Der Apfel ist nach wie vor das beliebteste Obst der Deutschen. Das bekannteste und größte Apfelanbaugebiet dürfte in Niedersachsen das Alte Land südwestlich von Hamburg sein. Doch auch im Emsland werden zwischen Ende August und bis in den November hinein Äpfel in nicht kleiner Zahl geerntet und verarbeitet.
Sind es im Alten Land Familienbetriebe, die im Obstanbau tätig sind, haben im Emsland Streuobstwiesen eine lange Tradition. Neben dem Anbau von gängigen Sorten, wie Elstar und Jonagold, werden auch regionale Arten, wie zum Beispiel Bödikers Goldrenette, kultiviert.
Was macht den Apfel so besonders?
Der Apfel ist ein hervorragender Lieferant von Vitaminen und Nährstoffen. Die Schale ist reich an Pektin und das Fruchtfleisch enthält Apfel- und Zitronensäure. Mineralstoffe sind reichlich vorhanden, zum Beispiel Eisen, Phosphor und Calcium. An Vitaminen enthält der Apfel Vitamin A, B1, B2, B6, E, Niacin, Folsäure und vor allem große Mengen an Vitamin C.
Wie wird die Apfelernte 2025?
Die Prognosen für die diesjährige Apfelernte deuten auf eine hohe Erntemenge hin. „Die Bäumen hängen voll“, zeigt Ansgar Becker, stellvertretender Leiter des Emsland Moormuseums, beim Gang über die große Streuobstwiese, die das Museum im Rahmen des angegliederten Siedlerhofes betreibt. Auch Olaf Raue vom Apfelhof Krone-Raue in Clusorth-Bramhar pflichtet dem bei: „Wir hatten in diesem Jahr kaum Nachtfröste und erwarten im Gegensatz zum vergangenen Jahr eine gute Ernte.“


Wirkt sich der Klimawandel auf den Apfelanbau aus?
Einerseits sorgen die gestiegenen Temperaturen für eine frühere Blütezeit bei den Apfel- und Obstbäumen. Was zunächst gut klingt, birgt andererseits ein erhöhtes Risiko bei Nachtfrösten, so dass die Blüten einfrieren und die spätere Erntemenge in einem hohen Maß gefährdet wird. Nicht minder entscheidend sind die Niederschlagsmengen. Ist die Trockenheit im Frühjahr und/oder im Sommer groß, dann leiden Qualität und Quantität. „Wir mussten in der Vergangenheit bereits den einen oder anderen Baum von unseren alten Sorten austauschen“, berichtet Olaf Raue, „kommen zur Trockenheit noch sandige Böden hinzu, dann funktionieren insbesondere großfruchtige alte Apfelsorten, wie zum Beispiel der Pfannekuchenapfel, nicht mehr so gut.“
Keine Probleme mit sandigen Böden gibt es auf dem Siedlerhof in Groß Hesepe. Moorböden können enorme Mengen an Kohlenstoff und Wasser speichern“, sagt Ansgar Becker und ergänzt, „regionale Apfelsorten sind von jeher an die jeweiligen Bodenverhältnisse angepasst.“ Doch auch er hat festgestellt, dass sich geänderte Klimabedingungen an den Bäumen ablesen lassen und verweist, wie Olaf Raue, auf den „Sonnenbrand bei Äpfeln“. Dieser tritt auf, wenn die direkte Sonneneinstrahlung auf die Äpfel zu groß wird, so dass sich die sonnenexponierte Seite der Äpfel von goldgelb bis braun verfärbt.
Welche Apfelsorten haben im Emsland Zukunft?
Olaf Raue setzt auf die Sorte Topaz. „Dies ist eine neuere und recht robuste Sorte, die gut mit dem emsländischen Klima klarkommt“, sagt er. Geschmacklich sei sie dem Elstar Apfel ähnlich, sehr aromatisch und feinsäuerlich. Gezüchtet wurde die Sorte 1984 in Tschechien. Auf der Streuobstwiese auf dem Siedlerhof gedeihen alte Sorten, wie Altländer Glockenapfel, Bödikers Goldrenette, Hasenkopf oder Geheimrat Dr. Oldenburg. Favorit von Ansgar Becker ist der Zitronenapfel, auch bekannt als Golbgelbe Renette. Ab Oktober sind die Früchte, die eine leuchtend zitronengelbe Farbe tragen, reif für den Verzehr. Als typisch für den Zitronenapfel gilt der erfrischend säuerliche Geschmack, der an Zitrusfrüchte erinnert.
Die Äpfel sind geerntet - und dann?
„An apple a day keeps the doctor away“, sagt der englische Volksmund. Zwar gibt es keine eindeutigen Beweise dafür, dass der tägliche Verzehr eines Apfels vor Krankheiten schützt, doch bestätigen wissenschaftliche Studien, dass Äpfel aufgrund ihrer Vitamine, Ballaststoffe und Antioxidantien positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
Olaf Raue setzt auf seinem Hof auf die Herstellung von Apfelsaft. Verkauft wird dieser über den eigenen Hofladen. Wir beliefern hiesige Kindergärten, Grundschulen sowie die Gastronomie“, zählt er auf. Das Angebot der Mosterei erstreckt sich von den eigenen Äpfeln auch auf Ernten, die angeliefert werden. „Eine Menge von etwa 100 Kilogramm stellt das Minimum dar“, beziffert Raue die Untergrenze. Die Saftmenge richte sich stets nach der gelieferten Sorte, „die Äpfel müssen gut reif und nicht zu früh vom Baum genommen sein.“ Stichtag für die Mosterei ist der 1. September. Jährlich bewegt Raue zwischen 30 und 100 Tonnen, je nach Ernte.
Alle Früchte müssen zeitnah verarbeitet werden, daher ist eine Terminvergabe für angelieferte Äpfel in der Mosterei erforderlich. Auch die Äpfel von der Streuobstwiese des Siedlerhofes werden vorrangig zu Apfelsaft verarbeitet, der in Fünf-Liter-Containern zum Verkauf angeboten wird. Verarbeitet werden die Äpfel auch in der museumseigenen Gastronomie.
Den Apfel erleben
„Die Streuobstwiese im Spätsommer“ lautet der Titel des Familientages, den das Emsland Moormuseum am Sonntag, 24. August, zwischen 11 und 17 Uhr für die Öffentlichkeit am Siedlerhof anbietet. „Es gibt verschiedene Stationen, die man sich selber erschließen kann“, sagt Museumspädagogin Annett Meiners. „auch Experten sind vor Ort, die Fragen beantworten und Vorgänge erklären.“ Für Kinder gibt es ein Bastelangebot - und Äpfel, die reif sind, dürfen probiert werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Museumseintritt ist zu entrichten
Apfelfest in Clusorth-Bramhar
Das große Apfelfest auf Hof Krone-Raue hat bereits eine kleine Tradition. Die Neuauflage findet am Sonntag, 28. September, zwischen 11 und 18 Uhr statt. Besucher dürfen sich auf ein buntes Bühnenprogramm freuen. Für Unterhaltung sorgt die örtliche Theatergruppe, angeboten werden auch Bingo, Musik und Moderation. Außerdem locken über 50 verschiedene Stände. Um 15 Uhr wird der längste Apfelstrudel im Emsland angeschnitten. Zwischen 12 und 16 Uhr gibt es eine große Apfelsortenschau und ein Experte nimmt gegen eine Gebühr von zwei Euro pro Sorte die Bestimmung von mitgebrachten Äpfeln vor. Hierzu werden pro Sorte drei madenfreie Exemplare benötigt. Der Eintritt zum Apfelfest beträgt vier Euro pro Person.
Von Iris Kroehnert