Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

Bernhard Wilken & Helmut Schwering, Emsland: Biogas kennt keine Dunkelflaute

Miscanthus gilt als ein vielseitiges Substrat für die Biogaserzeugung, das mit Mais konkurrieren kann, zeigt Bernhard Wilkens. Fotos: Iris Kroehnert

Biogasanlagen mit Rohbiogas-Aufbereitung zu Biomethan, Miscanthus als neues Substrat, Kreislaufwirtschaft mit Hühnermist, Gülle und Pflanzenresten; Strom- und Wärmelieferant für lokale Energieversorgung.

Landwirtschaftliche Betriebe sind nicht nur Energieverbraucher, sondern zunehmend auch -erzeuger und tragen dadurch aktiv zur Energiewende bei. Gleichzeitig erschließen sie sich neue Chancen für ihren Betrieb, zum Beispiel durch die Erzeugung von Biogas. Zwei Landwirte aus dem Emsland berichten aus ihrer betrieblichen Praxis.

Bereits vor gut 20 Jahren nahm Bernhard Wilken in Haren seine Biogasanlage in Betrieb. Fünf Jahre später wagte Helmut Schwering aus Groß Hesepe die Investition in die Erzeugung von Biogas. Er erinnert sich: „Unser Sohn hatte damals gerade die Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen und die Milchpreise waren alles andere als gut.“ Da habe er nach einem zweiten Standbein gesucht, um den Betrieb existenzfähig zu halten. Für Bernhard Wilken standen seinerzeit die Aspekte Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Veredelung im Vordergrund. „Alle Bereiche sind eng verzahnt und bilden eine Symbiose“, sagt er.

Unternehmen aus der Region

Seither haben sich die beiden landwirtschaftlichen Betriebe in Haren und Groß Hesepe stark weiterentwickelt. So hat in diesem Jahr der Hof Schwering zusammen mit fünf weiteren Biogasanlagen eine Biomethananlage gebaut, wo das Rohbiogas aufbereitet und ins Gasnetz als grünes Gas eingespeist wird. Auch auf dem Hof Wilken wurde die Biogasanlage kontinuierlich erweitert.„Unser Ansatz basiert auf den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft“, erklärt Bernhard Wilken, „wir minimieren Abfall, maximieren Ressourceneffizienz und fördern erneuerbare Energien.“ Durch die Implementierung modernster Technologien und Prozesse würden nachhaltige Werte geschaffen, die weit über kurzfristige Erfolge hinaus gehen.

Unternehmen aus der Region

3 Dabei haben beide Betriebe hohe Investitionen auf sich genommen, um mit Biogas ein zweites Standbein zu schaffen. Tragen diese inzwischen Früchte?„Es läuft ganz gut“, sagt Helmut Schwering und schränkt ein„, aber eine Gelddruckmaschine ist Biogas nicht.“ Der Preis für Silomais habe sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt und für die ständige – Instandsetzung der Anlage seien Lohn- und Materialkosten enorm gestiegen. Für Bernhard Wilken ist klar: „Man darf nicht stehen bleiben.“ Er verweist auf die Verzahnung der unterschiedlichen Unternehmensbereiche seines Hofes und nennt neben der Biogasanlage den Ackerbau, die Geflügelzucht, das Lohnunternehmen und die Rohstoffverarbeitung.„Diese Symbiose ermöglicht es uns, ein Netzwerk zu schaffen, das sich selbst versorgen kann und weitgehend unabhängig von Außenressourcen ist. So stieg die Wilken Gruppe vor mehr als 15 Jahren in den Recyclingsektor ein. Für Schreddern, Waschen und Trocknen wird ein hoher Energiebedarf benötigt – sowohl thermisch als auch elektrisch“, erklärt Bernhard Wilken. Dieser Energiebedarf werde zum einen durch die Biogasanlage gedeckt, zum anderen verweist er auf ein neues Pilotprojekt mit nachwachsenden Rohstoffen.

Unternehmen aus der Region

„Miscanthus, auch bekannt als Elefantengras oder Chinaschilf, ist eine hochinteressante Quelle zur stofflichen und energetischen Nutzung“, zeigt Wilkenbeim Gang über die Ackerfläche. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut befasst er sich mit dem Anbau der Pflanze, die nach seinen Angaben kaum Pestizide und Düngemittel benötigt und gleichzeitig hohe Erträge liefert und als Dauerkultur bei der Ökobilanz gut abschneidet.„Miscanthus ist eine robuste, mehrjährige Pflanze, die sich durch eine außergewöhnliche Fähigkeit zur CO₂Bindung auszeichnet“, zeigt der Harener Landwirt auf. Sie habe insbesondere als nachwachsender Rohstoff zunehmend an Bedeutung gewonnen. Doch nicht nur das, denn Miscanthus besitze das natürliche Potenzial, um Produkte herzustellen, die einerseits fossile Energieträger ersetzen, andererseits werde die Pflanze als nachwachsender Rohstoff geschätzt, zum Beispiel zur Herstellung von Einstreu- und Futtermitteln sowie von Industrieverpackungen. Darüber hinaus gilt die Pflanze als ein vielseitiges Substrat für die Biogaserzeugung, das mit Mais konkurrieren kann. In der Biogasproduktion wird es durch Silierung verarbeitet. „Zudem hebt der hohe Ertrag pro Hektar das Potenzial dieser Pflanze weiter hervor“, betont Bernhard Wilken.

Unternehmen aus der Region

Wer Biogas erzeugen will, muss seine Anlage täglich „füttern“, wie die Landwirte sagen. Neben Pflanzen lassen sich auch Abfall- und Rohstoffe organischen Ursprungs, zum Beispiel Jauche, Mist und Gülle, verwenden. Womit bestücken die beiden emsländischen Landwirte ihre Anlagen? Helmut Schwering:"Bei uns werden – neben Pflanzen – auch Gülle und Mist als Inputstoffe eingesetzt.“ Der Anteil habe sich sogar durch die Biomethanproduktion deutlich erhöht. Auch Bernhard Wilken setzt neben Mais, Zuckerrüben und Gras vornehmlich Hühnermist aus der eigenen Geflügelhaltung sowie Gülle, die von Nachbarbetrieben bezogen wird, ein. Den Gülleanteil schätzt er aktuell auf rund 35 Prozent ein.

Unternehmen aus der Region

Die Vorteile der Biogas Produktion liegen auf der Hand, denn als Energielieferant kennt Biogas, entgegen von Windkraft- und PV-Anlagen, keine Dunkelflaute. Allerdings darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass der Energiepflanzenanbau die Ausbreitung von Monokulturen begünstigt. Auch hegen nicht wenige Menschen Vorbehalte gegen die energetische Nutzung von Kulturpflanzen. Auf der anderen Seite bietet die Erzeugung von Biogas Landwirten eine Diversifizierung ihrer Einnahmen. Zudem schafft es auch Arbeitsplätze bei Zulieferern, Anlagenbauern und Serviceunternehmen. Auch reduziert die Nutzung von Gülle und anderen organischen Abfällen die Treibhausgasemissionen und mindert Luft-, Boden und Wasserverschmutzung. Insbesondere dienen Biogasanlagen durch die Lieferung von Strom und Wärme der lokalen Energieversorgung.

Text: Iris Koehnert

Wie bildet sich Biogas?

Example caption here
Example caption here

So erklärt es Helmut Schwering: „Biogas entsteht durch die Vergärung organischer Materialien, wie zum Beispiel Silomais, Zuckerrüben, Gras – aber auch durch die Vergärung von Mist oder Gülle. 

Mikroorganismen zersetzen das Material in einem Fermenter unter Luftabschluss bei etwa 40 Grad Celsius. Dadurch entsteht Rohbiogas, welches sich oben – unter dem Dach des Fermenters – sammelt und von dort abgesaugt werden kann.“

Meine Favoriten:
Alle Orte: