
Wie kann ganz Deutschland seinen Wärmeverbrauch reduzieren? Christian Schwietert und Ralf Küpker haben das passende Angebot für diese Mammutaufgabe. Mit ihrer Zimmerei und Dachdeckerei K&S in Bippen bieten sie die serielle Sanierung von Gebäuden an. Angefangen bei Einfamilienhäusern über Mehrfamilienhäuser bis hin zu Zweckbauten wie ehemaligen Verbrauchermärkten entstehen aus Altbauten Gebäude mit zeitgemäßem Energieverbrauch. Der 45-jährige Zimmerer- und Dachdeckermeister Schwietert erklärt das Konzept: „Wir bauen schon immer Häuser im Holzrahmenbau.
Diese Technik ist aber auch hochinteressant für die serielle Sanierung von Gebäuden. Das Verfahren wird umfangreich gefördert, es gibt Zuschüsse und Tilgungserlasse. Bezogen auf die einzelne Wohneinheit kann man über die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW eine Finanzierung von 150.000 Euro bekommen. Wenn alles passt, muss man 45 Prozent davon nicht zurückzahlen.“
Im Vorfeld muss die Situation jedes Gebäudes, das K&S saniert, präzise aufgenommen werden. Dafür erstellt das Unternehmen ein 3D-Aufmaß, das alle Informationen zum Gebäude enthält, beispielsweise Mauervorsprünge oder Balkone. Im Werk in Bippen werden anschließend ganze Wandelemente von bis zu 12,50 Metern Länge vorproduziert. Gleiches gilt für Dachelemente. Wichtig für die Förderung: Die Elemente müssen nahezu komplett im Werk gebaut werden, beispielsweise inklusive der Fenster. „Die ganze Fertigung findet in der Halle statt“, so Schwietert: „Es ist alles trocken und wird trocken ausgeliefert. Man hat auf der Baustelle nicht mit Restfeuchten zu tun. Außerdem entfallen etliche Fahrten zur Baustelle.“ Die Wandelemente können laut dem Unternehmer als Vorhang vor eine ältere Klinkerfassade montiert werden. In der Regel empfehle man aber, die Klinkerfassade vorab zu entnehmen und das Wandelement an ihre Stelle zu setzen, um möglichst wenig Lufteinschlüsse im Fassadenaufbau zu haben.
Das fertig sanierte Gebäude soll dem aktuellen Standard KfW 55 entsprechen. Schwietert und Küpker kooperieren mit etlichen Handwerksbetrieben in einem sogenannten „Handwerker-Ring“. Der besteht aus verschiedenen eigenständigen Firmen, die jeweils eigene Angebote erstellen, sich aber eng miteinander abstimmen. „Gemeinsam können wir schlüsselfertig bauen“, sagt Christian Schwietert: „Das geht vom Betonbau über die Fenster bis hin zur Fliese an Wand oder Boden.“ Für den Kunden bietet es unter anderem den Vorteil, dass übliche Reibungsverluste auf der Baustelle minimiert werden.
Christian Schwietert und Ralf Küpker beschäftigen 16 Facharbeiter, davon sind fünf Meister ihres Faches. Hinzu kommen drei Mitarbeiter in Büro und Buchhaltung sowie fünf Auszubildende. Ab August werden es sogar sieben Auszubildende sein, zwei schließen ihre Ausbildung im laufenden Jahr ab, vier steigen neu ein. „Wir haben eine junge Belegschaft“, sagt Schwietert: „Der Altersschnitt liegt bei 35 Jahren.“ Vier Fünftel der Mitarbeiter wurden seinen Angaben zufolge im Betrieb ausgebildet. Das betrifft im Übrigen auch ihn selbst. Ein Jahr nach der Gründung des Unternehmens 1999 begann er seine Ausbildung. Später bot ihm sein heutiger Geschäftspartner Ralf Küpker an, in die Geschäftsführung einzusteigen. Die beiden übernehmen Aufträge im Umkreis von circa 60 Kilometern um den Firmenstandort in Bippen. Pro Jahr bearbeiten sie etwa 70 Projekte. Die Mitarbeiter fahren in Gruppen von 2 bis 4 Kollegen auf die Baustellen. So ist in der Regel immer einer der Meister oder ein sehr erfahrener Altgeselle mit dabei. „Die sind unsere verlängerten Arme auf der Baustelle“, so Schwietert. Mit dem Angebot der seriellen Sanierung haben Küpker und Schwietert sich ein neues Geschäftsfeld erschlossen, aus dem sie auch aufgrund der umfangreichen Förderung wachsende Umsätze erwarten. Der Bedarf ist enorm. Laut der Deutschen EnergieAgentur (dena) ist der Gebäudesektor für 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. luetz