kaufen oder abwarten besser ist.“

Norbert Weber bedient in dritter Generation rund 4000 Kunden. „Und die erwarten von uns die besten Preise“, betont der 57-Jährige, „da sind wir manchmal vielleicht ehrgeiziger als ein Großkonzern. Und sicher flexibler.“ Da werden zur Maisernte die Bauern rund um die Uhr mit Diesel versorgt, leere Öltanks beim Privatmann noch am selben Tag aufgefüllt und Baustellentrocknungsanlagen auch zu den Feiertagen mit Heizöl beliefert.

„Wir müssen die Welt im Blick haben, aber ganz nah dran sein am Kunden vor Ort.“
Norbert Weber.
Den Blick auf den Weltmarkt, das Ohr am Kunden: Norbert Weber. Foto: Krämer
Den Blick auf den Weltmarkt, das Ohr am Kunden: Norbert Weber. Foto: Krämer

Der Handel mit Holzpellets ergänzt das Angebot an flüssigen Kraft- und Schmierstoffen. Das Portfolio ist inzwischen auch um AdBlue und HVO-Diesel erweitert. Alle Stoffe kann man in kleinen Gebinden vor Ort abholen oder sich auch im großen Stil liefern lassen.

Der Mineralölhändler ist heute ein Energiemanager. „Wir müssen die Welt im Blick haben“, sagt Norbert Weber, „aber ganz nah dran sein am Kunden vor Ort.“ Das wussten auch Opa Karl und Vater Erich schon. Und so wird es weitergehen in Ramsel.

Acht Mitarbeiter und die Familie zählen darauf. Gibt es keine Angst vor der Zukunft? „Als in den 1970ern die ersten Gasleitungen kamen, hat man schon alles schwarz gemalt für unsere Branche“, erinnert sich Weber, „man muss eben beweglich bleiben und mit der Zeit gehen.“ Auch das wusste sein Opa schon.

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