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16.03.2019, 19:45 Uhr KOLUMNE

Werder wandelt auf den Spuren der Meisterelf von 2003/04

Von Tino Polster


Werder-Kapitän Max Kruse kratzt mit seinen Mitspielern an einem Vereinsrekord. Foto: imago/Cathrin MüllerWerder-Kapitän Max Kruse kratzt mit seinen Mitspielern an einem Vereinsrekord. Foto: imago/Cathrin Müller

Bremen. Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet unter anderem für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

schöne Bescherung! Der Dienstag und Mittwoch der Champions findet ab dem Viertelfinale ohne deutsche Beteiligung statt. Eine Entwicklung, die uns schon im vergangenen WM-Sommer frustriert zurückließ. Andere Nationen sind längst am deutschen Fußball vorbeigezogen.

Schalke 07 verkörpert da einen neuen Tiefpunkt. Und lässt auch das 4:2 des SV Werder gegen Königsblau in einem etwas anderen Licht erscheinen. Selten war es klarer: Strahlt der „Stern des Südens“ einmal nicht, weil die Verantwortlichen des FC Bayern den rechtzeitigen Umbruch verpassten, dann hat die Bundesliga auf höchster Ebene nichts mehr zu melden. Wir wollen sie eben nicht, die Scheichs und Superreichen, die viele der erfolgreicheren Clubs im Ausland kontrollieren. Unsere 50 +1-Regel sichert die Fußballkultur, hängt uns aber von ganz großen Erfolgen immer weiter ab.

Werder ist morgen in Leverkusen zu Gast. Auch so ein deutsches Team, das sich enttäuscht aus Europa zurückziehen musste. Selbst die Europa League war eine Nummer zu groß. Dafür mischen sie mit ihrem neuen Bosz aus Holland die Bundesliga auf. Mehr Punkte als die Werkself holte aus den ersten acht Spielen der Rückrunde nur Bayern München.

Vereinsrekord wackelt

Die Bremer liegen in der Jahrestabelle 2019 immerhin auf Platz fünf. Wann gab es das zuletzt, acht Spiele ohne Niederlage im neuen Jahr? Genau: in der Meistersaison 2003/04. Und wenn wir schon mal fünfzehn Jahre zurückblicken, dann wackelt ein Vereinsrekord bedenklich. Trifft Werder nämlich am Sonntag, dann hätten sie 27 Spiele lang immer mindestens ein Tor erzielt.

Das gab es nur einmal zuvor – auch unter Thomas Schaaf, in der Saison 2004/05 mit Klose und Klasnic. Ja, Werder ist eigentlich gut unterwegs, und wenn es in dieser Saison mit einem Top-7-Finish nicht klappen sollte, wären nur wenige richtig sauer. Aber was folgt dann? Die Logik sagt, dann muss das Team weiter verstärkt werden.

Was nicht leicht wird, weil gleichzeitig Abgänge drohen: Pavlenka, Maxi Eggestein, auch Max Kruse. Der Pokerfreund gibt sich in Sachen Vertragsverlängerung bislang verschlossen. Aber was wäre ein Szenario für Werders absolut Besten? Ein größerer Club als Werder, einer wie Schalke. Da passt Kruse wie die Faust aufs Auge. Würde S04 nicht über ihn nachdenken, es wäre fast schon fahrlässig.


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