Stichworte wie „CO₂-Fußabdruck“ und „Digital Detox“ stehen im Raum – es wird von der Wahl der Ziele über die Aktivitäten bis zu den Verkehrsmitteln bewusster gereist und immer mehr Menschen suchen gezielt Ruhe und Entspannung, um in den Ferien der ständigen Reizüberflutung aus den Medien zu entgehen.
Spannend ist, dass die neuen Trendbegriffe sich quasi nach Maß in vielen – auch klassischen – Reiseangeboten von (Bus-)Touristikern abbilden und/oder sich damit verwirklichen lassen. Insbesondere, wenn es darum geht, im Einklang mit der Natur zu reisen, ist Urlaub im Reisebus eine saubere Sache: Die komfortabelen Fahrzeuge gehören zu den klimafreundlichsten motorisierten Verkehrsmitteln. Im Schnitt fallen im Reisebus etwa fünfmal weniger Emissionen als im durchschnittlichen Pkw an – und natürlich nur ein Bruchteil der Schadstoffe, die ein Flugzeug in die Luft pustet. Darauf weist auch die Gütegemeinschaft Buskomfort hin. Wie Vorsitzender Hermann Meyering betont, profitieren Busreisende jetzt vor dem Hintergrund von gestiegenen Lebenshaltungskosten und höheren Energiepreise zudem auch preislich von modernen, sparsamen Fahrzeugen sowie attraktiven Gruppenkonditionen bei Hotels und Ausflugszielen.

Wer Entspannung sucht, ist im Bus besonders gut aufgehoben: Statt sich mit Routenplanung, Fahrstress und/oder Kofferaufgeben auf dem Flughafen zu befassen und bei etwas mehr Gewicht gegebenenfalls noch Extragebühren zu bezahlen, geht der Urlaub im Bus gleich nach dem Einsteigen los. Auf der Fahrt kann in bequemen Sitzen (mit reichlich Fußraum) entspannt werden, Reisende können Getränke aus der Bordküche genießen, lesen, Musik hören und sich mit Mitreisenden beschäftigen. Dabei entstehen wegen der ähnlich gelagerten Interessen in Reisegesellschaften häufig gute, teils anhaltende Kontakte und wer mit Kindern in den Urlaub fährt, kann anders als im Auto unterwegs viel besser auf sie eingehen und etwa mit ihnen spielen. Und der Bus ist natürlich auch ideal geeignet, um einmal mit drei Generationen auf Tour zu gehen.
Aber das Thema gewinnt u. a. durch ausgedehnte Hitzeperioden in den südlichen Urlaubsländern in den vergangenen Jahren zunehmende Bedeutung für mehr Reisende. Zu den klassischen Sommerfrische-Zielen gehören etwa Südtirol, Allgäu und Salzburger Land – aber ebenso können Regionen wie die Hohe Tatra in der Slowakei, Fjorde in Norwegen, das Altmühltal in Bayern angesteuert werden. Auch Flusskreuzfahrten sind möglich, ebenso Radtouren in den Alpen oder entlang von Elbe und Donau.
Bei „Whycation“ macht das vorangestellte Fragewort „Why“ (Warum) klar, worum es geht: Statt nur Sonnenbaden und Strandparty steht bei solchen Reisen die Suche nach Sinn im Mittelpunkt. Auch diese Art Urlaub, bei dem es um gezielte Abkehr oder Auszeiten vom Alltag geht, gibt es schon länger. Klassiker in diesem Segment sind Yoga-Reisen oder Retreats bei Natur-Touren, etwa mit Kanufahren oder Paddeln, es gibt aber noch viele weitere Variationsmöglichkeiten.
Genauer gesagt richtet sich dieses zweckgebundene Reiseformat aber nicht nur aufs Aufladen von Batterien sowie auf Reflexion, Sinnfragen und persönliche Standortbestimmung. Sondern vielmehr geht es darum, einen klaren Grund und Fokus für eine Reise in den Vordergrund zu stellen. Das kann theoretisch alles Mögliche sein – Weiterbildung oder das Erfahren von Kulturen kommen ebenso infrage wie das Erlernen von neuen Fertigkeiten wie Wellenreiten im Surfcamp, Fasten-Wandern oder Auszeiten in Hotels mit speziell gesundheitlich oder fürs Wohlbefinden ausgelegten Konzepten. Entsprechende Angebote, etwa für Wellness- oder Gesundheitsreisen, zum Eintauchen in Kulturen oder für Retreats in Yoga- und Surfcamps gibt es bei vielen (Bus-)Touristikern.

Die beiden weiteren neuen Reise-Kunstwörter „Hushpitality“ und „Quietcation“ heben auf das wachsende Bedürfnis von Ruhe ab. „Quiet“ bedeutet „leise“ – also leiser Urlaub. Und bei „Hushpitality“ wird „Hush“ („Stille“) mit dem Wort „Hospitality“ (Gastfreundschaft) kombiniert – es meint ebenfalls Reisen in die Stille. Bei dier Art Ferien geht es nicht nur einfach um Tapetenwechsel und etwas Erholung, sondern vor allem geht es um Rückzug von Stress, Lärm und digitaler Daueransprache.
Also Ferien, bei denen die Reisenden bewusst in einer ruhigen Umgebung ein paar Gänge herunterschalten, das Handy verbannen und sich eine Auszeit von der Nachrichtenflut gönnen. Bei „Hushpitality“ ist noch etwas die Wahl geeigneter ruhiger Unterkünfte einbezogen. Auch solche Reisen gibt es im Prinzip schon immer: Bekannte Angebote in diesem Segment sind etwa Pilgerreisen über den Jakobsweg, Kanutouren in Masuren oder Ferien auf dem Bauernhof bzw. der Agrar-Finca auf Mallorca. Aber es gibt immer mehr Angebote, die unmittelbar auf das Bedürfnis nach Ruhe setzen, etwa indem nicht so stark frequentierte Orte angefahren werden oder es in Regionen wie Südschweden geht, die Ruhesuchende besonders ansprechen.

„Noctourism“ kombiniert „Tourismus“ mit dem Vorwort „nocturnal“ (nächtlich) – gemeint sind Reisen bzw. Ausflüge mit nächtlichem oder abendlichem Programm. In diese Kategorie gehören beispielsweise Fahrten zu Museumsnächten, bekannten Nachtmärkten oder mit Führungen bei Dunkelheit, die bei vielen Anbietern immer wieder den Anlass oder Programmpunkte bei Städtetouren bilden.
Neu ist, dass es zunehmend zum Reiseanlass wird, den Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung genießen zu können. Für Naturliebhaber und Hobbyastronomen, die es in solche Umgebungen zieht, gibt es u. a. passende Angebote, bei denen es in sogenannte Sternenparks geht – also Gebiete mit reduziertem künstlichen Lichtschein, die etwa in der Eifel oder in Dänemark bestehen.
Weitere neue Kofferwörter aus der Reisewelt sind „Glowcation“ und „Workcation“. Mit der Vorsilbe „Glow“ (leuchten) sind Beauty- oder Wellnessreisen gemeint, bei denen es um eine schöne Haut bzw. ihre Verschönerung geht. Und wer eine „Workcation“ einlegen kann, ist besonders fein raus: Gemeint ist, „Work“ (Arbeit) und „Vacation“ (Urlaub) zu verbinden – also ortsunabhängig zu arbeiten und die berufliche Tätigkeit etwa mit dem Laptop im Urlaubsort erfüllen zu können. Das ist dann allerdings nicht nur eine Frage nach dem Reiseveranstalter – sondern auch mit dem Arbeitgeber.
Nur noch wenige Betten frei
Die Sommerferien in Niedersachsen und Bremen beginnen. Die Nachfrage nach Urlaub im Inland ist hoch. In Niedersachsen könnten sich sogar wieder Rekordzahlen einstellen. Nach einer dpa-Umfrage melden die Urlaubsregionen bereits Auslastungen zwischen 70 und 90 Prozent, aber es gibt noch letzte Plätze.