Auf ihr 175-jähriges Bestehen blickt in diesen Tagen die Ems-Zeitung zurück.„Gefühlt genauso lange sind wir auch Abonnenten“, scherzt Josef Anneken. Für den Werpeloher und seine Ehefrau Rita gehört die Regionalausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) von Kindesbeinen an einfach dazu. Auch im mittlerweile hohen Alter wollen die beiden ihre Tageszeitung nicht missen - auch, wenn ihnen nicht immer alles gefällt.
Wie sollte es anders sein, liegt die aktuelle Ausgabe der Ems-Zeitung auf dem Tisch, als der Reporter zur vormittäglicher Stunde zum vereinbarten Gespräch im Haus der Annekens eintrifft. „Sie ist fester Bestandteil im Tagesablauf“, erzählt Josef Anneken. Von der ersten bis zur letzten Seite liest der Bäckermeister in Ruhestandjeden Text. „Ich gehe jede Ecke durch“, so Anneken.
Aufgeteilt wird die Ems-Zeitung im Hause Anneken für eine zeitgleiche Lektüre aber nicht.„Ich mag es überhaupt nicht, wenn die Zeitung seitenweise in ihre Einzelteile zerlegt wird. Gleiches gilt im Übrigen für Flecken auf den Seiten“, teilt der 86-Jährige mit einem Lachen mit. Also behält er die EZ in Gänze für sich und – liest sie von vorne bis hinten sorgfältig durch.
Rita Anneken wuchs im Osnabrücker Südkreis auf - und informiert sich digital
Als junge Lehrerin wurde sie aber im Alter von 23 Jahren an die damalige Volksschule Werpeloh abgeordnet. „Ganz ehrlich: Für mich war das erst ein Schock“, erinnert sich die 85-Jährige. Doch ohne diese Abordnung hätte sie ihren Ehemann Josef nie kennengelernt. „Und neben Josef habe ich schnell auch Werpeloh und das gesamte Emsland für mich entdeckt und lieben gelernt.“ Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, was ihre Heimat im Osnabrücker Südkreis betrifft, greift sie zum Tablet.„Da erfahre ich dann aus der dortigen NOZ, was in Hagen und Umgebung so alles passiert.“
Über das lokale Geschehen hinaus ruft bei der Lehrerin in Ruhestand die Berichterstattung aus der Politik sowie der Wirtschaft größeres Interesse hervor.„Besonders die Kommentare lese ich mir gerne durch. Sie sind sehr fundiert“, beurteilt die 85-Jährige die Meinungsäußerungen der Redakteure. „Sie kommt dann immer zu mir und sagt: Was der da schreibt, genau das meine ich auch“, beschreibt Ehemann Josef die Abläufe im Hause Anneken bei der täglichen Lektüre.
Deutlich weniger Freude hatte Rita Anneken allerdings zu Beginn daran, als Ende der 1980er-Jahre und im weiteren Verlauf der 1990er-Jahre die Ems-Zeitung zunehmend farbig wurde. „Vorher war alles immer in schwarz-weiß. In Farbe sah das so ungewöhnlich aus. Jetzt wird die Zeitung unseriös, war mein erster Gedanke“, erinnert sie sich. Ihren Unmut tat sie damals im Übrigen in einem Telefonat in die Osnabrücker NOZ-Zentrale kund. „Geändert hat das natürlich nichts. Zum t Glück: An der deutlich farbenfrohen Tageszeitung habe ich nach meiner ersten Verärgerung dann auch e schnell Gefallen gefunden.“
Apropos Gefallen: Mit„Elli“ als neue Lokalspitze fremdelt die 85-Jährige noch ein wenig. „Ihr Vorgänger Hermann der Maulwurf war irgendwie spitzer, mit flotterer Zunge.“ Gut findet sie hingegen, dass die lokale Berichterstattung nicht mehr so Papenburglastig sei wie noch vor zwei, drei Jahren.
Fernab der redaktionellen Inhalte ist es Josef Anneken noch ein Anliegen, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Zustellung zu betonen."Jeden Morgen um fünf Uhr steckt die Ems-Zeitung in unserem Briefkasten. Das wissen wir zu schätzen“, freut er sich.
Christian Belling